Auswirkungen von Luftverschmutzung auf Babys Feinstaub gelangt in die Plazenta

Feinstaub belastet nicht nur die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen, die Partikel können während einer Schwangerschaft sogar bis in den Mutterkuchen vordringen. Die Folgen sind noch nicht geklärt.

Schwangere Frau in Singapur: Schadet Feinstaub dem Ungeborenen? (Symbolbild)
Roslan Rahman/ AFP

Schwangere Frau in Singapur: Schadet Feinstaub dem Ungeborenen? (Symbolbild)


Wenn Mütter während der Schwangerschaft Feinstaub einatmen, kann dieser über die Lunge in die Blutbahn und womöglich auch zum Fötus gelangen. Forscher der Hasselt Universität in Belgien haben Kohlenstoffpartikel auf der kindszugewandten Seite des Mutterkuchens nachgewiesen.

Die Wissenschaftler untersuchten nach der Entbindung das Plazentagewebe von zehn Müttern, die an einem Ort mit hoher Luftverschmutzung leben und verglichen es mit zehn Plazentaproben von Müttern, die in einem Gebiet mit geringerer Luftbelastung wohnen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt im Fachjournal "Nature Communications".


Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, ist das Gewebe in der Gebärmutter, das das ungeborene Kind mit lebenswichtigen Nährstoffen und Sauerstoff versorgt, während es im Mutterleib heranwächst. Sie besteht aus embryonalem und mütterlichem Gewebe. Die Plazenta dient auch dazu, mütterliches und kindliches Blut voneinander zu trennen. Als Gewebefilter ermöglicht oder verhindert die sogenannte Plazentaschranke, dass verschiedene im Blut gelöste Substanzen zum Fötus gelangen können.


Die Menge der Kohlenstoffpartikel in den Plazenten hing demnach messbar mit der Stärke der Luftverschmutzung zusammen, der die Mutter während der Schwangerschaft ausgesetzt war. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass sich die Kohlenstoffpartikel bereits in der zwölften Schwangerschaftswoche im Mutterkuchen befinden. Dafür untersuchten sie das Gewebe von fünf Plazenten nach Fehlgeburten.

"Das ist die verletzlichste Phase des Lebens", zitiert der britische "Guardian" den Studienleiter Tim Nawrot. "Alle Organsysteme befinden sich in der Entwicklung." Um zukünftige Generationen zu schützen, müssten Regierungen dafür sorgen, die Luftverschmutzung zu verringern. Menschen sollten zudem vermeiden, sich in der Nähe von vielbefahrenen Straßen aufzuhalten.

Luftverschmutzung kann sich negativ auf Föten auswirken

"Wir wissen seit Langem, dass Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Luftverschmutzung oder natürlich auch Zigarettenrauch einen Einfluss auf das Wachstum des Fötus haben", sagt der Biologe Torsten Plösch von der Universitätsfrauenklinik in Groningen, der nicht an der Untersuchung beteiligt ist. Die Studie der belgischen Kollegen zeige nun erstmals, dass Kohlenstoffpartikel aus der Umwelt in die fötale Seite der Plazenta eindringen können. "Damit erweitert sich die Liste der Schadstoffe, die potenziell den Fötus schädigen können", so Plösch.

Dass Luftverschmutzung die Entwicklung von Babys während der Schwangerschaft beeinflusst, haben bereits verschiedene Studien nahegelegt. Eine hohe Belastung mit Partikeln wie etwa Kohlenstoff, die durch Verbrennung entstehen, wird demnach mit einem geringeren Wachstum des Fötus, einem niedrigeren Geburtsgewicht und mit einem höheren Risiko für Fehlgeburten in Zusammenhang gebracht. Auch wirkt sich die Feinstaubbelastung auf die Lungenentwicklung und -funktion von Neugeborenen aus, wie Wissenschaftler vom Inselspital in Bern schon 2013 berichteten.

Die Erkenntnisse der belgischen Forscher sagen allerdings nichts über den gesundheitsschädlichen Einfluss der Partikel auf die Entwicklung der Ungeborenen aus. Es lässt sich lediglich ableiten, dass die Feinstaubpartikel die Funktion der Plazenta und damit indirekt das Wachstum des Fötus stören oder dass sie über die Plazenta in den Fötus gelangen könnten.

Denn die Wissenschaftler haben nicht im Nabelschnurblut - das vom Kind stammt - nach Feinstaubpartikeln gesucht. Auch liefern die Ergebnisse keine Hinweise darauf, ob die Partikel Interaktionen mit Zellen der Plazenta eingehen. Die Studie könne somit keinen direkten Beweis erbringen, so Plösch, dass die Kohlenstoffpartikel ursächlich für negative Langzeitfolgen seien: "Es ist aber mindestens zu vermuten, dass es ein weiterer Faktor in der langen Reihe von Schadstoffen ist, die wir in der Schwangerschaft vermeiden sollten."

Feinstaub richtet nachweislich Schaden im Körper an

Europaweit gilt ein Grenzwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel für Feinstaubpartikel mit einer Größe von weniger als 2,5 Mikrometer (PM 2,5). In den USA liegt er deutlich niedriger, dort sind nur 10 Mikrogramm erlaubt, dies entspricht der Empfehlung der WHO.

Das Problem mit dem Feinstaub: Je kleiner die Partikel sind, desto weiter dringen sie in den Körper vor, wenn sie eingeatmet werden. Die ultrafeinen Partikel können in den Blutkreislauf übergehen und so im Prinzip sämtliche Körperregionen erreichen und dort Schaden anrichten.

