Risiko für Herzfehler "Werdende Väter sollten mit dem Rauchen aufhören"

Schwangere sollten nicht rauchen, das ist klar. Was aber ist mit den werdenden Vätern? Neue Daten zu angeborenen Herzfehlern weisen darauf hin, dass auch ihr Zigarettenkonsum den Babys schaden kann.

Schadstoffe aus Zigaretten dringen bis in den Blutkreislauf ungeborener Kinder vor
Jamie Grill / Tetra images RF / Getty Images

Schadstoffe aus Zigaretten dringen bis in den Blutkreislauf ungeborener Kinder vor


Rauchen Frauen während der Schwangerschaft, leidet das ungeborene Kind. Dieser Zusammenhang gilt als erwiesen. Bei werdenden Vätern hingegen ist es gesellschaftlich viel anerkannter, dass sie ihren Zigaretten treu bleiben. Doch auch das könnte der Gesundheit des Babys schaden, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Demnach steigt das Risiko für angeborene Herzfehler, wenn die Väter während der Schwangerschaft rauchen. Ursache für den Zusammenhang sei vermutlich das Passivrauchen, schreiben die Forscher um Jiabin Qin von der Central South University im chinesischen Changsha im "European Journal of Preventive Cardiology". Weltweit kommen im Durchschnitt acht von 1000 Babys mit einem Herzfehler zur Welt.

"Werdende Väter sollten mit dem Rauchen aufhören", sagt Qin. Die Väter seien eine der Hauptursachen für den Qualm, den schwangere Frauen einatmen. "Mittlerweile gibt es sogar Hinweise, dass Passivrauch während der Schwangerschaft schädlicher sein könnte als das aktive Rauchen", sagt Qin.

Acht von 1000 Babys mit Herzfehler geboren

Ihre Ergebnisse stützen die Forscher auf eine Auswertung von 125 Studien, aus denen sie die Daten von knapp 138.000 Babys mit angeborenen Herzfehlern und 8,8 Millionen werdenden Eltern extrahierten. Demnach steigt bei allen Formen elterlichen Rauchens das Risiko, dass ihr Kind im Vergleich zu Nichtrauchern mit einem Herzfehler zur Welt kommt:

  • Um 74 Prozent, wenn die werdenden Väter rauchten.
  • Um 124 Prozent, wenn die werdenden Mütter Passivrauch ausgesetzt waren und
  • um 25 Prozent, wenn die werdenden Mütter aktiv rauchten.
  • Dass das Risiko statistisch gesehen beim Passivrauchen stärker stieg, kann mehrere Ursachen haben. Zum einen wurde in vielen Studien nicht erfasst, wie viel die Studienteilnehmer rauchten. Aus diesem Grund ist es denkbar, dass die Frauen beim Passivrauchen mehr Qualm ausgesetzt waren als beim Aktivrauchen.

    Daneben existieren jedoch auch Hinweise, dass Bestandteile des Passivrauchs Ungeborenen noch stärker starken könnten als die des inhalierten Rauchs. Nur knapp 20 Prozent der Schadstoffe beim Passivrauchen sind in dem vom Raucher ausgestoßenen Qualm enthalten, 80 bis 85 Prozent entstehen beim Glimmen der Zigarette.

    Dieser an der Spitze der Zigarette entstehende Nebenstromrauch sorge unter anderem dafür, dass bestimmte, für die Entwicklung des Herzgewebes wichtige Gene nicht mehr ausreichend abgelesen werden, schreiben die Autoren in ihrer Studie.

    Zigarettengifte gelangen bis zum ungeborenen Kind

    Die Untersuchung ist den Forschern zufolge die erste Übersichtsstudie, die sich nicht allein auf das Rauchverhalten der Mutter beschränkt, sondern auch die Folgen des Passivrauchens sowie des väterlichen Rauchverhaltens analysiert.

    Die Auswertung kann allerdings wie alle Studien dieser Art nur sicher nachweisen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Rauchverhalten der Eltern und der Herzgesundheit der Kinder existiert. Sie kann nicht sicher belegen, dass tatsächlich die Schadstoffe aus den Zigaretten zu den Fehlbildungen geführt haben. Zu den weiteren möglichen Risikofaktoren für angeborene Herzfehler zählen unter anderem genetische Veranlagungen, Alkohol, Virusinfektionen sowie die Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft.

    Trotzdem ist unumstritten, dass Zigarettenrauch - egal ob aktiv oder passiv - über die Plazenta in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes gelangt und dort Schaden anrichtet. Neben Entwicklungsstörungen des Kindes steigt unter anderem das Risiko für einen plötzlichen Kindstod im ersten Lebensjahr deutlich.

    Auch das Risiko für Früh- oder Fehlgeburten nimmt zu, wenn werdende Mütter Tabakrauch ausgesetzt sind. Aus diesem Grund gibt es Bestrebungen, das Rauchen in Autos zu verbieten, wenn sich Schwangere an Bord befinden.

    irb



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