Künstliche Befruchtung Inderin wird mit 70 zum ersten Mal Mutter

46 Jahre lang versuchte das Paar ein Kind zu bekommen - erst jetzt hat es geklappt. Eine Inderin hat mit 70 Jahren einen Sohn zur Welt gebracht.

Daljinder Kaur und Mohinder Singh Gill mit dem gemeinsamen Sohn Arman
AFP

Daljinder Kaur und Mohinder Singh Gill mit dem gemeinsamen Sohn Arman


Eine etwa 70 Jahre alte Inderin ist zum ersten Mal Mutter geworden. Nachdem sie durch künstliche Befruchtung schwanger geworden war, brachte Daljinder Kaur Mitte April einen Sohn zur Welt. Sie fühle sich nicht zu alt dafür, sagte sie. "Ich kümmere mich um mein Kind, ich habe so viel Energie. Mein Mann ist sehr aufmerksam und hilft mir, wo er kann."

Das Paar ist seit 46 Jahren verheiratet und hatte fast die Hoffnung auf Nachwuchs aufgegeben - bis es eine Anzeige für künstliche Befruchtung sah: "Wir haben gesagt, wir müssen es versuchen, weil ich doch wirklich ein Baby wollte", so Kaur, die aus der nordindischen Stadt Amritsar stammt. Die Befruchtung fand in einer Spezialklinik im Bundesstaat Haryana statt.

Unfruchtbarkeit als Strafe Gottes

"Gott hat unsere Gebete gehört", sagte Kaur, die wie viele ihrer Landsleute nicht ihren genauen Geburtstag kennt, aber nach eigenen Angaben etwa 70 Jahre alt ist. Auch für ihren Mann Mohinder Singh Gill, der einen Bauernhof betreibt, ist das fortgeschrittene Alter kein Problem. "Die Leute fragen sich, was aus ihm wird, wenn wir tot sind", sagte er über seinen Sohn Armaan. "Aber ich vertraue auf Gott." Dieser werde sich "um alles kümmern".

Der kleine Armaan kam am 19. April mit einem Körpergewicht von zwei Kilogramm zur Welt, wie die behandelnde Kinderwunschklinik angab. Er sei "gesund und voller Energie". In Indien, wo Unfruchtbarkeit von einigen Menschen als eine Strafe Gottes angesehen wird, werden kinderlose Paare oft mit Argwohn betrachtet. Im Bundesstaat Uttar Pradesh hatte im Jahr 2008 eine 72 Jahre alte Frau nach künstlicher Befruchtung Zwillinge zur Welt gebracht.

Deutschland: Vierlinge mit 65 Jahren

In Deutschland hatte der Fall einer extrem späten Mutter im vergangenen Jahr eine bundesweite Debatte ausgelöst. Im Mai 2015 brachte die 65-jährige Annegret R. Vierlinge zur Welt. Zu diesem Zeitpunkt war R. bereits 13-fache Mutter. Um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen, setzten die Ärzte ihr mehrere befruchtete Eizellen in die Gebärmutter ein. Aus diesem Grund kommt es bei künstlichen Befruchtungen häufiger zu Mehrlingsgeburten.

Da nach der Menopause keine Eizellen mehr heranreifen, sind extrem späte Mütter zudem auf gespendete Eizellen angewiesen. In Deutschland ist eine solche Spende unabhängig vom Alter der Frau verboten, in Nachbarländern wie Tschechien aber erlaubt.

Eine Schwangerschaft nach der Menopause birgt aus mehreren Gründen Risiken. Problematisch ist neben den ethischen Aspekten unter anderem, dass die Gebärmutter ein hormonabhängiger Muskel ist und sich nach der Menopause verändert. Hinzu kommt, dass das Herz-Kreislauf-System und der gesamte Organismus mit dem Alter schwächer werden.

irb/AFP



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