"In Einzelfällen" Kassen zahlen künftig Downsyndrom-Bluttests

Ein Bluttest kann schon in der Schwangerschaft voraussagen, ob das Kind das Downsyndrom hat. Künftig werden die Krankenkassen in Einzelfällen die Kosten für die Untersuchung übernehmen.

Im Blut der Schwangeren schwimmt auch Erbgut des Kindes, weshalb ein Bluttest voraussagen kann, ob das Kind Trisomie 21 hat
Jason Butcher/ Cultura RF/ Getty Images

Im Blut der Schwangeren schwimmt auch Erbgut des Kindes, weshalb ein Bluttest voraussagen kann, ob das Kind Trisomie 21 hat


Hat das Baby Trisomie 21? Ein Bluttest kann diese Frage relativ zuverlässig beantworten. Voraussichtlich ab Herbst 2020 werden die Krankenkassen zumindest bei Risikoschwangeren unter engen Voraussetzungen diesen Test bezahlen. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, gesetzlichen Kassen und Kliniken beschlossen. Der Beschluss wird dem Bundesgesundheitsministerium zur Prüfung vorgelegt und tritt erst in Kraft, wenn dieses ihn nicht beanstandet.

In Anspruch genommen werden kann die neue Kassenleistung voraussichtlich erst ab Ende 2020. Bis dahin muss eine Informationsbroschüre erstellt und genehmigt werden.

"Nur in begründeten Einzelfällen"

Möglich sein soll die neue Kassenleistung aber "nur in begründeten Einzelfällen" für Frauen mit Risikoschwangerschaften nach einer ärztlichen Beratung, verbunden mit bestimmten verpflichtenden Informationen. Der Bluttest könne von den Kassen übernommen werden, "wenn im Rahmen der ärztlichen Schwangerenbetreuung die Frage entsteht, ob eine fetale Trisomie vorliegen könnte, und dies für die Schwangere eine unzumutbare Belastung darstellt", heißt es von Seiten des G-BA.

Durch die "sehr engen Voraussetzungen" werde klar und eindeutig geregelt, dass der Bluttest nicht als ethisch unvertretbares "Screening" eingesetzt werde, sagte der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken.

Ziel ist es laut G-BA, Risiken der sonst erforderlichen invasiven Fruchtwasseruntersuchung zu vermeiden, die seit mehr als 30 Jahren eingesetzt wird und Kassenleistung ist.

Die Bluttests werden seit 2012 Schwangeren auf eigene Kosten angeboten.

Für die Tests wird den Schwangeren ab der zehnten Woche Blut abgenommen. Anhand der darin enthaltenen Chromosomenteile des Kindes oder der Plazenta kann unter anderem die Wahrscheinlichkeit berechnet werden, mit der das Kind mit Downsyndrom auf die Welt kommen würde. Die Treffsicherheit liegt nach Angaben des Herstellers bei 99 Prozent. Zudem erhält etwa eine von tausend Frauen fälschlicherweise die Information, ihr Kind habe Trisomie 21.

Steigt die Zahl der Abtreibungen?

Kritiker fürchten, dass die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche steigt, sobald die Tests von den Krankenkassen gezahlt werden. Laut Schätzungen entscheiden sich bis zu 90 Prozent der werdenden Mütter für eine Abtreibung, wenn sie erfahren, dass ihr Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit Downsyndrom hat.

Lebenshilfe-Vorstand Sebastian Urbanski etwa warnte im "SWR": "Da ist schon die große Gefahr dabei, weil die Menschen dann aussortiert werden, und das ist eben ein Riesenfehler." Dadurch bestehe das Risiko, dass es irgendwann gar keine behinderten Menschen mehr auf der Welt gebe, sagte Urbanski, der selbst das Downsyndrom hat. Er wehrte sich außerdem gegen Vorverurteilungen: "Mein Leben ist großartig, denn so kann ich sehr vieles erreichen." Urbanski forderte gute Beratung und Aufklärung für werdende Eltern, damit sie wüssten, was mit einem Kind mit Downsyndrom auf sie zukomme.

wbr/dpa



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