Geburtenanstieg in Deutschland Jährlich mehr als 20.000 Babys nach künstlicher Befruchtung

Unerfüllter Kinderwunsch? Immer öfter klappt es in Deutschland dann doch: 2015 war die Zahl der Babys, die nach einer künstlichen Befruchtung geboren wurden, fast dreimal so hoch wie vier Jahre zuvor.
Mikroskopische Aufnahme menschlicher Eizelle

Mikroskopische Aufnahme menschlicher Eizelle

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

Die Zahl der Geburten nach einer künstlichen Befruchtung steigt in Deutschland rasant an. 2015 wurden mehr als 20.000 Baby nach dieser Behandlung geboren. Das seien so viele wie noch nie, berichtet das Deutsche IVF-Register auf dem Kongress des Dachverbands Reproduktionsbiologie und -medizin (DVR) in München. In dem Register werden alle Eingriffe erfasst - auch die erfolglosen. Zum Vergleich: 2011 waren rund 7000 Kinder in Deutschland nach einer künstlichen Befruchtung geboren worden.

Der Anstieg hat verschiedene Gründe: Zum einen entscheiden sich immer mehr Paare für eine künstliche Befruchtung. Waren es 2011 noch 53.000 stieg ihre Zahl innerhalb von vier Jahren auf 65.000. Aber auch die Medizin verbessert sich und damit die Erfolgsquote der Eingriffe.

Die Chancen auf ein Kind nach einer künstlichen Befruchtung hängen stark vom Alter der Mutter ab. Bei einer 35-jährigen Frau lagen sie laut Ärzten bei 27 Prozent pro Behandlung, bei einer 40-jährigen bei 15 Prozent und bei einer 44-jährigen nur noch bei gut drei Prozent. Zwar steigt die Chance auf eine Schwangerschaft, wenn zwei oder gar drei Embryonen in die Gebärmutter übertragen werden. Zugleich erhöht sich aber das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft, die häufig Komplikationen mit sich bringt. Zudem bedeutet jede Hormonbehandlung große Strapazen für die Frauen.

Einige Mediziner fordern deshalb neue gesetzliche Regelungen. Sie halten es für sinnvoll, den Frauen nach einer Hormonbehandlung deutlich mehr Eizellen zu entnehmen und zu befruchten, als tatsächlich in einem Zyklus eingesetzt werden sollen. Die übrigen befruchteten Eizellen sollten eingefroren werden. Pro Schwangerschaftsversuch sollte dann nur eine befruchtete Eizelle eingesetzt werden statt wie bisher häufig zwei oder drei. Das Embryonenschutzgesetz verbietet in Deutschland aber generell die regelhafte Erzeugung überzähliger Embryonen.

Die Kinderwunschbehandlungen trugen zum allgemeinen Geburtenanstieg in Deutschland bei. Die Zahl der Neugeborenen wuchs nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zwischen 2011 und 2015 um etwa 75.000 auf rund 738.000. Das liegt laut dem Bundesamt zum einen daran, dass viele Frauen aus den geburtenstarken Jahrgängen der Siebziger- und Achtzigerjahre erst jetzt Familien gründen - im Schnitt etwas später als Frauen der vorherigen Generationen. Als weiterer Grund wird zudem die Zuwanderung genannt.

koe/dpa
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