Psychologie Optimisten leben länger

Sie freuen sich auf die Zukunft und sind überzeugt, Ihre Ziele zu erreichen? Dann haben Sie gute Chancen, mindestens 85 Jahre alt zu werden, glauben US-Forscher.

Die Chance, 85 oder älter zu werden, war bei den Optimisten um bis zu 50 Prozent größer
Christoph Hetzmannseder/ Getty Images

Die Chance, 85 oder älter zu werden, war bei den Optimisten um bis zu 50 Prozent größer


Wer lebt länger, Optimisten oder Pessimisten? Die Studienlage zu dieser Frage ist widersprüchlich. So wurde Pessimisten zugute gehalten, dass sie sich mehr um ihre Gesundheit sorgen, Optimisten hingegen zeigten sich weniger anfällig für bestimmte Krankheiten wie Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine neue Studie sagt nun: Richtig alt werden eher Optimisten, das berichten Forscher im Fachmagazin der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften "PNAS".

Das Team um Lewina Lee von der Boston University School of Medicine nutzte zwei Datenbanken, in denen seit Jahrzehnten die Krankengeschichte bestimmter Berufsgruppen gespeichert werden. So bekamen die Forscher Informationen über den Gesundheitszustand und die Lebensführung von fast 70.000 Krankenschwestern und 1429 Veteranen.

Optimistinnen leben 15 Prozent länger

Alle Teilnehmer hatten in Fragebögen angegeben, ob sie eher optimistisch oder pessimistisch sind. Die Forscher definierten Optimisten als Menschen, die daran glauben, dass gute Dinge passieren werden oder dass die Zukunft erstrebenswert ist, weil sie bestimmte Ziele erreichen können. Die Forscher hatten die Frauen in vier Gruppen - von sehr optimistisch bis sehr pessimistisch eingeteilt. Bei den Männern waren es fünf Gruppen.

Das Ergebnis: Die Frauen in der besonders optimistischen Gruppe lebten im Schnitt um 15 Prozent länger als die in der pessimistischsten Gruppe. Dabei analysierten die Forscher nur Frauen, die ähnliche demografische Merkmale und Vorerkrankungen hatten. Bei optimistischen Männern betrug der Unterschied in der Lebenszeit elf Prozent.

Die Chance, 85 oder älter zu werden, war bei der Gruppe der stärksten Optimistinnen um 50 Prozent größer als bei den stärksten Pessimistinnen. Bei den Männern betrug der Unterschied in der Studie 70 Prozent.

Die Studie kann jedoch nur zeigen, dass ein optimistisches Wesen häufig mit einer längeren Lebenserwartung einhergeht. Es lässt sich nicht ausschließen, dass die Gesünderen schon von Natur aus optimistischer sind. Die niedrigeren Krankheitsraten wären dann nicht direkt mit der Lebenseinstellung zu erklären.

Die Wissenschaftler untersuchten deshalb, ob die höhere Lebenserwartung daran liegen könnte, dass Optimisten grundsätzlich gesünder leben, also zum Beispiel regelmäßiger zum Arzt gehen, weniger rauchen oder Alkohol trinken und mehr Sport treiben. Tatsächlich schwächte sich der Unterschied zwischen den Probanden ab, als die Forscher diese Unterschiede in der Lebensführung herausrechneten, er verschwand jedoch nicht ganz.

"Diese Studie hat eine große Relevanz für die öffentliche Gesundheit, weil sie nahelegt, dass Optimismus einer der psychologischen Faktoren ist, die ein Menschenleben verlängern können", sagt Erstautorin Lee.

Positive Gedanken können Krebs nicht heilen

Allerdings sollte der Effekt positiver Gedanken nicht überschätzt werden. So hält sich hartnäckig der Glaube, dass Krebs psychisch bedingt sei. In einer repräsentativen Umfrage des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) stimmten 61 Prozent der Aussage zu, dass seelische Belastungen und Stress Krebs auslösen können. Eindeutige wissenschaftliche Belege dafür gibt es nicht. Im Gegenteil (mehr dazu lesen Sie hier).

Trotzdem kann Optimismus einen positiven Effekt auf die mentale Gesundheit haben, sagt Ralph Schliewenz vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen: "Optimisten haben das Gefühl, dass sie die Dinge unter Kontrolle haben. Und dieses Gefühl kann man auch erlernen. Man kann sich erreichbare Ziele setzen. Die eigenen Möglichkeiten abschätzen, kleine Schritte machen, realistisch bleiben. Das ist ein Weg zum Optimismus."

