Schwangerschaft Bluttest auf Downsyndrom könnte Kassenleistung werden

Ein Bluttest kann ermitteln, ob ein ungeborenes Kind das Downsyndrom hat. Jetzt wird geprüft, ob die Krankenkassen ihn bezahlen sollen. Behindertenrechtler sind entsetzt.

Es geht um Frauen mit einer Risikoschwangerschaft - aber das sind mehr, als man zuerst denkt. Unter anderem alle Schwangeren, die Mehrlinge erwarten, alle Erstgebärenden über 35 Jahren, alle Diabetikerinnen.

Für sie könnte künftig ein Bluttest zur Kassenleistung werden, der erkennt, ob das Ungeborene Trisomie 21, auch bekannt als Downsyndrom, Trisomie 13 oder Trisomie 18 hat.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der in Deutschland darüber entscheidet, was Kassenleistung werden muss, hat ein entsprechendes Bewertungsverfahren eingeleitet.

Geprüft werden sollen Nutzen und Risiken im Vergleich zu anderen Untersuchungen, die zurzeit für diese Frauen von der Kasse übernommen werden, wie einer Fruchtwasseruntersuchung oder Biopsie der Plazenta.

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Die Bluttests sind seit 2012 auf dem Markt und bisher keine Kassenleistung, die Kosten liegen zwischen 400 und 660 Euro.

Aus Sicht von Kritikern zielen die Bluttests - ebenso wie die bereits angebotenen Verfahren - nicht auf therapeutische Maßnahmen, sondern auf den Abbruch der Schwangerschaft.

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe teilte mit, der Bluttest dürfe keinesfalls als Reihenuntersuchung angeboten werden. "Eine von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierte Routineuntersuchung, die gezielt nach Föten mit Behinderung sucht und in aller Regel zur Abtreibung führt, steht im Widerspruch zum Grundgesetz sowie zur Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen", sagte die Vorsitzende der Lebenshilfe, Ulla Schmidt.

Befürworter wie der Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery verweisen hingegen auf die Vorteile im Vergleich mit einer risikobehafteten Fruchtwasseruntersuchung.

Ethikrat einbeziehen

Der Bundesausschuss sei sich "der Tatsache bewusst, dass dieses Verfahren neben den standardmäßig zu prüfenden medizinischen Gesichtspunkten in besonderer Weise fundamentale ethische Fragestellungen berührt", sagte der unparteiische G-BA-Vorsitzende, Josef Hecken. Deshalb sei geplant, neben den wissenschaftlichen Fachgesellschaften auch Organisationen wie den Deutschen Ethikrat mit einzubeziehen.

Harald Deisler, Vorsitzender des G-BA-Unterausschusses Methodenbewertung, erklärte, es gehe auch darum, werdende Eltern über Vor- und Nachteile sowie Risiken und möglichen Konsequenzen vorgeburtlicher Untersuchungen umfassend aufzuklären.

Der Antrag sieht solche Bluttests zunächst für Risikoschwangerschaften vor. Bei einem auffälligen Befund könnten weitere Untersuchungen folgen. Der G-BA weist darauf hin, dass der Test nicht geeignet ist, um fetale Fehlbildungen oder andere Entwicklungsstörungen auszuschließen oder sonstige molekulargenetische Untersuchungen zu ersetzen, mit denen etwa erbliche Stoffwechsel- und Muskelerkrankungen festgestellt werden können.

wbr/AFP
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