Liegen bleiben oder aufstehen So klappt die Befruchtung am ehesten

Sperma in die Gebärmutter zu injizieren, gehört zu den häufigsten Arten der künstlichen Befruchtung. Ärzte raten Frauen gern, im Anschluss eine Weile liegen zu bleiben. Ob das hilft, ist allerdings fraglich.

Samen- und Eizelle kurz vor dem Verschmelzen
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Samen- und Eizelle kurz vor dem Verschmelzen


Nach dem Befruchtungsversuch möglichst still liegen bleiben oder direkt aufstehen? Wenn es darum geht, die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen, kursieren alle möglichen Tipps. Soll das Kind durch künstlich in die Gebärmutter eingeführtes Sperma entstehen, raten sogar viele Ärzte, im Anschluss eine Viertelstunde liegen zu bleiben. Dass das die Chancen einer Schwangerschaft erhöht, ist allerdings gar nicht so klar.

"In der Tat sieht es eher so aus, als sei das Gegenteil der Fall", sagte Joukje van Rijswijk vom University Medical Center in Amsterdam auf einer Konferenz, auf der sie eine neue Studie zum Thema vorgestellt hat. Gemeinsam mit Kollegen begleitete sie zwischen 2010 und 2014 knapp 480 Frauen, die versuchten, durch eine Insemination schwanger zu werden.

Nötig wurde die Behandlung bei allen Studienteilnehmerinnen, weil die Spermienqualität der Männer für eine natürliche Fortpflanzung nicht ausreichte. Die sogenannte Intrauterine Insemination (IUI) gehört bei dieser Gruppe zu den häufigsten künstlichen Befruchtungen. Dabei werden Spermien des Partners mit einer Flüssigkeit direkt in die Gebärmutter der Frau gegeben. Das Wachstum der Follikel wird häufig vorher stimuliert. Erst wenn die IUI nicht funktioniert, greifen Paare in der Regel zur aufwendigeren künstlichen Befruchtung im Reagenzglas.

Erhöht liegen zu bleiben die Schwangerschaftschancen?

In der Studie ruhten 236 Patientinnen 15 Minuten nach der Insemination, 243 standen direkt im Anschluss auf. Da viele Frauen die Technik mehrfach ausprobierten, standen am Ende 984 Versuche, nach denen die Frauen sofort aufstanden gegen 950, nach denen sie liegen blieben.

Wie sich zeigte, wurden die Frauen in beiden Gruppen mit ähnlicher Wahrscheinlichkeit schwanger. In der Liegenbleiber-Gruppe war die Insemination im Schnitt bei 32 von 100 erfolgreich. Von den Frauen, die nach der Behandlung direkt wieder aufstanden, wurden im Schnitt 40 von 100 schwanger. Der Unterschied sei statistisch nicht signifikant, berichten die Forscher, deute aber darauf hin, dass schnelles Aufstehen sogar sinnvoller sein könne, als liegen zu bleiben.

"Wie unsere Studie zeigt, hat Liegenbleiben nach der Insemination keinen positiven Effekt auf die Schwangerschaftsraten", sagt Rijswijk. Es gebe dementsprechend keinen Grund, warum Frauen nach der Behandlung ruhig liegen sollten.

Widersprüchliche Studienergebnisse

Das Ergebnis widerspricht früheren Studien: So kamen Forscher etwa 2009 in einer Studie mit 391 Paaren zu dem Ergebnis, dass eine Ruhezeit von 15 Minuten die Chancen einer Schwangerschaft durchaus erhöht. In der Liegenbleiber-Gruppe wurden damals 27 Prozent der Frauen schwanger, in der Aufsteher-Gruppe lediglich 18 Prozent. Die Ruhezeit solle allen Frauen nach der Insemination zur Verfügung gestellt werden, schlussfolgerten die Forscher damals.

"Unser Ziel war es, die älteren Studienergebnisse zu überprüfen", sagt Rijswijk. Es gebe immer die Möglichkeit, dass ein positives Ergebnis durch Zufall entstehe.

Zumindest die Theorie spricht eher für das Ergebnis der aktuellen Auswertung: Es ist bekannt, dass die Spermien den Eileiter bei einer natürlichen Befruchtung nach etwa fünf Minuten erreichen und mehrere Tage im Unterleib der Frau überleben können. "Es gibt also keine biologische Erklärung, warum Liegenbleiben die Schwangerschaftsrate erhöhen sollte", so Rijswijk.

Ob es nach dem Sex sinnvoll sein könnte, ruhig liegen zu bleiben oder gar Hüfte und Beine nach oben zu strecken, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen, kann Rijswijk nicht sicher sagen. Die beiden Befruchtungsmethoden - künstlich und natürlich - seien zu unterschiedlich, um die Studienergebnisse von der einen auf die andere zu übertragen. Und aussagekräftige Studien gebe es für die natürliche Methode nicht.

jme

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
m.m.s. 07.07.2016
1. Anleitung für wen?
Zwar ist diese biologische Anleitung wichtig und sehr interessant, aber viel wichtiger ist heutzutage die soziale Komponente. Wollen beide Partner die Schwangerschaft?
fatherted98 07.07.2016
2. Schaden...
...wird es wohl nicht, wenn die Frau danach liegen bleibt...immerhin...Sperma ist auch der Schwerkraft unterworfen und fließt nach unten wenn man steht...also wäre es sogar förderlich vielleicht einen Handstand oder eine Kerze zu machen...
permissiveactionlink 07.07.2016
3. #2, fatherted98
Ineffektiv, man sollte nicht auf die Hilfe der Gravitation bauen. Künstliche Gravitation könnte aber helfen : Dafür bittet man die inseminierten Damen, auf einer Zentrifuge liegend Platz zu nehmen, Füße innen, Kopf am Rand. Austarieren nicht vergessen und mit der Rotationsgeschwindigkei nicht übertreiben !
oidahund 07.07.2016
4.
Auf Grundlage der Daten ist eigentlich festzustellen, dass es egal ist. Die Gruppen waren zu klein um statistisch relevante Rückschlüsse zu ziehen. - Steht ja auch so im Artikel. Die Überschrift verspricht etwas, was der Artikel seriös nicht halten kann.
zbv10 07.07.2016
5. Unterschied nicht signifikant?
Die Unterschiede zwischen Aufstehern und Liegenbleibern kommen mir sehr signifikant zugunsten der Aufsteher vor. Berechnet man den CHI-Quadrat-Wert aus 394 Schwangeren von 984 Aufstehern (40%) und 304 Schwangeren aus 950 Liegenbleibern (32%), so erhält man ein CHI-Quadrat bei einem Freiheitsgrad = 13,42. Das ist höchstsignifikant (p < .001). Das klingt jetzt kleinlich, aber es geht ja ums Kinderkriegen. Ich würde also danach sofort aufstehen (tue ich als Mann auch immer). Wer's nachrechnen möchte, hier die EXCEL Datei: www.researchfiles.de/Datei.xls . Allfällige Fehler gehen zu meinen Lasten.
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