Mit Arzt und Kita fallen für manche Kinder wichtige Kontakte nach außen weg
Mit Arzt und Kita fallen für manche Kinder wichtige Kontakte nach außen weg
Foto: Lumina/ Stocksy United

Abgesagte Termine Ärztin warnt vor Schäden für Kinder

In den vergangenen Wochen wurden viele Arztbesuche gestrichen, auch für Kinder. Ein Fehler, kritisieren Pädiater. Missbrauch und Krankheiten könnten übersehen worden sein.

Die Aussetzung planbarer Operationen und Behandlungen in der Coronakrise kann laut einer Ärztin "schreckliche Auswirkungen" auf einige Kinder haben. "Der Schaden durch Dinge, die man übersieht, kann enorm sein", sagte Susanne von der Heydt, Kinderchirurgin an der Charité in Berlin.

"Man hätte kurzfristiger von heute auf morgen reagieren können, anstatt alles weit im Voraus abzusagen", kritisiert von der Heydt das Vorgehen. Für die Patienten hätte das einen großen Unterschied gemacht.

Besonders sorge sie sich um Kinder, die zu Hause Gewalt und Missbrauch erfahren. Von der Heydt ist Mitglied der Kinderschutzgruppe der Charité. Die Pflichtuntersuchungen bei Kindern und Babys fielen aktuell oftmals aus, "und es fehlen in der aktuellen Situation freie Kapazitäten bei Gesundheits- und Jugendämtern, dem nachzugehen".

Ärzte: Zum Teil einziger Kontakt nach draußen

Ärzte seien in manchen Fällen bei ganz jungen Kindern der einzige Kontakt nach draußen. Durch aufgeschobene Vorsorgeuntersuchungen könnten zudem Impflücken entstehen. Durch die Schließung von Schulen, Kitas und Betreuungseinrichtungen falle zusätzlich der "fürsorgliche und schützende Blick von außen weg".

Weil eine Spezialsprechstunde ausfalle, bekomme sie besorgte Nachrichten von Eltern zum Beispiel wegen wachsender Gefäßtumoren in den Körpern ihrer Kinder. "Die sind meist gutartig, metastasieren nicht und sind auch nicht tödlich. Aber sie wachsen eben im ersten Lebensjahr sehr schnell." Je nach dem, wo der Tumor sitzt, könne er aber irreversible Folgeschäden auslösen. Darum sei die regelmäßige Kontrolle wichtig.

Mitte März hatten Bund und Länder Kliniken dazu aufgefordert, planbare Operationen und Aufnahmen auszusetzen. Kürzlich sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Krankenhäuser sollten nun "schrittweise in eine neue Normalität" kommen, in der auch planbare Operationen wieder stattfinden.

Kinderärzte rufen Nachbarn zu Wachsamkeit auf

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt vor möglichen Folgen gestrichener Arzttermine. Durch den fehlenden Kontakt zu Medizinern, aber auch zu Erziehern, Lehrern oder Betreuern in Jugendzentren falle eine wichtige Schutzfunktion weg, heißt es in einer Pressemitteilung .

Der Verband fordert in dem Schreiben unter anderem eine breitere Aufmerksamkeit für den Kinderschutz. Achtsame Nachbarn seien eine einfache aber wichtige Maßnahme, heißt es darin. Besonders gefährdet seien neben Kindern in Brennpunkten auch Kinder in Flüchtlingsunterkünften.

In einer weiteren Mitteilung  rufen die Ärzte Eltern dazu auf, trotz der Corona-Pandemie wichtige Impf- und Vorsorgetermine wahrzunehmen. Die Impfungen schützten vor gefährlichen Krankheiten wie Masern, Röteln oder Mumps, die auch aktuell auftreten können, schreibt der Verband. Vorsorgetermine wiederum seien wichtig, um etwa angeborene Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

irb/dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.