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24. Februar 2017, 10:36 Uhr

Späte Schwangerschaft

Werden Mütter wirklich immer älter?

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Caroline Beil bekommt mit 50 ein Kind, so wie andere prominente Frauen. Steckt dahinter ein Trend? Die Statistik für Deutschland ist eindeutig. Und es gibt große Unterschiede je nach Region.

Die Schauspielerin Caroline Beil erwartet ihr zweites Kind - im Alter von 50 Jahren. Damit ist sie genauso alt wie Janet Jackson, als die ihr Kind zur Welt brachte. Gianna Nannini bekam ihre erste Tochter im Alter von 54 Jahren. Und die Berlinerin Annegret Raunigk wurde sogar mit 65 Jahren noch von Vierlingen entbunden. Werden Mütter tatsächlich immer älter? Oder sind das nur außergewöhnliche Einzelfälle?

Schaut man in die Daten des Statistischen Bundesamts, gibt es keinen Zweifel: Immer mehr Frauen über 40 bekommen Kinder. Ihr Anteil bei den Geburten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Im Jahr 2000 hatten nur zwei Prozent aller Neugeborenen Mütter in der Altersgruppe 40 plus. 15 Jahre später lag die Quote bei fast fünf Prozent - mehr als doppelt so hoch.

Das folgende Diagramm verdeutlicht die Verschiebungen. Der Anteil junger Mütter sinkt, der älterer steigt:

Bei den Spätgebärenden gibt es regional große Unterschiede. Der Anteil der Geburten ab 40 schwankte im Jahr 2014 bundesweit zwischen einem und acht Prozent. Die höchsten Werte gab es im Kreis Starnberg gefolgt vom Hochtaunuskreis, Baden-Baden und Ebersberg. Am niedrigsten war die Quote im Kreis Mansfeld-Südharz, in Brandenburg an der Havel und in Frankfurt an der Oder.

Schaut man ans ganz obere Ende der Altersskala - zu den Müttern 50 plus - sind die relativen Veränderungen noch größer: Von 2000 bis 2015 stieg die Zahl der Geburten in dieser Altersklasse von 17 auf 134 - also fast um einen Faktor 8. Bei insgesamt rund 700.000 Geburten pro Jahr in Deutschland ist der Anteil der Über-50-Jährigen aber verschwindend gering.

Der Trend zur immer späteren Mutterschaft hat verschiedene Gründe. Dazu gehört, dass mehr Frauen arbeiten und den Kinderwunsch deshalb nach hinten schieben. Aber auch der medizinische Fortschritt ermöglicht eine späte Mutterschaft. Eine Vielzahl von Methoden steht zur Auswahl, darunter: die Hormontherapie, die Intrauteriner Insemination (IUI), die künstliche Befruchtung und die Mikrosemination (ICSI).

Mit diesen Behandlungen besteht die Hoffnung auf eine Schwangerschaft auch in einem Alter, in dem die Chancen dafür an sich schon deutlich gesunken sind. Denn das ideale Alter, um schwanger zu werden und ein Kind möglichst ohne Komplikationen zur Welt zu bringen, liegt zwischen 20 und 30 Jahren.

"Wir beobachten in unserem Kinderwunschzentrum, dass das Durchschnittsalter der Patienten steigt", sagt Michael Zitzmann, Reproduktionsmediziner an der Universität Münster. Frauen seien im Schnitt 36 bis 38, Männer in der Regel zwei, drei Jahre älter. "Nur bei Migranten beobachten wir diesen Trend bislang nicht."

Wenn es ums Kinderkriegen geht, tickt die Uhr bei Männern nicht ganz so schnell wie bei Frauen. Bei Frauen sinken die Chancen auf eine Schwangerschaft jenseits der 40 deutlich. Mit Beginn der Wechseljahre kommt es nur noch unregelmäßig zu Eisprüngen - und irgendwann ist damit ganz Schluss.

Helfen kann zumindest zu Beginn der Wechseljahre noch eine Hormontherapie. Sie erhöht die Zahl der Einsprünge.

Männer können zwar theoretisch auch noch im Seniorenalter ein Kind zeugen. Doch die Menge und Qualität der Spermien sinkt deutlich, sodass Reproduktionsmediziner auch bei ihnen nachhelfen müssen.

Dass Frauen heute auch jenseits der 40 noch Kinder bekommen können, hat auch mit einem veränderten Lebensstil zu tun. "Frauen leben heute gesünder als früher und sind deshalb biologisch fitter", sagt Semsettin Kocak, Leiter der Kinderwunsch Praxisklinik Fleetinsel in Hamburg. "Beispielsweise rauchen sie weniger." Das erhöhe die Chancen, auch mit Ende 30, Anfang 40 noch schwanger zu werden.

Ein biologisches Problem bleibt allerdings: Die mit zunehmendem Alter sinkende Qualität der Eizellen. Diese erhöht das Risiko, dass es während der Schwangerschaft zu Fehl- oder Frühgeburten kommt.

Nimmt man alle Faktoren zusammen, bleibt unter dem Strich trotzdem: Die Wahrscheinlichkeit, in höherem Alter schwanger zu werden und dann auch ein gesundes Kind zu bekommen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen - und das zeigt sich auch in den Statistiken.

Letzte Möglichkeit Eizellspende

Wenn eine Frau keinen Einsprung mehr hat oder die Qualität der Eizellen nicht ausreicht, gibt es nur noch den Weg über eine Eizellspende. In Deutschland ist diese allerdings nicht erlaubt. Den Frauen wird dabei eine befruchtete Eizelle eingesetzt. Der Embryo kann sich in der Gebärmutter im Idealfall normal entwickeln.

Mit dieser Methode sind auch Schwangerschaften jenseits der 60 oder gar 70 möglich. Wenn Frauen jedoch unbedingt ihre eigenen Gene an den Nachwuchs weitergeben möchten, müssen sie sich in jungen Jahren Eizellen entnehmen lassen. Diese werden dann eingefroren und zum gewünschten Zeitpunkt befruchtet und eingesetzt.

Ob es allerdings eine gute Idee ist, mit 60 oder 70 Kinder in die Welt zu setzen, steht auf einem anderen Blatt.

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