Mundpflege "Öko-Test" bemängelt spitze Borsten bei Kinderzahnbürsten

Die Verbraucherzeitschrift "Öko-Test" warnt vor zu spitzen Borsten bei elektrischen Kinderzahnbürsten. Bei fünf von neun getesteten Modellen waren sie laut Test nicht sanft genug fürs Zahnfleisch. Ein teures Markenmodell fiel auch in Sachen Robustheit durch.
Kind mit elektrischer Zahnbürste: Viele Experten empfehlen zunächst eine manuelle Zahnbürste

Kind mit elektrischer Zahnbürste: Viele Experten empfehlen zunächst eine manuelle Zahnbürste

Foto: Corbis

Sie sind bequem, und weil sie surren und auf der Zunge prickeln, bereiten sie vielen Kindern oft mehr Spaß: Elektrische Zahnbürsten sind in deutschen Badezimmern immer häufiger anzutreffen. Viele Eltern glauben auch, dass die Zähne ihrer Sprösslinge damit viel sauberer werden.

Ein Trugschluss, heißt es in der Zeitschrift "Öko-Test", die jetzt mehrere Modelle von elektrischen Kinderzahnbürsten getestet hat: Ob elektrisch oder manuell, sei beim Zähneputzen auch bei Kindern zweitrangig, sagt Martin Jung, Oberarzt der Gießener Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Präventive Zahnheilkunde, laut der Zeitschrift für Verbraucherschutz.

Insgesamt neun verschiedene elektrische Zahnbürsten untersuchte "Öko-Test"  in verschiedenen Disziplinen. Das Fazit der Prüfer:

  • Nur drei erhielten das Prädikat "sehr gut" ("Oral-B Kids' Power Toothbrush Mickey Mouse" von Braun) oder "gut" ("Janosch Kinder Schallzahnbürste (7+)" von Beurer und "Oral-B Stages Power Disney Princess (5+)" von Braun).
  • Vier wurden als "befriedigend" bewertet ("Kids Akku" von Dontodent, "Janosch Kinder Schallzahnbürste (4-7)" von Beurer, "Akku-Zahnbürste (ab 3)" von Perlodent und "Sonicare For Kids (7+)" von Philips
  • Jeweils ein Modell bekam die Note "ausreichend" ("Sonicare For Kids (4+)" von Philips) oder "mangelhaft" ("Denta Care Schallzahnbürste EW 1031 CM" von Panasonic)

Die Tester kritisierten unter anderem die Borstenenden der elektrischen Zahnbürsten: Bei fünf Zahnbürsten waren sie zu kantig und spitz. Zwar wirke sich das nicht negativ auf die Putzwirkung aus, heißt es in dem Bericht, doch die spitzen Borsten könnten das Zahnfleisch schädigen. Gerade bei Kindern, die noch nicht so zielgerecht putzen, "sollten Hersteller für ordentlich abgerundete Borsten sorgen", schreibt "Öko-Test".

Demnach untersuchte ein Experte die Borstenenden mit Hilfe eines Mikroskops. So konnten sie prüfen, ob die Enden ausreichend abgerundet und damit sanft zum Zahnfleisch sind. Den Ergebnissen zufolge schneiden in diesem Kriterium drei der Modelle nur mit "ausreichend" ab: Die "Denta Care Schallzahnbürste EW 1031 CM" von Panasonic sowie die "Sonicare For Kids (4+)" von Philipps, als auch die "Janosch Kinder Schallzahnbürste (4-7)" von Beurer. Bei allen drei Modellen waren demnach weniger als 50 Prozent der Borsten "akzeptabel".

Das Modell von Perlodent sowie die beiden Oral-B-Modelle von Braun überzeugten die Tester in Sachen Borstenqualität am meisten: Bei diesen elektrischen Zahnbürsten waren mehr als 70 Prozent aller Borsten ausreichend abgerundet und somit "akzeptabel".

Schon beim zweiten Sturz irreparabel beschädigt

Das Testergebnis zeigt auch: Beim Kauf müssen Eltern nicht unbedingt teure Modelle wählen. Diese schneiden im Test teilweise am schlechtesten ab. Die "Denta Care Schallzahnbürste EW 1031 CM" von Panasonic erhielt das Gesamturteil "mangelhaft", da neben der schlechten Borstenqualität auch noch andere Qualitätsmerkmale beanstandet wurden: Die Prüfer analysierten unter anderem technische Details (wie Betriebszeit der Akkus und Kontrollleuchten für den Ladezustand), Robustheit und Inhaltsstoffe des Griffs. Zudem prüften sie, wie kindgerecht die Modelle sind.

Demnach ging das Panasonic-Modell schon beim zweiten Sturz aus einem Meter Höhe auf dem Fliesenboden kaputt und war irreparabel beschädigt. Kritisch bewerteten die Prüfer auch das Griffmaterial der "Sonicare For Kids" von Philips. In beiden Modellen fanden sie Naphthalin, eine Substanz aus der Gruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die unter Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE haben sich weder Panasonic noch Philips bisher zur Kritik geäußert.

Grundsätzlich empfehlen viele Experten, dass kleine Kinder erst mit einer manuellen Zahnbürste das Putzen lernen sollten. Ab etwa drei Jahren könnten sie auf elektrische Modelle umsteigen. Doch solange ein Kind mit einer manuellen Zahnbürste gut zurechtkommt, gebe es kein Grund zu wechseln, sagt der Gießener Zahnarzt Jung.

Laut Christian Splieth, der ebenfalls von "Öko-Test" als Experte herangezogen wird, reinigt eine elektrische Zahnbürste zwar gründlicher. "Aber ein kariesfreies Gebiss ist auch mit einer manuellen Zahnbürste zu erreichen - wenn man weiß, wo man putzen muss", sagt der Leiter der Abteilung für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde an der Universitätsklinik Greifswald. Eltern sollten ihren Kindern deshalb zeigen, wie sie alle Stellen erreichen. Bei Kindern unter acht Jahren sollten die Eltern zudem noch einmal Nachputzen. Denn erst ab etwa acht sind Kinder laut Splieth in der Lage, ihre Zähne allein gründlich zu reinigen.

Zähne-Quiz
cib/dpa