Schwangerschaftsabbrüche Die Lücken-Liste

Eine offizielle Liste soll seit Kurzem informieren, welche Ärzte in Deutschland Abtreibungen vornehmen. Das Problem: Es steht kaum jemand darauf.

Frauen protestieren gegen die umstrittenen Abtreibungsparagrafen 218 und 219
Boris Roessler/dpa

Frauen protestieren gegen die umstrittenen Abtreibungsparagrafen 218 und 219


Eine offizielle Liste mit Ärzten und Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland vornehmen, sollte es Patientinnen erleichtern, Hilfe zu bekommen. Das Dokument umfasst allerdings bisher nur 87 Einträge, fast ausschließlich aus Hamburg und Berlin. Die meisten anderen Bundesländer sind überhaupt nicht vertreten. Dabei nehmen etwa 1200 Ärzte und Einrichtungen Schwangerschaftsabbrüche vor.

Für das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen seien gerade einmal drei Praxen gelistet, kritisierte die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulle Schauws. "Ungewollt schwangeren Frauen in Not hilft das nicht." Zunächst hatte die "taz" berichtet.

"Möglicherweise nicht vollständig"

Hintergrund für die Liste ist die Reform des Paragrafen 219a vom Februar. Nach monatelangen Debatten hatte sich die Große Koalition darauf geeinigt, dass Ärzte anders als zuvor zum Beispiel auf ihrer Internetseite darüber informieren dürfen, dass sie Abtreibungen vornehmen - weitere Informationen etwa über Methoden sind aber nicht erlaubt. (Mehr zu den Methoden lesen Sie hier.)

Eingeführt wurde mit der Reform auch, dass die Bundesärztekammer eine Liste mit Ärzten, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen führt, die Abtreibungen vornehmen - sie soll monatlich aktualisiert werden.

Die aktuell vorhandenen Einträge beruhten hauptsächlich auf bereits existierenden Listen für Hamburg und Berlin, erklärte die Kammer auf Anfrage. Mit dem Start der Onlineplattform könnten nun Ärzte aus ganz Deutschland einen Eintrag beantragen. Da dies freiwillig ist, sei die Liste "möglicherweise nicht vollständig", erläutert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die die Übersicht ebenfalls auf ihrer Internetseite veröffentlicht.

Im vergangenen Jahr haben sich 100.000 Frauen in Deutschland für eine Abtreibung entschieden.

koe/dpa



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