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17. Mai 2016, 18:39 Uhr

Pilotstudie

Magic Mushrooms könnten starke Depressionen lindern

Lässt sich eine Depression nicht mit herkömmlichen Methoden behandeln, könnten Magic Mushrooms weiterhelfen. Darauf weist eine kleine Studie hin. Selbst ausprobieren sollte die Methode aber niemand.

Magic Mushrooms könnten nach Einschätzung von britischen Wissenschaftlern das Leben schwer depressiver Patienten etwas verbessern. In einer kleinen Pilotstudie testeten die Forscher Psilocybin, den Wirkstoff von Magic Mushrooms, bei zwölf Betroffenen. Voraussetzung war, dass andere Medikamente zuvor versagt hatten.

Das halluzinogen wirkende Psilocybin sei in der Untersuchung sicher und verträglich gewesen, erklärten die Wissenschaftler. Bei allen Patienten habe sich die Depression über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen verbessert. Sieben der Patienten hätten noch nach drei Monaten eine positive Reaktion gezeigt, bei fünf habe die Depression auch über diesen Zeitraum hinaus nachgelassen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden weltweit rund 350 Millionen Menschen an Depressionen. Viele von ihnen profitieren von Behandlungen mit Antidepressiva und kognitiven Verhaltenstherapien, bei etwa 20 Prozent zeigt sich aber keine Verbesserung der Krankheit.

Wahrnehmung der Welt verändert

Robin Carhart-Harris, der die Studie am Londoner Imperial College leitet, bezeichnete die Ergebnisse als eindrucksvoll, warnte aber auch: "Ich möchte nicht, dass die Leute jetzt denken, dass sie Depressionen behandeln können, indem sie ihre eigenen Magic Mushrooms sammeln. Dieser Ansatz könnte riskant sein."

Viele der Studienteilnehmer hätten von einem tiefgreifenden Erlebnis berichtet und schienen eine Veränderung durchgemacht zu haben, wie sie die Welt wahrnehmen. Man befinde sich mit den Ergebnissen aber noch ganz am Anfang, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Lancet Psychiatry".

Größere Studien müssten die Beobachtungen jetzt untermauern und untersuchen, wie sich Psilocybin im Vergleich zu anderen Mitteln über einen längeren Zeitraum auswirke. Hinzu kommt, dass alle Patienten wussten, dass sie den halluzinogenen Wirkstoff schlucken und sich eine Wirkung erhofften. Dies könnte die Ergebnisse geschönt haben.

Nach der Einnahme: zwei Psychiater am Bett

Die Patienten erhielten die Psilocybin-Kapseln in zwei Sitzungen mit einem Abstand von einer Woche. Die sechs Frauen und sechs Männer zwischen 30 und 64 litten im Schnitt bereits seit 17,8 Jahren unter einer Depression, die sich mit herkömmlichen Mitteln nicht behandeln ließ. Sie seien umfassend untersucht worden, bevor sie an der Studie hätten teilnehmen dürfen, so die Forscher.

Die Einnahme der Kapseln erfolgte in einem abgedunkelten Raum mit Musik. Anschließend überwachten je ein Psychiater rechts und links vom Bett die Versuchsteilnehmer und erkundigten sich regelmäßig nach deren Befinden. Auch später seien unter anderem der Blutdruck und die Herzfrequenz genau überwacht worden, so die Forscher.

Nach der Einnahme der Kapseln dauerte es bei der Studie 30 bis 60 Minuten, bis sich ein erster psychedelischer Effekt zeigte. Nach zwei bis drei Stunden erreichte der Trip seinen Höhepunkt, nach sechs Stunden konnten die Probanden die Versuchsräume wieder verlassen.

Durchführung der Studie fast gescheitert

Psilocybinhaltige Pilze wachsen weltweit in der Natur. Sie werden von Menschen schon sehr lange im Rahmen religiöser Riten oder zur Entspannung verwendet. Zu den Nebenwirkungen gehören Angststörungen und Panikattacken, ein Pilztrip kann zudem die Persönlichkeit dauerhaft verändern.

Bei den Versuchsteilnehmern beobachteten die Forscher keine schwerwiegenden Probleme. Es berichteten jedoch alle von Angst, bevor die Wirkung einsetzte. Manche waren verwirrt, litten unter Übelkeit und Kopfschmerzen. Zwei Patienten schilderten zudem eine milde, vorübergehende Paranoia.

In Deutschland ist der Besitz und Handel von psilocybinhaltigen Pilzen strafbar. Auch in England mussten die Forscher anfangs um ihre Untersuchung bangen. Die Wissenschaftler hatten in einem ersten Schritt mit gesunden Versuchsteilnehmern herausgefunden, dass eine Injektion von Psilocybin den cingulären Kortex im Gehirn bremsen kann, der bei depressiven Patienten besonders aktiv ist.

Anschließend erhielten sie zwar Forschungsgelder und die Bewilligung der Ethikkommission für weitere Studien mit kranken Betroffenen. Allerdings war es äußerst schwierig, eine Firma zu finden, die den verbotenen Wirkstoff herstellt. 2013 sah es kurze Zeit so aus, als würde die Studie an den hohen bürokratischen Hürden scheitern.

irb/Reuters

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