Schlafprogramme für Kinder Und? Schläft's durch?

Kaum etwas beschäftigt Säuglingseltern mehr als der Schlaf des Nachwuchses. Darf das Baby beim Stillen einschlummern oder muss es das allein schaffen? Was nutzen Schlaflernprogramme? Ein Überblick.

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Gepucktes Baby
Corbis

Gepucktes Baby

Den Schnuller erst in selbstgebrannten Schnaps tauchen, anschließend mit Honig abrunden und dem Säugling zum Genießen in den Mund stecken - so brachte man früher Babys mancherorts zum Schlafen. Heute dürfte diese Methode Eltern erschaudern lassen.

Doch welches ist der richtige Weg, um Säuglinge und Kleinkinder zu selbstständigen Ein- und Durchschläfern zu machen? Brüllen lassen? Ping-Pong-Methode? Mitschlaf-Idee?

Das Internet quillt über vor schlauen Tipps, die Buchhandlungsregale mit Ratgebern. Erziehungsberechtigte, Pädagogen, Kinderärzte und Stillexperten sind uneins. Dabei ist guter Rat teuer. Denn eine Frage von wohlmeinenden Großeltern oder Freunden kommt gewiss: "Und? Schläft's schon durch?"

Jede Mutter und jeder Vater bekommt sie gestellt, meist schon kurz nach der Geburt des Nachwuchses, unmittelbar nachdem die üblichen Baby-Leistungsdaten wie Größe und Gewicht abgefragt wurden. Der Nachwuchs der Konkurrenz schläft natürlich schon immer bestens und macht überhaupt nie Probleme. Die Botschaft ist klar: Wessen Kind gut und problemlos schläft, der hat es geschafft und gehört zu den guten, zu den erfolgreichen Eltern.

Wie soll man da mithalten?

Waren früher in Ratgebern noch eher Schlafmethoden verbreitet, bei denen das Kind nicht ohne Tränen auskam, wird inzwischen mehr auf Kuscheln gesetzt. Gemeinsam haben alle Bücher und Blogs eines: Am Ende soll das Kind schlafen.

Aber es gibt noch mehr Übereinstimmungen: Die meisten Schlaftrainings wurden für Kinder entwickelt, die älter als sechs Monate sind und nachts keine Nahrung mehr aufnehmen müssen. Außerdem dürfen die Schlafprobleme der Kinder keine gesundheitlichen Ursachen haben.

Vielen Konzepten liegt zugrunde, dass die Eltern einen gleichmäßigen Tagesrhythmus für ihre Kinder organisieren - mit nicht zu viel und nicht zu wenig Schlaf für die Kleinen. Denn abends kommt es darauf an, genau den Punkt zu treffen, an dem die Kinder ihre Ruhe brauchen. Auch ein sich täglich wiederholendes Abendritual vor dem Einschlafen wie Vorlesen oder Singen wird oft beschrieben.

Die Forschung beschäftigt sich mit Schlafproblemen von Kleinkindern systematisch erst seit den Achtzigerjahren und ist zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Untersuchungen haben belegt, dass Schlaftrainings, die auf Ferber oder auf Weissbluth beruhen, zumindest wirksam sind: Irgendwann schlafen die Kinder besser ein.

Das trifft aber auch auf die meisten anderen Methoden zu, wie eine 2006 von einem Forscherteam der Saint Joseph's University in Philadelphia vorgelegte Metastudie gezeigt hat. Die Wissenschaftler hatten darin insgesamt 52 Untersuchungen ausgewertet. Demnach funktionieren die Trainings immer dann gut, wenn sich die Eltern damit gut fühlen und die Methode konsequent anwenden.

Die Frage aber, an der sich die Gemüter entzünden, bleibt: Kann ein Schlaflernprogramm meinem Kind schaden? Eine abschließende Antwort darauf gibt es bislang nicht.

Selbst zu der inzwischen stark kritisierten Ferber-Methode lassen sich nur wenig Aussagen treffen. Denn wissenschaftliche Belege für Wirkung und Nebenwirkung zu liefern bedeutet auch, Studienbedingungen zu schaffen, die sich nur schwer mit der sensiblen Lage von Säuglingen vereinbaren lassen.

Immerhin kam 2012 eine Vergleichsstudie zu dem Ergebnis, dass sich Kinder, die Ferbers Programm durchlaufen haben, in ihrem Bindungs- und Sozialverhalten in keiner Weise von Kindern unterscheiden, die anders ins Bett gebracht worden waren. Eine weitere kanadische Studie mit 28 Kindern konnte positive Effekte für die Mutter-Kind-Beziehungen zeigen. Dagegen kam eine Untersuchung von 2012 zu dem Ergebnis, dass das Stresshormon Cortisol auch dann noch bei den Kindern erhöht nachgewiesen werden konnte, als das Programm scheinbar erste Erfolge zeigte und der Cortisolspiegel bei den Müttern gesunken war.

Befriedigend sind diese Antworten für Eltern nicht. Nach bisherigem Kenntnisstand könnte die Frage nach der perfekten Einschlafmethode für Kinder also mehr eine ethische sein und weniger eine wissenschaftliche. Denn welches Schlafverhalten man seinem Kind und sich selbst zumuten will, muss am Ende jeder für sich entscheiden.



insgesamt 3 Beiträge
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telefonheld 09.09.2016
1. Was lernen wir nun?
Das war mein erster bezahlter Artikel bei SpOn, aber nicht mein erster bei laterpay. Ich habe schon viele gute Artikel über laterpay gekauft, aber dieser war es nicht wert. Sorry, aber ich empfinde diesen Artikel als Clickbaiting. In den Artikel hat es nicht mal eine Einschätzung oder gar ein Zitat eines Experten geschafft, also hat sich die Recherche wohl auf googeln beschränkt? Das war auf absehbare Zeit mein erster und letzter bezahlter Artikel bei SpOn.
purple 10.09.2016
2. Man lässt ein Kind nicht schreien!
Für mich sind alle diese Methoden Folter. Meine 3 Kinder habe ich nie schreien lassen und wir hatten im Gegenzug nie Probleme mit dem Zubettgehen. Dafür war es halt manchmal nicht 7h - ist im Sommer sowieso Blödsinn - warum soll man Schlafen wenns hell ist- sondern 23h. Und - jedes Kind ist ein bisschen anders - unser 2tes Kind hat relativ lange bei uns im Bett geschlafen - es hat die Nähe einfach genossen. Wenn man sich nicht nerven lässt ist auch das Kind nicht genervt und schon funktioniert es. Mein Enkel ist jetzt 2 1/2 schläft wenn er müde ist uns schläft nicht wenn er nicht müde ist. So wie das halt vernünftig ist - und das führt dazu, dass er wenn er Vormittag sich ausgearbeitet hat er sich mittags selbstständig und freiwillig hinlegt und wenn er nicht müde ist dann lässt er den Mittagsschlaf halt ausfallen.
hexenbesen.65 09.10.2017
3. Unterschiedlich
Mein erstes Kind (Mädchen) schlief mit 6 wochen schon "durch" (also an die 5 Stunden)...während mein zweites Kind (Sohn) ständig brüllte..auch noch nach 18 Monaten... Man kann kein Kind zum schlafen zwingen (geht bei uns ja auch nicht). Aber man kann für ruhe und entspannung sorgen. Was uns hilft (ruhe) , hilft dem Kind ja auch. Wenn natürlich die Eltern in der Wohnung qualmen, bis in die Puppen irgendwelche "Baller-Baller" Sendungen im TV auf voller Lautstärke gucken- brauchen die sich nicht wundern, wenn Kind nicht schläft.
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