Hypnose bei der Geburt Entspannt entbinden

Hebammen und Frauenärzte entdecken die Hypnose für die Geburtsvorbereitung. Die Technik soll die Angst vor der Entbindung nehmen und Schmerzen lindern.
Entspannung während der Schwangerschaft: Hypnosetherapie soll unter anderem die Angst vor der Entbindung nehmen

Entspannung während der Schwangerschaft: Hypnosetherapie soll unter anderem die Angst vor der Entbindung nehmen

Foto: CARLOS BARRIA/ Reuters

Ein Pendel gehört nicht zu ihrer Ausrüstung. Auch mit Fremdbestimmtheit habe eine Geburt unter Hypnose nichts zu tun, sagt Claudia Müffler. Sie arbeitet als Hebamme am St. Sixtus-Hospital in Haltern am See. Frauen können sich dort für eine Geburt unter Hypnose entscheiden. Das soll ihnen Angst nehmen und Schmerzen lindern.

"Es ist ein Zustand der Tiefenentspannung, der sich zwischen Wach-Sein und Schlaf befindet", sagt Müffler. Die Frauen könnten sich hinterher an alles erinnern. Helga Hüsken-Janßen, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (DGH) beschreibt es so: "Viele Schwangere vergleichen das Erleben einer Trance mit dem angenehmen Zustand kurz vor dem Einschlafen, wenn man eher in Bildern denkt, und der Körper zur Ruhe kommt."

Hypnose ist längst in Krankenhäusern angekommen. In der Psychotherapie gilt sie als anerkanntes Verfahren und wird genutzt, um etwa Menschen mit Depressionen zu helfen. "Die Selbsthypnose kann eine wirkungsvolle Maßnahme sein, um Verspannungen und Angst während der Geburt zu reduzieren", sagt Ulrich Freitag, Vorstandsmitglied beim Berufsverband der Frauenärzte. Entscheidend dafür sei eine sehr gute Anleitung vor der Geburt.

Hypnotherapeuten sollten eine solide Ausbildung absolviert haben

Hebamme Claudia Müffler hat die Technik während einer 40-stündigen Ausbildung bei einem Hypnotherapeuten erlernt. Statt eines Pendels nutzt sie ihre Hand: "Ich halte der Schwangeren meinen Finger über die Stirn, und sie muss, ohne den Kopf zu heben, die Augen darauf gerichtet lassen", erklärt sie. Irgendwann dürfen sich die Augen schließen. Die Frauen lernten, sich so fallen zu lassen, dass sie Wärme und Schwere empfinden. Dann bekommen die Schwangeren die Aufgabe, sich gedanklich einen Wohlfühlort auszusuchen. Dieses Bild sollen die Frauen aufsuchen, wenn die Geburt beginnt.

Bei der hypnomentalen Geburtsvorbereitung wird ein mentaler Probelauf der Geburt geübt. "Zentral ist ein Konditionierungsprozess, bei dem der Beginn einer Wehe mit dem Erleben eines Trance-Zustandes gekoppelt wird", sagt DGH-Geschäftsführerin Hüsken-Janßen. Hypnose gehöre aber nur in die Hände von qualifizierten Therapeuten, rät die DGH. Ein Therapeut sollte über ein Zertifikat einer seriösen Hypnosegesellschaft verfügen, die dafür bürge, dass er eine solide Ausbildung absolviert habe. Für Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzte bietet die DGH etwa eine Fortbildung an, für Hebammen nicht.

Auch der BVF verweist darauf, dass die therapeutische Hypnose nur von qualifizierten Psychotherapeuten und Ärzten durchgeführt werden sollte. Auch in einem Hypnosekurs zur Geburtsvorbereitung könnten starke unerfreuliche oder unangenehme Gefühle und Erlebnisse aufbrechen, sagt Freitag. "Solche Prozesse müssen von den therapeutischen Begleitern frühzeitig erkannt werden."

Eine psychische Erkrankung sei ein Ausschlusskriterium, heißt es beim St. Sixtus-Hospital. Frauen, die unter Depressionen leiden oder traumatische Vorerfahrung haben, schickt Müffler zu ihrem Ausbilder, einem Hypnotherapeuten.

Klappt das auch im Kreißsaal?

Studien zum Thema gibt es in Deutschland noch nicht viele. Erste Ergebnisse deuteten darauf hin, dass mit Hypnose Ängste genommen werden können und weniger Schmerzmittel notwendig sind, sagt der Frauenarzt Joscha Reinhard vom St. Marienkrankenhaus in Frankfurt am Main. "Aber die Patientenzahl ist einfach noch zu gering, um das mit hundertprozentiger Sicherheit sagen zu können."

Marion Schulze-Efting hat die Methode ausprobiert. Vor etwas mehr als drei Monaten hat sie ihr zweites Kind bekommen. In dem Vorbereitungskurs habe die Hypnotherapeutin immer wieder bestimmte Schlagwörter benutzt. "Als die Hebamme mir dann sagte, dass der Muttermund geöffnet sei, bin ich automatisch in den Zustand der Trance gekommen", sagt sie. Angst habe sie nicht gehabt. "Klar hatte ich Schmerzen, aber nichts, was ich nicht aushalten konnte."

Wie lässt sich die Technik in den Kreißsaal integrieren? "Es kommt nicht auf das Krankenhaus an. Die Frauen haben gelernt, die Hypnose autark zu nutzen", sagt Hüsken-Janßen. Auch die Methode, die Müffler vermittelt, ist so angelegt, dass die Frau ohne Anleitung in die Hypnose finden soll.

Klappt das auch, wenn das Klinikpersonal selbst nicht mit der Technik vertraut ist? Hebamme Jana Friedrich hat ihre Zweifel. Sie arbeitet fest angestellt in einer Klinik in Berlin und hat dort Schwangere erlebt, die sich in Hypnobirthing-Kursen vorbereitet hatten. "Ich hatte das Gefühl, die Frauen haben eine Liste im Kopf, wie die Geburt zu verlaufen hat", sagt sie. Durch dieses starre Bild seien sie weniger flexibel gewesen.

Sie habe außerdem den Eindruck gewonnen, dass Schmerzen in den Kursen negiert würden. Ein Fehler, glaubt sie. "Es gibt Frauen, die das gut können, aber man sollte ihnen nicht versprechen, dass die Geburt nicht wehtun wird." Prinzipiell sei sie vom Ansatz des Hypnobirthing aber überzeugt: "Ich glaube, dass es in einem Geburtshaus oder sogar mit einer Beleghebamme in der Klinik funktionieren kann." Wichtig sei aber, dass die Schwangere Vertrauen in das Team in der Klinik habe.

Maren Hennemuth, dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel