Neue Studie Schwangere übertragen Coronaschutz an ihr Baby

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Coronaimpfung für alle Schwangeren. Für eine Studie haben Forscher nach der Geburt Nabelschnurblut untersucht, um herauszufinden, wie Babys geschützt sind. Das Ergebnis: positiv.
Eine Mutter hält ihr Neugeborenes im Arm

Eine Mutter hält ihr Neugeborenes im Arm

Foto: Guido Mieth / Getty Images

Werdende Eltern treiben meist viele Sorgen um. Seit Beginn der Pandemie kommt auch noch die Angst vor einer Infektion der schwangeren Frau mit Sars-CoV-2 hinzu. Wie schlimm kann der Verlauf werden? Und welche Auswirkungen kann eine Infektion auf das Kind haben? Können sich Schwangere impfen lassen?

Wichtig ist: Es gibt keinen Grund zur Panik. Fachleute bewerten das absolute Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf bei Schwangeren als gering, obwohl es höher ist als bei anderen Frauen im gleichen Alter. Dennoch sprechen Daten dafür, dass eine Coronainfektion selbst bei einem leichten Verlauf das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft steigert, etwa für eine Frühgeburt oder eine Präeklampsie, vielen besser bekannt als Schwangerschaftsvergiftung. Die deutschen Fachgesellschaften hatten sich aufgrund dieser Daten bereits im Mai  dafür ausgesprochen, Schwangere nach einer Beratung gegen Covid zu impfen, falls diese das wünschen.

Nutzen der Impfung überwiegt die Risiken

Die deutsche Ständige Impfkommission (Stiko) wirbt aber erst seit Kurzem dafür, werdende Mütter ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel gegen das Coronavirus zu impfen. Nachdem die Kommission Daten zum Verlauf von Covid-19-Infektionen bei Schwangeren und zur Sicherheit der Impfungen ausgewertet hatte, entschied sich das Gremium, die Impfung allen Schwangeren zu empfehlen. Zuvor hatte sich die Stiko nur unter bestimmten Umständen und nach einer ärztlichen Beratung für eine Impfung Schwangerer ausgesprochen, etwa wenn sie durch Vorerkrankungen besonders gefährdet waren. Schwangere hatten es deshalb oft schwer, an eine Impfung zu kommen, auch wenn sie sich gern impfen lassen wollten.

Auch wenn die Datenlage zu möglichen Risiken einer Impfung in der Schwangerschaft noch dünn ist, so gibt es nach Angaben von Fachleuten keine Hinweise auf unerwünschte schwere Komplikationen. Die verfügbaren Daten sprechen dafür, dass der Nutzen der Impfung für Schwangere das Risiko überwiegt. Aber was ist eigentlich mit dem Kind?

Bisher gibt es keine Hinweise, dass eine Impfung dem ungeborenen Kind schadet. Im Gegenteil: Fachleute gehen davon aus, dass Schwangere nach einer Covid-19-Impfung Antikörper an das Baby weitergeben.

Eine neue Studie liefert nun weitere Hinweise darauf, dass auch das Neugeborene von der Impfung der Mutter gegen Covid-19 profitiert. Wissenschaftlerinnen der New York University Langone Health haben nach der Geburt das Nabelschnurblut von insgesamt 36 geimpften Frauen auf das Vorhandensein von Antikörpern untersucht. Alle Proben wiesen einen hohen Antikörpertiter auf, in dem Blut waren also viele Antikörper, wie die Forscherinnen in einer im »American Journal of Obstetrics and Gynecology«  veröffentlichten Studie schreiben.

Das Immunsystem produziert Antikörper entweder als Reaktion auf eine Infektion, oder nach einer Impfung. Die Wissenschaftlerinnen um die Spezialistin für Infektionskrankheiten an der NYU Langone, Jennifer L. Lighter, untersuchten das Blut einiger Teilnehmerinnen auch auf spezielle Antikörper, die nur nach einer Infektion gebildet werden. Diese Ergebnisse waren alle negativ, keine der Frauen hatte also eine Coronainfektion durchgemacht und die gemessenen Antikörpertiter gingen auf die Impfung zurück.

Antikörper können in den ersten Lebensmonaten schützen

Die Studienteilnehmerinnen waren zwischen 26 und 46 Jahren alt. Alle, bis auf eine Teilnehmerin, hatten vor der Entbindung zwei Spritzen eines mRNA-Impfstoffs erhalten. Die meisten (30 Frauen) hatten ihre erste Impfung im zweiten Schwangerschaftstrimester, also zwischen dem vierten und siebten Monat, erhalten. Zwischen der zweiten und letzten Impfdosis und der Geburt der Kinder lagen rund sechs bis 25 Wochen.

Dass das Nabelschnurblut aller Kinder einen hohen Antikörpertiter aufwies, zeigt nach Angaben der Wissenschaftlerinnen, dass die Mütter die durch die Impfung erhaltenen Antikörper an ihre Kinder weitergeben. Auch wenn eine solche Übertragung von Antikörpern von anderen Impfungen bekannt ist, unterstreichen die Studienergebnisse, wie wichtig es ist, dass Schwangere eine Impfung erhalten, sagte Lighter laut einer Mitteilung der Universität .

»Wenn Babys mit Antikörpern geboren werden könnten, dann könnte sie das in ihren ersten Lebensmonaten schützen, in denen sie besonders verletzlich sind«, sagt Ashley S. Roman, Frauenärztin und Professorin an der NYU Langone und ebenfalls Autorin der Studie.

Schwere Covid-Verläufe bei Neugeborenen selten

Fachleute schätzen das Risiko durch eine Coronainfektion für Neugeborene allerdings als gering ein, auch wenn Fälle bekannt sind, bei denen Mütter das Virus auf ihre Kinder übertragen haben. »Sehr schwere Covid-Verläufe bei Neugeborenen sind sehr selten«, sagte kürzlich Mario Rüdiger, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM).

Unklar ist noch, wie wirksam die Antikörper der Säuglinge sind und wie lange ihr möglicher Schutz anhält. Auch die Wissenschaftlerinnen weisen darauf hin, dass es weiterer Forschung dazu bedarf, ob der Zeitpunkt der Impfung während der Schwangerschaft Auswirkungen auf die Menge der Antikörper hat.

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