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14. November 2013, 15:14 Uhr

Sport in der Beziehung

"Fairplay gilt auch für Paare"

Warum ist es so schwierig, gemeinsam mit seinem Partner Sport zu treiben? Im Interview mit achim-achilles.de erklärt Psychologin Jeannine Ohlert, wie Paare Streit vermeiden und weshalb Golf gut für die Liebesbeziehung ist.

SPIEGEL ONLINE: Frau Ohlert, sollten Partner beim Sport getrennte Wege gehen?

Ohlert: Natürlich nicht. Sport kann eine sehr bereichernde Erfahrung für das Paar sein.

SPIEGEL ONLINE: Häufig endet aber alles im Streit. Warum ist das so?

Ohlert: Das Problem sind die unterschiedlichen Erwartungen. Menschen machen aus den verschiedensten Gründen Sport. Der eine will Bestzeiten aufstellen, der andere sucht Entspannung. Wenn diese beiden Typen gemeinsam joggen gehen, wird's schwierig.

SPIEGEL ONLINE: Das Klischee besagt: Männer wollen Wettkampf, Frauen suchen Geselligkeit.

Ohlert: Ich schätze, man kann das zum Teil evolutionär erklären: Der Mann musste sich durchsetzen, um die beste Frau zu bekommen. Insofern gibt es da wohl die Prägung, dass er sich mit anderen messen will, wohingegen Frauen eher die Gemeinschaft suchen. Aber ich wehre mich dagegen, zwischen Frau und Mann zu unterscheiden. Es gibt genügend Frauen, die ständig an Wettkämpfen teilnehmen, und Männer, die zum Yoga gehen. Das variiert von Mensch zu Mensch.

SPIEGEL ONLINE: Auf was sollte man achten, wenn man mit dem Partner Sport treiben möchte?

Ohlert: Schwierig ist es, wenn sich das Leistungsniveau stark unterscheidet. Wenn der eine immer verliert und der andere immer gewinnt, ist das entweder frustrierend oder langweilig. Dieses Ungleichgewicht ist nicht gerade förderlich für die Liebesbeziehung. Man muss sich auf Augenhöhe begegnen.

SPIEGEL ONLINE: Schwierig, wenn es nun mal Leistungsunterschiede gibt.

Ohlert: Es ist hilfreich, wenn man eine Sportart findet, in der die Leistungsunterschiede möglichst klein sind. Aber es gibt auch Disziplinen, wo ich das ausgleichen und trotzdem gegeneinander spielen kann, zum Beispiel: Golf. Da gibt's das Handicap, das die unterschiedlichen Niveaus ausgleicht.

SPIEGEL ONLINE: Golf ist nicht jedermanns Sache. Zu welchen Sportarten würden Sie Paaren raten?

Ohlert: Tandem oder Rudern funktionieren auch ganz gut. Da kann jeder das beitragen, was er imstande zu leisten ist. Man steht nicht in direkter Konkurrenz zueinander, sondern arbeitet zusammen.

SPIEGEL ONLINE: Oh je, das Paar soll zusammenarbeiten? Das birgt ja noch mehr Konfliktpotential.

Ohlert: Stimmt, auch hier kann es Probleme geben. Wenn einer zum Beispiel schneller lernt als der andere oder die Freundin plötzlich besser ist als der Mann. Das ist für Männer oft schwierig, weil sie sich dann vor ihren Kumpels rechtfertigen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Also, bleiben wir einfach dabei: Paare können nicht gemeinsam Sport treiben.

Ohlert: Quatsch. Das Wichtigste ist, dass man vor dem Sport miteinander redet und gemeinsam überlegt: Warum wollen wir zusammen Sport treiben? Wollen wir trainieren oder Spaß haben? Geht es um Stressabbau oder Leistungssteigerung? Beim Laufen kann man beides übrigens ganz gut kombinieren. Da kann man gemeinsam gemütlich zwei Runden im Park drehen oder Tempo auf der Laufbahn trainieren. Man muss sich nur vorher einigen. Oder man macht eben nur einen Teil des Sports zusammen, auch das ist ja möglich.

SPIEGEL ONLINE: Klingt einfacher, als es ist. Man glaubt gar nicht, wie selten Paare über so etwas offen und ehrlich sprechen.

Ohlert: Beim Sport gilt Fairplay - auch für Paare. Viele Partner gehen schonungsloser miteinander um als mit anderen Personen, da die Hemmschwelle geringer ist. Sie schreien sich an und machen sich derbe Vorwürfe. Mit langjährigen Teamkameraden ist so ein Verhalten schon problematisch, aber mit denen müssen sie nicht am Abend noch ein Bett teilen. Ich sollte mich also auch meinem Partner gegenüber immer wertschätzend verhalten - auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.

SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von geschlechtergemischtem Mannschaftssport wie beispielsweise Mixed-Volleyball?

Ohlert: Meiner Erfahrung nach funktioniert das richtig gut. Klar, wenn jemand total leistungsorientiert ist und in jeder Situation zeigen muss, was er kann, ist er in so einem Team nicht gut aufgehoben. Das erzeugt schlechte Stimmung. Aber das ist immer so, egal ob gleich- oder gemischtgeschlechtlich. Ich finde es auch gar nicht schlecht, wenn man beim Sport mal Rücksicht auf andere nimmt. Ist ja schön, wenn man etwas gut kann, aber die Hauptsache beim Sport ist doch, dass man Spaß daran hat.

Mehr zum Thema Sport und Beziehung auf achim-achilles.de: 5 Tipps, wie Sport mit dem Partner klappt .

Das Interview führte Julia Schweinberger.

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