Babysimulator Programm gegen Teenie-Schwangerschaften fällt durch

Sie schreien, müssen gefüttert und gewickelt werden: Babysimulator-Puppen sollen Teenager nerven, damit diese nicht schwanger werden. Doch das Gegenteil ist der Fall, zeigen Daten aus Australien.
Babysimulator-Puppe

Babysimulator-Puppe

Foto: Armin Weigel/ dpa

Die Puppen werden in zahlreichen Projekten in vielen Ländern eingesetzt, unter anderem auch in Australien. Dort hat ein Forscherteam nun untersucht, ob die Babysimulatoren ihren Zweck erfüllen. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Über mehrere Jahre sei das Risiko von Teenagerschwangerschaften nicht gesunken, berichtet das Team um Sally Brinkman von der University of Western Australia im Fachblatt "The Lancet" .

Sogar das Gegenteil war zu beobachten: Mädchen, die am Babysimulator-Programm teilnahmen wurden häufiger vor ihrem 20. Lebensjahr schwanger als Altersgenossinnen, die das nicht taten. Das Forscherteam wertete Daten von mehr als 2800 Mädchen aus, die zu Studienbeginn zwischen 13 und 15 Jahre alt waren. Sie wurden zufällig einer der beiden Studiengruppen zugeteilt.

  • In der Gruppe mit Babysimulator-Programm brachten acht Prozent der Teilnehmerinnen ein Kind zur Welt, weitere neun Prozent hatten eine Abtreibung. Insgesamt wurden also 17 Prozent der Teilnehmerinnen schwanger.
  • In der Gruppe ohne Babysimulator-Programm brachten gut vier Prozent der Teilnehmerinnen ein Kind zur Welt, etwas mehr als sechs Prozent trieben ab. Insgesamt wurden also knapp elf Prozent der Teilnehmerinnen schwanger.

Das australische Programm basiert auf dem US-Programm "RealityWorks". In Schulen werden Teenager über wichtige Aspekte wie Rauchen und Trinken in der Schwangerschaft, Ernährung, sexuelle Gesundheit oder Verhütung informiert. Sie sehen eine Videodokumentation über eine Teenager-Mutter und müssen sich ein Wochenende lang um eine Simulator-Puppe kümmern. Die Babypuppe weint, wenn ein Baby gefüttert, gewickelt oder in den Schlaf gewiegt werden muss und speichert, wie gut die "Mutter" den Bedürfnissen nachgekommen ist.

Eine kleine Studie hatte bereits Schwächen des Programms aufgezeigt, schreiben Brinkmann und Kollegen: Rund 70 Prozent der Mädchen gingen davon aus, dass es etwas völlig anderes ist, sich um die Puppe oder ein echtes Kind zu kümmern. Wer sich vom Simulator überfordert fühlte, meinte dann: Beim eigenen Baby sei es einfacher.

Auch d ie Jungen ansprechen

In einem Kommentar in "The Lancet" schreibt Julie Quinlivan von der University of Notre Dame Australia in Fremantle, es gehöre mehr dazu, Teenager von Schwangerschaften abzuhalten, als ein solches Projekt.

Man solle sich nicht nur an die Mädchen richten. Denn Jungen, die als Teenager Vater werden, haben öfter Depressionen oder Angststörungen, trinken oder nehmen Drogen, schreibt die Forscherin. Müssten sie sich eine Woche um eine Baby-Puppe kümmern, würden sie wohl wenig enthusiastisch reagieren.

Zudem sollten Maßnahmen schon in der Kindheit starten, da Teenagerschwangerschaften oft das Ergebnis von Ereignissen zu dieser Zeit seien.

Ein weiteres Problem aus Quinlivans Sicht: Mädchen, die sich gut um ihren Baby-Simulator kümmern, bekommen positive Reaktionen von Freunden und Familie - in einem Alter, in dem sie sich besonders viel Aufmerksamkeit wünschen. Die Puppen könnten dazu führen, dass Jugendliche die Elternschaft stärker idealisieren. "Eltern zu sein, bedeutet mehr als Füttern, Bäuerchen herbeiführen und Windeln wechseln."

wbr/dpa