Bioethik-Gesetz Frankreich öffnet künstliche Befruchtung für alle Frauen

In Frankreich steht die künstliche Befruchtung nun auch Singles und lesbischen Frauen offen. Die Leihmutterschaft bleibt aber weiter verboten.
Künstliche Befruchtung (Symbolbild)

Künstliche Befruchtung (Symbolbild)

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ dpa

Die Pariser Nationalversammlung hat das sogenannte Bioethik-Gesetz besiegelt. Damit können künftig erstmals auch Singles und lesbische Paare ihren Kinderwunsch verwirklichen. Das Gesetz war ein Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron.

Bisher mussten alleinstehende Frauen oder lesbische Paare aus Frankreich ins Ausland reisen, um sich dort mit Spendersamen befruchten zu lassen. Möglich war das etwa in Belgien oder Spanien. Nur heterosexuelle Paare, die keine Kinder zeugen können, konnten die In-vitro-Fertilisation in Frankreich in Anspruch nehmen. Sie mussten verheiratet sein oder mindestens zwei Jahre zusammenleben.

Nach Umfragen unterstützen mehr als zwei Drittel der Franzosen die Öffnung der künstlichen Befruchtung, wie sie in anderen europäischen Ländern bereits üblich ist.

Konservative und kirchliche Gruppen demonstrierten mehrfach gegen die Novelle. Sie argumentieren, das Gesetz beraube Kinder einer Vaterfigur und bedrohe traditionelle Familienstrukturen. Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran sprach dagegen von einem »guten Tag« für Frankreich. Nach seinen Angaben könnten die ersten Kinder unter der Neuregelung »vor dem Jahresende 2021« gezeugt werden.

Leihmutterschaft bleibt verboten

Das Bioethik-Gesetz erlaubt es zudem mehr französischen Frauen, ihre Eizellen einfrieren zu lassen, um sie später künstlich zu befruchten. Bisher war eine solche Behandlung nur in Ausnahmefällen erlaubt, etwa wenn eine Krebsbehandlung die Fruchtbarkeit beeinträchtigte.

Darüber hinaus gibt das Gesetz Kindern, die mit Spendersamen gezeugt wurden, das Recht, als Erwachsene die Identität ihres Vaters zu erfragen. Bisher garantierte Frankreich den Spender Anonymität. Verboten bleibt indes die Leihmutterschaft. Auf diese Weise im Ausland gezeugte Kinder können aber unter Auflagen erstmals von den Behörden anerkannt werden.

mfh/AFP
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