Feinstaub reizt Atemwege und Schleimhäute, damit kann er Atemwegsprobleme wie Husten, Atemnot und Asthma entstehen lassen oder verstärken. Auch an der Entstehung von Lungenkrebs können die Partikel beteiligt sein. Wenn sie ins Blut gelangen, richten sie auch dort Schäden an, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Arterienverkalkung und Infarkte steigt.

kry

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Seite 1
1zelner 18.09.2019
1. Das hat nicht nur akademische Bedeutung
Theoretisch ist das eigentlich klar. Der Nachweis wichtig. Die Bedeutung unklar? Die meisten der hier Lesenden hat vermutlich schon von den Fehlbildung der Extremitäten von Kindern gelesen. Feinstaub, aber gemischt mit toxischen Substanzen ist vor allen Dingen in den sog. E-Zigaretten vorhanden. Deren Qualm zieht bis in die tiefsten Alveolen und tritt dort in das Blut über; von dort dann auch in Organe wie die Plazenta. Das unterrichten wir seit einigen Jahren unseren Medizinstudenten und es ist erstaunlich, wie heutzutage immer noch diese Schadstoffinhalatoren in Deutschland zugelassen werden und ihnen nicht die Verkaufslizenz entzogen wird. Aus lauter falsch verstandener Liberalität entsteht so ein massives Gesundheitsrisiko für die Kindesentwicklung im Mutterleib. Und natürlich: rauchende Mütter denken mit der E-Zigarette den Ungeborenen noch einen Gefallen zu tun. Verkehrte Welt!
weltverbesserer75 18.09.2019
2.
Es ist schon bizarr, dass wir (richtigerweise) keine Waffen mehr in Kriegsgebiete exportieren, gleichzeitig jedoch Millionen von Autos mit Verbrennermotor in alle Welt ausliefern, die durch ihren Feinstaub- und CO2-Ausstoß konventionellen Waffen in nichts nachstehen.
Sonia 18.09.2019
3. Es geht hier nicht im Co2
sondern um Feinstaub. Darauf wird auch schon seit Jahren hingewiesen. Im menschlichen Lungengewebe konnte vor Jahren schon Abrieb von Reifen nachgewiesen werden. Die Medien konzentrieren sich bedauerlicherweise nur auf CO2. Der Reifenabrieb sind kleinste, für das Auge nicht erkennbare gefährliche Partikel - gefährlich für ins alle. Wie dennoch begehrt Cafes am Straßenrand sind, mit Blick in Auspuff vorbeistauender Fahrzeuge, Lärm und Feinstaub ..wäre auch mal einen Artikel wert. Was passiert/ ändert sich, wenn im Nabelschnzrblut Giftpartikel aus unserer Atemluft nachgewiesen werden? Nichts.
august2019spiegel 18.09.2019
4.
Zitat von Soniasondern um Feinstaub. Darauf wird auch schon seit Jahren hingewiesen. Im menschlichen Lungengewebe konnte vor Jahren schon Abrieb von Reifen nachgewiesen werden. Die Medien konzentrieren sich bedauerlicherweise nur auf CO2. Der Reifenabrieb sind kleinste, für das Auge nicht erkennbare gefährliche Partikel - gefährlich für ins alle. Wie dennoch begehrt Cafes am Straßenrand sind, mit Blick in Auspuff vorbeistauender Fahrzeuge, Lärm und Feinstaub ..wäre auch mal einen Artikel wert. Was passiert/ ändert sich, wenn im Nabelschnzrblut Giftpartikel aus unserer Atemluft nachgewiesen werden? Nichts.
Aber nur individuell lebensverkürzend. Während eine für Menschen zu heiße Erde eben das Potential hat, die gesamte Art Mensch auslöschen. Bei einem Schusswaffenwechsel konzentriert man sich ja auch erst mal darauf, nicht von den Kugeln getroffen zu werden und kümmert sich erst danach um das Problem der Schwermetalle.
peteftw 18.09.2019
5.
Zitat von 1zelnerTheoretisch ist das eigentlich klar. Der Nachweis wichtig. Die Bedeutung unklar? Die meisten der hier Lesenden hat vermutlich schon von den Fehlbildung der Extremitäten von Kindern gelesen. Feinstaub, aber gemischt mit toxischen Substanzen ist vor allen Dingen in den sog. E-Zigaretten vorhanden. Deren Qualm zieht bis in die tiefsten Alveolen und tritt dort in das Blut über; von dort dann auch in Organe wie die Plazenta. Das unterrichten wir seit einigen Jahren unseren Medizinstudenten und es ist erstaunlich, wie heutzutage immer noch diese Schadstoffinhalatoren in Deutschland zugelassen werden und ihnen nicht die Verkaufslizenz entzogen wird. Aus lauter falsch verstandener Liberalität entsteht so ein massives Gesundheitsrisiko für die Kindesentwicklung im Mutterleib. Und natürlich: rauchende Mütter denken mit der E-Zigarette den Ungeborenen noch einen Gefallen zu tun. Verkehrte Welt!
Sie sind wissenschaftlich unterwegs wenn Sie "seit Jahren Medizinstudenten unterrichten", oder? Haben Sie eine Quelle die auf einen Zusammenhang zwischen Feinstaub, E-Zigaretten und den aktuell vorkommenden Missbildungen hinweist? In E-Zigaretten werden Flüssigkeiten verdampft. D.h. es entsteht eben kein Feinstaub ein einem Ausmaß wie dies bei der Verbrennung von Feststoffen, z.B. Tabak geschieht. Genau das ist der Vorteil der E-Zigaretten. Daher wird nach aktueller Studienlage die Schädlichkeit von E-Zigaretten auch nur auf ca. 1% der Schädlichkeit von Zigaretten eingeschätzt.
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