Schwangerschaft Hebammen sorgen für weniger Frühgeburten und Kaiserschnitte

Hebammen managen in Großbritannien Schwangerschaft und Geburt, in den USA sind oft Ärzte verantwortlich. Eine Studienanalyse zeigt jetzt: Begleiten Hebammen Schwangere kontinuierlich, gibt es seltener Frühgeburten und weniger Kaiserschnitte.
Hebamme untersucht Schwangere: Seltener Frühgeburten und Kaiserschnitte

Hebamme untersucht Schwangere: Seltener Frühgeburten und Kaiserschnitte

Foto: Corbis

Hamburg - Wenn ein Kind auf die Welt kommt, herrscht Ausnahmezustand, zumindest für die Gebärende. Vielleicht überrollen bislang unbekannte Schmerzen ihren Körper. Oder sie legt sich bewusst auf den OP-Tisch, damit Ärzte das Kind per Kaiserschnitt aus ihrem Bauch holen. Manches Baby schafft die letzten Zentimeter auf die Welt nur mit Hilfe einer Saugglocke oder einer Zange. Egal was passiert, während der Geburt braucht die Frau fachkundigen, routinierten Beistand.

Tatsächlich ist das, was die Frau überwältigt, für Hebammen, Ärzte und Krankenschwestern Alltag. Wie gut es Mutter und Kind dabei geht, hängt nicht allein von medizinischen Geräten ab. Offenbar kommt es neben Faktoren wie Vorerkrankungen und Alter der Frau auch darauf an, welche Rolle die Hebamme vor, während und nach der Entbindung spielt. Das legt jetzt eine Cochrane-Analyse von 13 Studien  nahe. Bei der Untersuchung hatten Forscher zwischen 1989 und 2011 geprüft, ob sich eine kontinuierliche Begleitung von einer Hebamme auf die Schwangerschaft, die Geburt und die Gesundheit des Kindes auswirkte.

Hebamme als Managerin, Begleiterin und Ansprechpartnerin

Die Funktion von Hebammen variiert international deutlich. In den Niederlanden und Kanada etwa kümmern sie sich vor allem um Frauen mit unkomplizierten Schwangerschaften und entbinden diese von ihren Kindern. Sind Probleme zu erwarten, gehen die Schwangeren zur Geburt ins Krankenhaus, wo Ärzte die Entbindung leiten. In Großbritannien und Australien hingegen verantworten Hebammen die gesamte Schwangerschaft und Entbindung und arbeiten bei Komplikationen mit Ärzten zusammen. In den USA wiederum spielen Gynäkologen eine zentrale und Hebammen eine kleinere Rolle: Die Ärzte machen Vor- und Nachsorge, während der Geburt sind Krankenschwestern und Mediziner gemeinsam zuständig - und mittlerweile auch sogenannte Doulas, die der Schwangeren wie ein bezahlte Freundin zur Seite stehen.

An den 13 Studien nahmen insgesamt 16.242 Schwangere teil, die zufällig einer kontinuierlichen Versorgung durch Hebammen zugeteilt wurden oder einem anderen System. Das Ziel war zu untersuchen, ob sich eine kontinuierliche Versorgung durch Hebammen im Vergleich zu anderen Modellen auf den Schwangerschaftsverlauf und die Geburt auswirkten. Bereits die Definition des Begriffs "kontinuierliche Versorgung" bereitete Schwierigkeiten und wurde innerhalb der Studien nicht einheitlich verwendet. Zusammengefasst wird darunter, dass Hebammen während der Schwangerschaft, bei der Geburt und in den ersten Lebensmonaten des Kindes das Management übernehmen, begleiten, die gesundheitliche Entwicklung überwachen und Ansprechpartner sind. Sowohl die Niederlande als auch Großbritannien zählen mit ihren unterschiedlichen Systemen zur kontinuierlichen Versorgung.

Hausgeburt? In Deutschland streiten die Experten

Andere Modelle wie etwa in den USA sehen vor, dass ein Gynäkologe für Schwangerschaft und Geburt verantwortlich ist. In weiteren Systemen steht der Hausarzt als Koordinator im Mittelpunkt, der die Frauen zu Gynäkologen, Hebammen und Krankenschwestern überweist. In einem dritten Modell wiederum teilen sich Ärzte und Hebammen die Versorgung. Dazu zählt auch Deutschland: Zwar gibt es hierzulande Geburtshäuser, in denen eine Frau keinem Arzt begegnen muss. Doch im deutschen System steht die ärztliche Versorgung mit Ultraschalluntersuchungen, Urinanalysen und Blutdruckmessungen im Zentrum. Bei der Geburt im Krankenhaus sind normalerweise sowohl Hebammen als auch Ärzte anwesend, wobei die Hebammen die Frauen während der Wehen begleiten und ein Arzt bei einer unkomplizierten Geburt mitunter erst erscheint, wenn das Kind auf die Welt kommt.

Die Cochrane-Analyse zeigt, dass Frauen, die kontinuierlich von Hebammen begleitet werden

  • seltener eine Frühgeburt haben,
  • ihre Kinder häufiger auf natürlichem Weg zur Welt bringen,
  • weniger Zangen- oder Saugglockengeburten haben und
  • seltener eine örtliche Betäubung bekommen.

Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass die Frauen seltener ein Kind vor der 24. Schwangerschaftswoche verlieren. Gleichzeitig, betonen die Autoren, habe es sich nicht negativ ausgewirkt, wenn die Frauen hauptsächlich von Hebammen begleitet wurden. Sie geben aber zu bedenken: "Da kranke Frauen oder Drogenabhängige von einigen Studien ausgeschlossen waren, sollte man vorsichtig sein, die Ergebnisse auf Frauen mit Komplikationen in der Schwangerschaft oder während der Geburt zu übertragen."

In Deutschland streiten sich Hebammen und Ärzte, ob Frauen in Kliniken oder Geburtshäusern entbinden sollten. Während die meisten Gynäkologen davon überzeugt sind, dass jede unkomplizierte Schwangerschaft bei der Geburt unerwartet Probleme bereiten kann, meinen zahlreiche Hebammen, dass sich mit Schwangeren, bei denen keine Komplikationen erwartet werden, eine Geburt außerhalb der Klinik durchaus planen lässt. So hatte eine Studie im "British Medical Journal"  ergeben, dass Probleme bei den Kindern während oder kurz nach der Geburt unabhängig vom Geburtsort sind.

hei
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