Müdigkeit und Heißhunger So erkennen Sie eine Winterdepression

Erst nieselt es, dann graupelt es, dann schneit es: Der Niederschlag zeigt sich in der kalten Jahreszeit vielfältig, der Himmel über lange Zeit immer gleich - grau. Manche Menschen werden da depressiv.
Graues Wetter: Wenn der Regenschirm schöneres Wetter ersehnt

Graues Wetter: Wenn der Regenschirm schöneres Wetter ersehnt

Foto: Malte Christians/ dpa

Wochenlang nur grauer Himmel, gedämpftes Licht und lange Nächte - das kann aufs Gemüt schlagen. Manche Menschen leiden so stark unter der winterlichen Düsternis, dass sie eine saisonale Depression ausbilden, in der Fachsprache Seasonal Affective Disorder (SAD) genannt. Zu den typischen Symptomen zählen das Gefühl von Energielosigkeit, Müdigkeit am Tag, Heißhunger auf kohlenhydratreiche Nahrungsmittel und Gewichtszunahme, sagt Christa Roth-Sackenheim vom Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP).

Auch Angstzustände und Niedergeschlagenheit können auf die SAD hinweisen. Eine nicht-saisonale Depression unterscheidet sich zum Beispiel durch Appetitlosigkeit und Schlafstörungen statt Heißhunger und Müdigkeit von den saisonalen Beschwerden.

Bei diesen folgen die depressiven Phasen typischerweise einem von den Jahreszeiten abhängigen Muster: Die kalte Jahreszeit über sind sie da, im Frühling klingen sie wieder ab. Eine Sommerdepression mit genau umgekehrtem Verlauf kommt wesentlich seltener vor. Wird das jahreszeitliche Muster mit den depressiven Phasen über mindestens zwei Jahre beobachtet und treten keine anderen depressiven Episoden auf, kann ein Arzt die Diagnose SAD stellen.

Behandlung: Sehr helles Licht

Behandeln lässt sich eine saisonale Depression unter anderem mit sehr hellem weißem Licht. Dabei setzt sich der Betroffene täglich kurz nach dem Aufstehen für etwa 30 Minuten in einem Abstand von einem Meter vor eine spezielle 10.000 Lux-Lampe, alle 90 Sekunden muss er für etwa drei Sekunden ins Licht blicken. Dadurch werden laut BVDP über die Netzhaut aktivierende Impulse an das Gehirn weitergegeben.

Das Risiko für Nebenwirkungen ist bei der Therapie gering, bei manchen können sich Kopfschmerzen oder trockene Augen entwickeln. Außerdem sollte die Lampe nicht abends zum Einsatz kommen, weil sich sonst der Tag-Nacht-Rhythmus verschieben kann.

Die Lichttherapie zählt bei saisonalen Depressionen zu den sogenannten IGeL-Leistungen, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht standardmäßig. Studien weisen allerdings darauf hin, dass Patienten von der Lichttherapie - zumindest geringfügig - profitieren können. Auch der "IGeL-Monitor", der Risiken und Nutzen von IGeL-Leistungen kritisch hinterfragt, bewertet die Lichttherapie als tendenziell positiv .

Eine Alternative zur Lichttherapie ist ein täglicher Spaziergang, bei dem man - auch bei bedecktem Himmel - oft in den Himmel schauen sollte. Dies kann auch einer SAD vorbeugen.

WINTERDEPRESSION - FRAGEN AN DEN EXPERTEN

Hilft eine Tageslichtlampe gegen den Herbstblues?Ist Winterdepression eine echte Depression?Wie wirkt Licht auf den Körper?

irb/dpa