Schutz von Anfang an So bleiben Kinderzähne gesund

Schon wenn der erste Zahn durchbricht, sollten Eltern mit dem Putzen beginnen. Außerdem ist ab dann ein Zahnarztbesuch empfehlenswert. Die wichtigsten Tipps.
Kinder können erst ab der dritten Klasse richtig selbst putzen, davor sollten Eltern immer nachhelfen

Kinder können erst ab der dritten Klasse richtig selbst putzen, davor sollten Eltern immer nachhelfen

Foto: David Crausby/ Getty Images

Zuerst bereiten Kinderzähne Probleme, weil sie beim Durchbruch für Schmerzen und durchwachte Nächte sorgen. Ist das überstanden, kommen die Fragen: Müssen die Zähne sofort geputzt werden? Womit? Und von wem? Wie schütze ich die Zähne meines Kindes? Und darf ich nachts noch stillen?

Die Tipps der Experten:

Start: Ab dem ersten Zahn sollten die Eltern diesen auch putzen. Wichtig sei, den Zahn oder die Zähne gut zu reinigen, aber das Lippenbändchen zu schonen. "Wer darüber schrubbt, tut dem kleinen Kind weh - es wird sich nicht mehr gern die Zähne putzen lassen", erklärt Johanna Kant, Vorsitzende des Bundesverbandes der Kinderzahnärzte.

Richtig gut selbst putzen können Kinder erst ab der dritten Klasse - in etwa dann, wenn sie Schreibschrift schreiben können, so Kant. Erst dann ist die Feinmotorik weit genug entwickelt. Und auch Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative proDente, empfiehlt Eltern, bis ins siebte oder achte Lebensjahr die Zähne der Kinder nachzuputzen.

Hilfsmittel: Am besten putzen Eltern Kleinkind-Zähne mit einer Bürste mit kleinem Kopf und weichen Borsten, sagt Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Fingerlinge für die Zahnpflege von Babys seien nicht so effektiv, zudem fehlt der gewünschte Gewöhnungseffekt einer Zahnbürste. Wenn es für die Eltern einfacher ist, können sie auch eine elektrische Zahnbürste verwenden.

Eine reiskorngroße Menge einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta schützt dabei bestmöglich vor Karies - und zwar ebenfalls von Anfang an. "Damit hat man eine effektive Fluoridzufuhr, die genau dort wirkt, wo sie hingehört", erklärt Oesterreich.

Doch es gibt etwas zu beachten: Im ersten Lebensjahr bekommen Babys auch Vitamin D, oft kombiniert mit Fluorid. Osterreich rät dann, den Kinderarzt nach einem Vitaminpräparat ohne den Zusatz zu fragen. So lässt sich eine Überdosierung vermeiden. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, nur eine Form der sogenannten Fluoridprophylaxe anzuwenden und mit Fluoridpräparaten aufzuhören, sobald fluoridhaltige Zahnpasten zum Einsatz kommen.

Zahnarzt: Eltern sollten mit dem Nachwuchs bereits ab dem ersten Zahn beziehungsweise mit etwa einem halben Jahr - nach der U5 - zum Zahnarzt gehen, rät Kant. Drei Vorsorgetermine zwischen dem 6. und dem 34. Lebensmonat werden seit Kurzem von den Krankenkassen bezahlt.

Angst vorm Zahnarzt haben Kinder meistens nicht - höchstens dann, wenn sie Karies haben und dadurch schon früh Schmerzen. "Die tun sich manchmal schwer, wenn sie beim Zahnarzt die Zähne zeigen sollen", sagt Kant. In schweren Fällen von Angst können Eltern einen speziellen Kinderzahnarzt aufsuchen. Grundsätzlich darf und kann aber jeder Zahnarzt Kinder behandeln, sagt Dirk Kropp.

Kariesprävention: Wie Erwachsene sollten auch Kinder am besten Wasser trinken. "Es macht weder klebrige Flecken noch schadet es den Zähnen", sagt Kant. Wenn Kinder zum Beispiel Saft trinken, dann nur zu den Hauptmahlzeiten, empfiehlt Oesterreich. "In vielen kleinen Schlückchen zwischendurch ist der falsche Weg", sagt er.

Das ist auch beim Essen eine gute Faustregel, so der Experte: Die fünf Hauptmahlzeiten am Tag dürfen ruhig mal Zucker enthalten - sonstige Snacks sollten aber eher zuckerfrei sein. Werden die Zähne ständig mit Zucker oder Säure umspült, droht die sogenannte Nuckelflaschenkaries. Daher sollten Kinder auch möglichst früh aus einem ganz normalen Becher trinken, empfiehlt Kant. "Kinder können in der Regel ab dem achten Lebensmonat vom Becherrand trinken."

Nachtmahlzeit: Viele Kinder nuckeln zum Einschlafen noch etwas warme Milch. Das ist sicher gemütlich, für die Zähne aber schädlich, da der "letzte Schluck der süßen Milch an den Zähnen haftet und Karies verursachen kann", warnt Kant. Gerade nachts sind die Zähne ohnehin besonders gefährdet, da weniger schützender Speichel produziert wird, sagt Oesterreich. Er betont aber: Seinen Säugling nachts zu stillen oder dem Kind Säuglingsnahrung in der Flasche zu geben, sei für gut geputzte Zähne keine Gefahr.

Putzen lernen: Kinder sollten Zähneputzen am besten mit einer festen Reihenfolge lernen. Kropp empfiehlt die KAI-Methode: Dabei werden erst die Kauflächen, dann die Außen- und am Ende die Innenflächen geputzt. Außerdem sollte die Zeit gemessen werden, damit Kinder auch wirklich die empfohlenen zwei Minuten putzen. Das geht mit einer Eieruhr, einer Sanduhr oder auch einem Lied, das beim Zähneputzen läuft.

Das Putzen lernen sollten Kinder am besten mit einer manuellen Zahnbürste, rät Oesterreich. Eine elektrische Zahnbürste habe bei Kindern keine Vorteile, was die Sauberkeit der Zähne angeht. Sie könnte allerdings eine Motivation sein, sich die Zähne zu putzen.

irb/dpa, von Elena Zelle
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