Schwangerschaftsstudie Ist mütterliches Übergewicht gefährlich fürs Baby?

Bekommen korpulente Frauen ein Kind, drohen häufiger Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes. Nun kommt eine schwedische Studie zum Schluss: Babys übergewichtiger Mütter haben ein höheres Risiko, kurz nach der Geburt zu sterben.
Schwangere: Bei Übergewicht steigt das Risiko für Komplikationen

Schwangere: Bei Übergewicht steigt das Risiko für Komplikationen

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS

Knapp die Hälfte aller Frauen in Deutschland sind übergewichtig, berichteten Forscher vor Kurzem. Selbst viele Jüngere haben bereits einen Body-Mass-Index über 25 - und leiden damit unter Übergewicht. Auch viele Schwangere dürften darunter sein.

Welche Auswirkungen mütterliches Übergewicht während der Schwangerschaft auf die Entwicklung des Kindes hat, ist nicht vollständig geklärt. Verschiedene Studien zeigten jedoch , dass das Sterberisiko von Babys übergewichtiger Mütter erhöht ist. Das bedeutet aber nicht, dass das Übergewicht die direkte Ursache dafür ist. Möglicherweise erklären andere Faktoren, die in Untersuchungen nicht hinreichend bedacht wurden, den beobachteten Zusammenhang, schreiben etwa Forscher in einer Meta-Analyse .

Ein Team schwedischer und US-amerikanischer Forscher hat jetzt einen großen Datensatz ausgewertet, um den möglichen Zusammenhang genauer zu beleuchten. Auch sie berichten, dass das Sterberisiko für Kinder übergewichtiger oder fettleibiger Mütter leicht erhöht ist. Wie sie schreiben, ist bereits bekannt, dass übergewichtige Schwangere häufiger an Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes (auch bekannt als Gestationsdiabetes) und Präeklampsie (Symptome: Bluthochdruck, Eiweißverlust über den Urin) leiden und deshalb auch das Risiko einer Frühgeburt größer ist.

Das Team um Stefan Johansson vom Karolinska-Institut in Stockholm analysierte rund 1,85 Millionen Geburten aus den Jahren 1992 bis 2010 in Schweden. Das entspricht im Wesentlichen allen Einzelgeburten im Land während dieser Zeitspanne. 5428 Babys starben in ihrem ersten Lebensjahr, es gab also 2,9 Todesfälle auf 1000 Geburten (0,29 Prozent). Die meisten Babys starben infolge einer Fehlbildung, an Sauerstoffmangel (Asphyxie), an einer Infektion oder am plötzlichen Kindstod.

Gut die Hälfte der Mütter war normalgewichtig

Rund 55 Prozent der Mütter waren in der frühen Schwangerschaft normalgewichtig (BMI zwischen 18,5 und 24,9), 21 Prozent übergewichtig (BMI zwischen 25 und 29,9), acht Prozent fettleibig (BMI über 30) und zwei Prozent untergewichtig. Bei 14 Prozent hatten die Forscher die Information nicht vorliegen.

Das Risiko, im ersten Lebensjahr zu sterben, lag für Kinder normalgewichtiger Mütter bei 0,24 Prozent. Mit steigendem BMI stieg es leicht an - auf 0,3 Prozent bei übergewichtigen Müttern bis hin zu 0,58 Prozent bei den am stärksten fettleibigen Müttern (BMI über 40).

Andere Faktoren, die das Risiko zusätzlich beeinflussen könnten, hatten die Forscher ebenfalls erfasst, darunter das Alter der Mutter, ihren Bildungsgrad, ob sie rauchte, bereits Kinder hatte. Und auch, in welchem Jahr das Kind zur Welt gekommen war - die Kindersterblichkeit sank nämlich während des Studienzeitraums von 0,45 auf 0,22 Prozent. Auch wenn all diese Einflussgrößen miteinbezogen wurden, stieg das Sterberisiko des Kindes bei Übergewicht der Mutter.

Und: Selbst als die Forscher nur jene Übergewichtigen betrachteten, bei denen keine damit verbundenen Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes vorlagen, war das Sterberisiko des Babys erhöht. Das spreche dafür, dass Übergewicht und Kindersterblichkeit unabhängig davon miteinander verknüpft seien, schreibt das Team im "British Medical Journal" .

Ein guter Zeitpunkt, um etwas zu verändern

Falls beides tatsächlich ursächlich zusammenhängen sollte, dann könnten rund elf Prozent der Todesfälle von Neugeborenen in Schweden auf Übergewicht zurückgeführt werden, rechnen die Forscher. Belegen kann die Studie die ursächliche Verknüpfung allerdings nicht.

"Idealerweise sollten übergewichtige Frauen ermuntert werden abzunehmen, ehe sie schwanger werden", schreibt die norwegische Forscherin Katrine Mari Owe in einem Kommentar  im "British Medical Journal". Dies scheine nur selten erfolgreich zu sein. Sie sieht in der Schwangerschaft einen guten Anlass, die Ernährung umzustellen - und sportlich aktiver zu werden.

Eine australische Studie  habe schon gezeigt: "Schwangere, die übergewichtig oder fettleibig sind, können ihren Lebensstil verändern, ohne sich sorgen zu müssen, dass sie damit dem Kind oder sich selbst schaden."

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