Der Nippel-Instinkt Wie Neugeborene zur Brust finden

Kaum sind Babys auf der Welt, beginnt die Suche: Wo ist die Brust der Mutter? Forscher haben jetzt ergründet, wie ihnen Temperaturen den Weg weisen könnten.

Kind beim Stillen
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Kind beim Stillen


Werden neugeborene Babys auf den Bauch der Mutter gelegt, finden sie von alleine den Weg an die Brust. Welcher Instinkt leitet sie zum richtigen Ort? Italienische Forscher vermuten, dass die Temperatur der Brustwarze eine wichtige Rolle spielt.

Das Team um den Geburtsmediziner Vincenzo Zanardo von der Poliklinik im norditalienischen Abano Terme begutachtete 41 Neugeborene, die in dem Krankenhaus auf natürlichem Weg zur Welt kamen, sowie deren Mütter. Dazu bestimmten die Mediziner die Temperatur der Brustwarzen und des Brustwarzenhofes vor und nach der Geburt sowie die Temperatur von Lippen und Stirn der Babys.

Lippen zwei Grad kühler als die Brust

Die Ergebnisse zeigen, dass der Bereich rund um die Brustwarze nach der Geburt mit etwa 35,22 Grad Celsius wärmer war als der Rest der Brust. Auch im Vergleich zur Phase vor der Geburt stieg die Wärme dort bis zum zweiten Tag nach der Entbindung um 0,4 Grad, schreiben die Forscher im Fachblatt "Acta Paediatrica". Gleichzeitig waren die Lippen der Babys mit etwa 33,3 Grad kühler als ihre Stirn. Der Temperaturunterschied von knapp zwei Grad könne die relativ kühlen Lippen des Kindes nach der Geburt zur Brust führen, heißt es in der Studie.

Zuvor war bereits bekannt, dass Babys vom Geruch der Brustwarzen stillender Mütter angezogen werden. Die höhere Temperatur der Brustwarze könnte zu einer besseren Duftverbreitung beitragen, schreiben die Forscher. Die Studie habe allerdings auch Begrenzungen, vor allem aufgrund der geringen Teilnehmerzahl. Außerdem müsse man noch ermitteln, welche Rolle andere Einflussfaktoren spielen, etwa das Alter der Mutter oder der Geburtsverlauf.

Neugeborene: Automatischer Suchmodus

Normalerweise verfügen gesunde Neugeborene über die notwendigen reflexartigen Reaktionen, um die Brust zu finden und daran zu trinken, schreibt die Nationale Stillkommission. Um diese zu schulen, sollten sie nach der Geburt so auf den Bauch der Mutter gelegt werden, dass sie selbst die Brust finden. "Hierfür ist Ruhe und eine gewisse Zeit notwendig, üblicherweise eine bis eineinhalb Stunden", heißt es in den Empfehlungen. Nach einem Kaiserschnitt oder dem Einsatz von Schmerzmitteln unter der Geburt dauere der Prozess häufig auch länger.

Klappt es mit dem Stillen nicht, kann das der Kommission zufolge verschiedene Ursachen haben:

  • besondere Anatomie der Brust
  • besondere Voraussetzungen beim Kind, etwa durch eine Frühgeburt,
  • besondere Umstände nach der Geburt, etwa wenn der Mutter-Kind-Kontakt in den ersten zwei Stunden gestört war
  • ein zu früher Gebrauch von Flaschensauger oder Schnullern.

Besonders geschulte Stillberater, Hebammen oder Ärzte können dabei helfen, das Problem zu finden und die richtige Stilltechnik zu üben.

irb/dpa



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