Schwangerschaft Löst Paracetamol Asthma beim Kind aus?

Bei Schmerzen empfehlen Ärzte Schwangeren meist Paracetamol. Doch Hinweise auf mögliche Zusammenhänge mit Asthma oder ADHS verunsichern Frauen. Mehrere Studien haben analysiert, ob die Bedenken berechtigt sind.
Pillen in der Schwangerschaft: Welche Schmerzmittel schaden dem Kind?

Pillen in der Schwangerschaft: Welche Schmerzmittel schaden dem Kind?

Foto: Corbis

Verunsicherung macht sich breit unter Schwangeren, wenn es um das Thema Schmerzmittel geht. Welches darf ich nehmen und wie viel davon? Lange Zeit galt Paracetamol in geringer Dosierung und nach Rücksprache mit dem Arzt als unbedenklich. Aber in den vergangenen Jahren haben sich Hinweise auf verschiedene Erkrankungen bei Kindern gehäuft, die mit dem Medikament in Zusammenhang stehen könnten: Dazu zählen so folgenschwere Diagnosen wie Asthma und Hodenhochstand, seit einiger Zeit wird zudem diskutiert, ob die Arznei ADHS verursachen kann.

Das Problem dabei ist: Diese Erkrankungen haben nicht nur eine Ursache, sondern entstehen aus unterschiedlichen Gründen. Umweltfaktoren, Neuroanatomie und Molekularbiologie können dabei ebenso wichtig sein wie Vererbung und die soziale Umgebung. Ein australisch-deutsches Forscherteam hat jetzt die Ergebnisse von elf Studien, die sich mit dem Zusammenhang zwischen einer Paracetamol-Einnahme und Asthma beim Kind beschäftigen, in einer Meta-Analyse genauer unter die Lupe  genommen.

In fünf Untersuchungen ging es um den Paracetamolkonsum während der Schwangerschaft, in den übrigen sechs Studien um die Einnahme im frühen Kindesalter (0-2 Jahre). Zwar hatten die fünf Studien der ersten Gruppe insgesamt ergeben, dass Kinder ein größeres Risiko für Asthma hatten, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol geschluckt hatten. Allerdings war die Relation in den verschiedenen Analysen unterschiedlich stark ausgeprägt, und die Untersuchungen liefern keinen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang.

"Der Zusammenhang wird überbewertet"

Nur in einer der Studien hatten die Wissenschaftler zudem überprüft, ob die Entstehung des Asthmas möglicherweise auch mit vermehrten Atemwegsinfektionen zusammenhängen könnte. Es ist lang bekannt, dass die Erkrankung dadurch ausgelöst werden  kann. Tatsächlich zeigten die Berechnungen, dass der Zusammenhang bei der Berücksichtigung von Atemwegsinfektionen deutlich schwächer wurde.

Die Analysen der sechs anderen Studien ergaben, dass Kinder, die innerhalb ihrer ersten zwei Lebensjahre Paracetamol bekamen, häufiger Asthma entwickelten. Auch hier war der Zusammenhang schwach und nahm noch weiter ab, wenn der Einfluss von Atemwegsinfektionen herausgerechnet wurde. Das Fazit der Forscher lautet daher: "Der Zusammenhang zwischen einer frühen Paracetamolaufnahme und Asthma wird häufig überwertet, und es gibt momentan zu wenige Beweise, die eine Änderung der derzeitigen Empfehlungen zur Nutzung von Paracetamol notwendig machen würden."

Das landesweit größte Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie (Embryotox) in Berlin bezeichnet Paracetamol als das Schmerzmittel der ersten Wahl in der gesamten Schwangerschaft , in den ersten beiden Trimestern könne alternativ Ibuprofen eingesetzt werden. "Allerdings sollte Paracetamol, wie auch andere Medikamente, nicht eigenmächtig und ohne ärztliche Beratung über längere Zeit genommen werden", warnt Embryotox-Leiter Christof Schaefer.

Der Neurologe und Schmerztherapeut Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel gibt hingegen zu bedenken: "Paracetamol ist ein so schwaches Schmerzmittel, dass sich eine Schwangere immer fragen sollte: Welches Risiko nehme ich für welchen Nutzen in Kauf?" Wer wirklich starke Schmerzen habe, dem helfe Paracetamol sowieso nicht. Eine australische Untersuchung hatte gezeigt, dass Paracetamol bei Rückenschmerzen nicht besser wirkt als ein Placebo-Präparat. In hohen Dosen kann die Arznei zu Leberversagen führen. Deshalb wurden vor einigen Jahren die Packungen verkleinert.

hei
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.