Raumluft-Analysen Putzmittelstudie warnt vor Atemwegsbelastung durch Schadstoffpartikel

Sauber riecht erst mal gesund. Doch mit handelsüblichen Reinigungsmitteln zur Desinfektion können Schadstoffpartikel in die Lunge eindringen. Wie sie die Gesundheit gefährden? Unklar. Aber die Forscher haben einen Tipp.
Reinigungswagen mit Putzmitteln in einem Bürogebäude

Reinigungswagen mit Putzmitteln in einem Bürogebäude

Foto: Ralf Hirschberger/ Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

Die Pandemie hat auch Folgen, die nicht offensichtlich sind: Büros, Sportstudios und Läden, aber auch Privathaushalte sind in den vergangenen zwei Jahren vermutlich besonders intensiv geputzt und desinfiziert worden. Doch handelsübliche Reinigungsmittel zur Desinfektion von Oberflächen in Innenräumen können einer Studie zufolge kleine Schadstoffpartikel in die Atemwege von Menschen einbringen – und zwar in einem Ausmaß, das beim Einatmen von Autoabgasen in Straßenschluchten entstehe oder sogar darüber liege. Das Team um die Chemikerin Colleen Rosales, die zum Zeitpunkt der Arbeit an der Indiana University forschte, präsentiert die Ergebnisse im Journal »Science Advances« .

Dass Putzmittel nicht nur sauber machen, sondern unter Umständen auch gesundheitsschädlich wirken könnten, haben bereits mehrere Studien nahegelegt. So stellte eine 2018 veröffentlichte norwegische Langzeitstudie fest, dass Menschen, die sehr viel putzen, eine schwächere Lunge hätten als solche, die nie sauber machten. Den stärksten Abfall der Lungenfunktion beobachteten die Wissenschaftler der Universität Bergen bei Reinigungskräften. Eben jene standen auch im Fokus einer belgischen Studie, die ein Jahr zuvor berichtete, dass das Sterberisiko männlicher Reinigungsfachkräfte deutlich höher sei als etwa das von Büroangestellten. Privatpersonen könnten sogar noch gefährdeter sein, da sie wenig über entsprechende Sicherheitsmaßnahmen wüssten sowie die Produkte falsch anwenden oder bedenkenlos kombinieren würden.

Zu den grundlegendsten Vorsichtsmaßnahmen gehöre, so die Autoren der belgischen Untersuchung, das Tragen von Handschuhen. Dass allerdings nicht nur direkter Hautkontakt problematisch sein könnte, legt die Studie eines Teams um die Chemikerin Colleen Rosales nun nahe, die zum Zeitpunkt der Arbeit an der Indiana University forschte.

Die Forscher konzentrierten sich insbesondere auf Putzmittel, die »natürlich« nach Zitrusfrüchten oder Pinie riechen. Derartige Reiniger enthalten häufig Monoterpene, welche die Hauptbestandteile ätherischer Öle bilden. Wie die Forscher beschreiben, setzen diese Mittel flüchtige organische Verbindungen (Englisch: VOC für Volatile Organic Compounds) frei. Einige VOC, die aus verschiedenen Quellen stammen, könnten Sinnesreizungen, Kopfschmerzen, aber auch Organschäden und selbst Krebs verursachen, so eine Auflistung der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA.

Ein Testraum von 20 Quadratmetern wurde gewischt und gereinigt

Für die Studie wurde ein Testraum von gut 20 Quadratmetern mit einem handelsüblichen, auf Monoterpenen basierendem Putzmittel eine knappe Viertelstunde gewischt und gereinigt, während die Wissenschaftler kontinuierlich die Raumluft analysierten.

Nach Berechnungen des Teams atmet ein Mensch, der einen derartigen Reiniger nutzt, zu Beginn des Wischens etwa 30 bis 40 Mikrogramm primäre flüchtige organische Verbindungen pro Minute ein. Hinzu kämen dann 0,1 bis 0,7 Mikrogramm sekundärer organischer Aerosole, die durch die Reaktion des Produkts mit der Raumluft entstünden. Massemäßig sei das nicht viel, doch viele der entstandenen Partikel bewegten sich im Nanogrößen-Bereich und könnten so gesundheitliche Relevanz haben, da sie dazu in der Lage seien, in tiefste Regionen der Lunge vorzudringen.

Die Autoren betonen indes selbst, dass bislang wenig über das toxikologische Profil jener Teilchen bekannt sei, obwohl früheren Studien zufolge eine zellschädigende Wirkung nicht ausgeschlossen werden könne. Trotz dieser Unsicherheiten bestehe Anlass zur Sorge für Menschen, die etwa aufgrund ihrer Tätigkeit als Hausmeister oder Gebäudereiniger viel Arbeitszeit mit der Reinigung von Oberflächen in Innenräumen verbrächten. »Darüber hinaus wird die Exposition am Arbeitsplatz und in Privathaushalten, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt, wahrscheinlich durch die verstärkte chemische Desinfektion von Innenraumoberflächen während der derzeitigen Coronavirus-Pandemie beeinflusst«, schreiben die Autoren weiter.

Was tun, bis man mehr weiß? Intelligentes Lüften, sagen die Forscher, könnte schon mal helfen, die Ansammlung von Teilchen zu reduzieren.

oka/dpa
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