Studie gibt Entwarnung Kein erhöhtes Fehlgeburt-Risiko durch Schmerzmittel 

Ob bestimmte, oft genutzte Schmerzmedikamente das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen, war bislang unklar. Studien lieferten widersprüchliche Ergebnisse. Israelische Forscher geben nun Entwarnung.

Mit Vorsicht zu genießen: Tabletten in der Schwangerschaft
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In der Schwangerschaft Schmerzmittel schlucken? Manchmal führt kein Weg daran vorbei. Umso wichtiger ist es, dass die möglichen Risiken und Nebenwirkungen der Medikamente für Schwangere und Fötus bekannt sind.

Ärzte des Soroka Medical Center in Beer-Sheva, Israel, haben deshalb analysiert, welche Schmerzmittel alle Frauen während des ersten Schwangerschaft-Trimesters eingenommen hatten, die zum Entbinden oder wegen einer Fehlgeburt in das Krankenhaus gekommen waren. Ihren Daten zufolge erhöhen Ibuprofen und andere sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) nicht das Risiko einer Fehlgeburt.

98 Prozent der Geburten in der Region finden in dem klinischen Zentrum statt, schreiben Amalia Levy und ihre Kollegen im "Canadian Medical Association Journal". Zwischen Januar 2003 und Dezember 2009 entbanden dort 58.949 Frauen. 6508 kamen wegen einer Fehlgeburt in die Klinik.

Knapp sieben Prozent hatten Schmerzmittel vom NSAR-Typ genommen

4495 der Schwangeren, also knapp sieben Prozent, hatten im ersten Trimester ein NSAR eingenommen. Mit Abstand am häufigsten war dies Ibuprofen, gefolgt von Diclofenac und Naproxen. Sogenannte selektive Cox-2-Hemmer, die Schmerzen über einen anderen Mechanismus als die NSAR kappen, hatten nur sehr wenige Frauen eingenommen.

Die Frauen, die ein Schmerzmittel geschluckt hatten, waren im Schnitt älter, litten eher unter Entzündungskrankheiten, Schilddrüsen-Unterfunktion oder waren Raucherinnen. Außerdem fanden sich in dieser Gruppe häufiger Frauen, die nach einer künstlichen Befruchtung schwanger geworden waren.

Zehn Prozent der Schwangeren, die keinerlei NSAR eingenommen hatten, kamen wegen einer Fehlgeburt in die Klinik. In der Gruppe, die ein NSAR geschluckt hatten, waren es acht Prozent. Die Differenz sagt aus statistischer Sicht nichts aus. Ein erhöhtes Risiko hatten die Schwangeren, die einen selektiven Cox-2-Hemmer eingenommen hatten: Es lag bei 17 Prozent. Allerdings hatten lediglich 71 Schwangere eines dieser Mittel genommen, von denen zwölf eine Fehlgeburt hatten. Die Fallzahl war also sehr klein.

Frühere Studien zu der Frage, ob NSAR das Fehlgeburt-Risiko erhöhen, hatten widersprüchliche Ergebnisse geliefert, schreiben die Wissenschaftler. Die Tatsache, dass ihre Untersuchung auf einem sehr großen Teil der Bevölkerung eines Bezirks beruhe und fast alle bekannten Risikofaktoren für eine Fehlgeburt mit eingerechnet wurden, stärke die nun gewonnene Erkenntnis.

Andere mögliche Nebenwirkungen auf das Kind im Mutterleib wurden in der Studie nicht untersucht.

In Deutschland empfiehlt das Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie Schwangeren bei leichten Schmerzen den Wirkstoff Paracetamol und im ersten und zweiten Trimester zusätzlich Ibuprofen.

wbr



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Hübitusse 04.02.2014
1. Hurra!
Demnach können wir weiterhin hemmungslos Schmerzmittel einschmeissen! Denn was Schwangeren und ihrem Kind angeblich nicht schadet, schadet allen anderen bestimmt auch nicht!
ach ja? 04.02.2014
2. Obacht NSAR
Gefährlicher Journalismus! Geht in Ordnung, dass Sie diese Studie veröffentlichen, allerdings wäre es in einem solchen Fall sehr wichtig darauf hinzuweisen, dass NSAR im (2.+) 3. Schwangerschaftsdrittel NICHT eingenommen werden sollen, da hier die Gefahr eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus Botalli besteht. Mit erheblichen Folgen für das Kindswohl!
nine1011 04.02.2014
3. Hilfe!!!
Also, aufgrund einer Studie zum Fehlgeburtsrisiko ab nun Schwangeren NSAR freizugeben halte ich für grob fahrlässig, da das ja wohl nicht das Problem bei der Substanzklasse ist... Es geht ja wohl eher um Kardiovaskuläre Schäden, insbesondere bei Diclo etc. Und dass immer noch Paracetamol wie Smarties verordnet wird, sollte auch mal studientechnisch untersucht werden... Eine Substanz, die heute keine Zulassung mehr bekäme...
medicus22 04.02.2014
4. Verharmlosung
Zitat von HübitusseDemnach können wir weiterhin hemmungslos Schmerzmittel einschmeissen! Denn was Schwangeren und ihrem Kind angeblich nicht schadet, schadet allen anderen bestimmt auch nicht!
Diese Verharmlosung von Medikamenten ist wirklich gefährlich. Jeder denkt das Aspirin und Co. völlig gefahrlos eingeworfen werden können. Überall wird damit geworben. Ein Werbeverbot für Medikamte wäre doch mal eine Idee. Wer seine Schmerzen mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln los wird, hat keine Schmerzen.
BettyB. 04.02.2014
5. Um wessen Wohl geht es dabei?
Klar doch, das Wohl der Industrie ist wichtig. Und Erkrankung der Embryos im Mutterleib durch Medikamenteneinnahme erhöht die Chance, den Eltern später wieder mehr Medikamente zu verkaufen. Drum Mädels: schluckt Pillen, schluckt, die Industriebosse freut es...
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