Schwangerschaftsdiabetes Warum werdende Mütter auf ihre Pfunde achten sollten

Schwanger und ein paar Kilos zu viel auf den Rippen? Viele werdende Mütter unterschätzen die Gefahr einer übermäßigen Gewichtszunahme. Sie riskieren nicht nur einen Schwangerschaftsdiabetes und Leiden wie Bluthochdruck: Ein zu hoher Zuckerspiegel kann zu erheblichen Geburtskomplikationen führen.
Schwangere Frau: Übermäßige Gewichtszunahme erhöht die Gefahr für einen Schwangerschaftsdiabetes

Schwangere Frau: Übermäßige Gewichtszunahme erhöht die Gefahr für einen Schwangerschaftsdiabetes

Foto: Felix Heyder/ picture alliance / dpa

Übelkeit und Müdigkeit in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten sind normal, ja sogar ein gutes Zeichen, wie Omas, Mütter und Tanten zu berichten wissen. Doch nach dieser Hürde hat nicht jede Schwangere das Glück, beschwerdefrei zu sein. Während die einen mit ungetrübter Freude aufs Kind die restlichen sechs Monate genießen, haben andere gesundheitliche Probleme und finden eine Schwangerschaft nur beschwerlich. Wenn sie Pech haben, läuft auch die Geburt nicht reibungslos, das Kind ist viel zu groß und muss per Kaiserschnitt geholt werden.

Ursache für die Probleme ist in vielen Fällen ein Schwangerschaftsdiabetes, ein erhöhter Zuckerspiegel im Blut. Experten sprechen von Gestationsdiabetes, kurz GDM. Dazu neigen insbesondere übergewichtige werdende Mütter oder jene, die während der Schwangerschaft mehr zunehmen, als gemeinhin empfohlen wird. Viele Frauen sind sich der Gefahr eines Schwangerschaftsdiabetes aber nicht bewusst. Dabei bringt er nicht nur gewisse Komplikationen für die Mutter mit sich - Harnwegsinfekte, ein zu hoher Blutdruck oder Wassereinlagerungen. Auch beim Ungeborenen ist der Zuckerspiegel zu hoch und kann, sofern er nicht bald wieder normalisiert wird, dazu führen, dass die Reifung von Niere und Leber verzögert wird. Im schlimmsten Fall drohen Frühgeburten.

Wie aber kann man solchen Schwangerschaftskomplikationen am besten vorbeugen?

Mit dieser Frage hat sich vor kurzem ein internationales Mediziner-Team um Shakila Thangaratinam von der University of London beschäftigt. Die Ärzte wollten wissen, wie sich die Gewichtszunahme am besten beherrschen lässt - durch Sport, eine gesunde Ernährung oder durch die Kombination von beidem?

Eine gesunde Ernährung unter ärztlicher Kontrolle, so das Fazit der Studie, die im "British Medical Journal" erschien , hilft Schwangeren am besten, einer übermäßigen Gewichtszunahme vorzubeugen. Das gilt demnach sowohl für normalgewichtige Frauen als auch für übergewichtige oder gar fettleibige. Dabei denken die Ärzte nicht nur an weniger Kalorien, sondern auch an reichlichen Verzehr von Vollkornprodukten, Obst und Gemüse.

Die GDM-Studie im Detail

Damit verringert sich das Risiko einer Entgleisung des Zuckerstoffwechsels. "Die Ergebnisse zeigen auch, dass gerade bei vorliegendem Schwangerschaftsdiabetes Mutter und Kind von einer kalorienreduzierten und ausgewogenen Ernährung profitieren", sagt Michael Hummel. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) warnt aber zugleich vor einer zu strengen Diät. "Voraussetzung ist, dass die Kalorienreduktion nicht übertrieben wird, und das Kind noch gut versorgt ist."

Schwangerschaftsdiabetes als Warnschuss für die Zukunft

Etwa 24.000 Schwangere, also etwa vier Prozent aller Schwangeren, erkrankten nach Angaben der DDG im Jahr 2010 an GDM. Die Dunkelziffer unerkannter Fälle könnte weitere acht Prozent betragen.

Zum erhöhten Blutzuckerspiegel kommt es, weil der Körper zu wenig Insulin herstellt. Das Hormon aus der Bauchspeicheldrüse sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Zellen transportiert wird und so der Zuckerspiegel sinkt. Ab etwa der 23. Schwangerschaftswoche agieren die ausgeschütteten Hormone aber zunehmend als Gegenspieler zu Insulin, so dass der Körper mehr Insulin benötigt. Bei manchen Frauen kommt die Bauchspeicheldrüse aber aus genetischen Gründen und wegen ihres Übergewichts mit der Insulinproduktion nicht mehr nach - der Blutzuckerwert steigt an.

Zwar verschwindet der GDM in der Regel nach der Geburt des Kindes wieder. Er hat aber neben kurzfristigen Beschwerden wie Bluthochdruck oder Wassereinlagerungen auch langfristige Folgen. "Etwa jede zweite betroffene Frau entwickelt in den folgenden acht Jahren einen Typ-2-Diabetes", sagt Christof Sohn von der Universitätsfrauenklinik in Heidelberg. "Auch das Risiko, während einer weiteren Schwangerschaft erneut an einem GDM zu erkranken, ist stark erhöht."

Und das Kind? Als Reaktion auf die hohen mütterlichen Blutzuckerwerte produziert seine Bauchspeicheldrüse Insulin im Überschuss. Doch dieses wirkt dem Hormon Cortisol entgegen, das die Entwicklung der kindlichen Organe fördert. Leber oder Lunge etwa können so zu Schaden kommen. Zudem macht das Insulin als Wachstumshormon das Kind groß und schwer. Kaiserschnitte sind deshalb überdurchschnittlich oft notwendig, um Geburtskomplikationen wie das Steckenbleiben der kindlichen Schultern im Geburtskanal zu vermeiden.

Der Start ins Leben beginnt dann vielfach mit einer Unterzuckerung. Die Kleinen sind apathisch und trinkfaul oder zittrig und unruhig. Und auch später sind die Folgen für das Kind zu spüren: "Etwa 20 Prozent der Kinder, deren Mütter einen GDM hatten, entwickeln bis zum 20. Lebensjahr einen gestörten Glukosestoffwechsel und haben damit ein stark erhöhtes Risiko für einen Typ-2-Diabetes", warnt Sohn.

Deshalb befürworten die meisten Experten die Früherkennungsuntersuchung für GDM, die erst seit März in den Mutterschaftsrichtlinien als Kassenleistung verankert ist. "Das ist sehr wichtig, da Frauen bei Eintritt der Schwangerschaft älter als früher sind und auch oft ein höheres Ausgangsgewicht haben", sagt Hummel. Der GDM trete deshalb häufiger auf. "Das Hauptargument für das Screening ist aber, dass durch eine einfache Behandlung der Frauen mit GDM Nachteile für Mutter und Kind nachgewiesenermaßen vermieden werden können."

Sollte die Ernährungsumstellung nicht ausreichen, um den Blutzuckerspiegel zu normalisieren, benötigt die Schwangere zusätzlich eine Insulinbehandlung. Die Mühe lohnt sich: Wird ein GDM rechtzeitig erkannt und gut behandelt, nimmt das Ganze für Mutter und Kind doch noch ein gutes Ende.

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