koe/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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RalfBukowski 26.08.2019
1. 85 Jahre...
..wenn ich mir das so im Umfeld ansehe - nein, so alt möchte ich wirklich nicht werden, das ist gruselig. All dieses Gehumpel, Gekeuche, Zähne verlieren, Rollatorfahren, Inkontinenz... Nein danke. Ich hatte immer gehofft, mit Mitte 40 abzutreten, das hat trotz entsprechendem Lebenswandel leider nicht geklappt. Na, schau'n mer mal. Aber 60 muss es jetzt auch nicht mehr werden.
_thilo_ 26.08.2019
2. "Optimism is associated with exceptional longevity .."
Ich habe den Verdacht, der Titel bzw. die genannte Publikation geht knapp am Thema vorbei. Bekannt und gut untersucht ist, dass Stress - insbesondere andauernder Stress - sich ganz gravierend auf Gersundheit und Lebenserwartung auwirkt. Diese Art Stress kann man anhand von Blutwerten erkennen ("Stresshormon Cortisol"). Eine möglich wesentliche Ursache von andauerndem Stress ist Angst. Und es scheint plausibel, dass Pessimisten anfällig für chronische Angst vor der Zukunft sein könnten. Umgekehrt haben Optimisten sicher weniger Angst und damit weniger Stress. Eine Korrelation zwischen Optimismus und Lebenserwartung ist damit nicht überraschend. Wirklich INTERESSANT wäre eher die Frage, wie man das konkret beeinflussen kann. -> Ich bin daher für eine Verordnung von Optimismus auf Krankenschein ! Aber ohne Spass und ganz im Ernst: Evtl. würde es sich gesamtwirtschaftlich sehr lohnen einfache psychiatrische Beratung, wie auch Ernährungsberatung und und vielleicht motivierende "Fitnessberatung" in viel grösserem Umfang auf Kosten des Staates anzubieten. Wenn das den Krankenstand um - sagen wir mal - 5 % senken könnte, wären alle besser dran ... Aber die Kassen müssen ja sparen, koste es was es wolle.
_thilo_ 26.08.2019
3. @1: Pessimist !
Hey Bukowski ! (Im Ernst ? Wie Charles Bukowski ??) Q.e.d.: Pessimist hofft abzutreten ... Bitte schau mit etwas mehr Optimismus in die Zukunft. Es gibt ein Leben jenseits der 60 !
freigeistiger 26.08.2019
4. Mangel an positivem Umfeld + Freude
Zitat von _thilo_Ich habe den Verdacht, der Titel bzw. die genannte Publikation geht knapp am Thema vorbei. Bekannt und gut untersucht ist, dass Stress - insbesondere andauernder Stress - sich ganz gravierend auf Gersundheit und Lebenserwartung auwirkt. Diese Art Stress kann man anhand von Blutwerten erkennen ("Stresshormon Cortisol"). Eine möglich wesentliche Ursache von andauerndem Stress ist Angst. Und es scheint plausibel, dass Pessimisten anfällig für chronische Angst vor der Zukunft sein könnten. Umgekehrt haben Optimisten sicher weniger Angst und damit weniger Stress. Eine Korrelation zwischen Optimismus und Lebenserwartung ist damit nicht überraschend. Wirklich INTERESSANT wäre eher die Frage, wie man das konkret beeinflussen kann. -> Ich bin daher für eine Verordnung von Optimismus auf Krankenschein ! Aber ohne Spass und ganz im Ernst: Evtl. würde es sich gesamtwirtschaftlich sehr lohnen einfache psychiatrische Beratung, wie auch Ernährungsberatung und und vielleicht motivierende "Fitnessberatung" in viel grösserem Umfang auf Kosten des Staates anzubieten. Wenn das den Krankenstand um - sagen wir mal - 5 % senken könnte, wären alle besser dran ... Aber die Kassen müssen ja sparen, koste es was es wolle.
Was Sie beschreiben, das sagt man üblicherweise so. Es ist aber die falsche Blickrichtung. Viel relevanter ist ein positives Umfeld und viel Freude haben. Es gibt eine große Anzahl von Mitmenschen, die ihre Freude dadurch erzielen, auf die Schädigung ihrer Mitmenschen aus zu sein. Zur Befriedigung ihrer persönlichen Aggressionsgelüste. Gegen die hilft leider nur eigene persönliche Stärke und Konfliktbereitschaft. Sonst ist man Opfer. Und, es sind nicht die Anderen. Es ist überall verbreitet.
Gluehweintrinker 26.08.2019
5. Es geht nichts über einen gesunden Pessimismus
...denn es wird immer etwas schief laufen, das geht so garantiert immer mal wieder in die Grütze, dass man dazu nicht Murphys Gesetz bemühen muss. Wenn ich dann immer diese pathologisch-dauergrinsenden Optimisten sehe, wie sie bei jedem noch so winzigen Schicksalsschlag kollabieren und mit der Welt hadern, weil sie doch immer ihr Karma so toll pflegten und sich immer brav beim Universum für alles Schöne bedankten, dann bin ich als Pessimist ein Realist und schaue nicht mit völlig irrealen Erwartungen auf die Welt. Achtung, es sind US-Forscher. In den USA wird auch noch, wenn der Tornado die Bude zerrupft und die halbe Familie umgebracht hat, jemand auf die Frage "how are you doing?" antworten: GREAT!
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