Post-WM-Loch Erst die Feier, dann die Leere

Die Fußball-WM ist vorbei, Deutschland ist Weltmeister. Doch viele Fans fallen jetzt in ein Stimmungstief, beobachtet Frederik Jötten. Wie lässt sich die große Leere nach dem Ende der Spiele füllen?
Public Viewing im Stadion an der Alten Försterei Berlin: Während der WM war immer etwas los

Public Viewing im Stadion an der Alten Försterei Berlin: Während der WM war immer etwas los

Foto: THOMAS PETER/ Reuters

Die Fußball-WM ist vorbei, und was bleibt nach dem großen Sieg ist: eine große Leere. Wie voll mit Spielen (und damit Sinn) waren die Tage zu Beginn der WM? Ja, das waren Zeiten, es gab vier Partien am Tag! Am Ende der Gruppenphase lagen sie sogar parallel. Danach fanden je zwei Achtelfinale und später Viertelfinale an einem Tag statt! Die Aussicht auf eines dieser Spiele könnte mir jetzt die gesamte Woche retten!

Ich klage die Fifa wegen sinnlosen Verprassens von Spielen in Vorrunde, Achtel- und Viertelfinale an! Man hätte die WM locker auf zwei Monate strecken können, dann wüsste ich jetzt noch etwas mit mir anzufangen.

Stattdessen Stimmungstief, Hoffnungslosigkeit. Kommt der Nach-WM-Kater davon, dass ich wie die meisten anderen Fans die Spiele unter Bierkonsum anschaute? Ist es der Alkoholentzug? Ich sage: nein. Denn ich kenne Menschen, die während der WM nur alkoholfreies Bier getrunken haben. Ich sehe auch sie leiden. Nein, es ist eine andere Art von Entzug, die wir WM-Süchtigen jetzt erleben.

Während der Spiele war immer etwas los, Montag- und Dienstagabende wurden zu Höhepunkten der Woche. Weniger Arbeit, mehr Feiern, es gab eine kollektive Urlaubsstimmung. Höchstleistungen waren nicht mehr gefragt, es sei denn, man sah es als Höchstleitung, jedes Spiel zu sehen, also etwa auch Honduras-Ecuador.

Alle haben zusammen gefeiert

Die WM verband so viele Menschen miteinander, die sonst nichts miteinander zu tun hatten. War das schön, als Massen von Iranern vor dem persischen Restaurant ihre Mannschaft gegen Argentinien anfeuerten - und sie fast gewonnen hätten. Alles schien möglich, als in jedem Kebab-Laden rasengrüne Flachbildschirme strahlten, als Kunden, die sich nicht kannten, miteinander über die Laufwege von Arjen Robben und Lionel Messi fachsimpelten. Als dann alle Nationalitäten (außer den Argentiniern) gemeinsam auf den Straßen die Weltmeisterschaft für die deutsche Mannschaft feierten und einen kollektiven Urlaubstag forderten. Die Menschen waren verbunden in diesem Ereignis. Jetzt lebt man wieder für sich.

Okay, wir müssen für die nächsten vier Jahre damit klarkommen. Das wird nicht einfach. Bis dahin: Vielleicht erinnert sich der ein oder andere daran, dass er eine Familie hat? Vielleicht auch Freunde, die keine Fußballfans sind und die in den vergangenen Wochen nicht mehr so richtig auf dem Schirm waren?

Diese Menschen könnten jetzt die Rettung sein, weil man mit ihnen über andere Themen als über Fußball sprechen kann. Und für alle, die wirklich nicht ohne leben können, gibt es ein wenig Hoffnung: Am 22. August beginnt die neue Bundesligasaison.

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