Hohe Verletzungsgefahr Kleinkinder sollten nicht auf Schoß der Eltern rutschen

Auf der Rutsche nehmen viele ihr Kind auf den Schoß, um es zu beschützen. Doch Daten aus den USA zeigen: Tatsächlich riskieren Eltern damit schwere Beinbrüche bei ihrem Nachwuchs.
Verletzungsgefahr: Kind rutscht mit Erwachsenem.

Verletzungsgefahr: Kind rutscht mit Erwachsenem.

Foto: imago/ Westend61

Eltern können schwere Verletzungen ihrer Kinder auf Spielplätze vermeiden, wenn sie den Nachwuchs allein rutschen lassen. Denn das Risiko eines Beinbruchs steigt, sobald Erwachsene Kleinkinder auf den Schoß nehmen. Das geht aus US-Daten hervor, die Forscher am Montag auf einer Konferenz der Amerikanischen Akademie für Kinderheilkunde in Chicago vorstellen werden.

Die Wissenschaftler hatten knapp 12.700 dokumentierte Rutsch-Unfälle von Kindern bis zum Alter von fünf Jahren ausgewertet. "Die häufigsten Verletzungen durch Rutschunfälle bei Kleinkindern sind Brüche der unteren Extremitäten. Die Hauptursache dafür ist, auf dem Schoß einer anderen Person zu rutschen", schreiben die Forscher um Charles Jennissen von der University of Iowa.

Diese Art von Brüchen - speziell des Schienbeins - entstehen demnach, wenn Kinder mit ihrem Bein an einer Stelle der Rutsche hängenbleiben, der Schwung des Erwachsenen sie aber weiterschiebt. Rutscht ein Kind allein, seien die auf die Beine wirkenden Kräfte viel geringer. "Die Eltern haben oft keine Vorstellung davon, dass sie durch ihr Verhalten ihr Kind so schwer verletzen können", sagt Jennissen laut einer Mitteilung . "Sie sagen oft, dass sie es niemals getan hätten, wenn sie vorher von dem Risiko gewusst hätten."

Kinder auf dem Bauch rutschen lassen

Barbara Ludwikowski, Chefärztin der Chirurgie des Kinderkrankenhauses auf der Bult in Hannover, kennt das Problem: "Bei unseren eigenen Patienten sehen wir zunehmend Unterschenkelbrüche von Kleinkindern, die mit Begleitpersonen rutschen", sagt sie. Eine Studie zur Zahl solcher Unfälle in Deutschland gebe es aber nicht. Unterschenkelbrüche nahe dem Sprunggelenk sind besonders anfällig für Probleme während und nach der Heilung.

Neben Knochenbrüchen (36 Prozent der Verletzungen) kam es den US-Daten zufolge bei den Rutschunfällen besonders häufig zu Platzwunden. Bei fast jedem fünften Fall handelte es sich um eine solche Verletzung. Ein- bis Zweijährige waren den Daten zufolge beim Rutschen besonders gefährdet.

Wenn man als Begleitperson Angst hat, dass sich das Kind verletzen könnte, solle man es auf den Bauch legen und mit den Füßen zuerst rutschen lassen. Das rät Inke Ruhe, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder". Auf diese Weise landet das Kind sicher auf den Füßen, oder zumindest mit dem Hintern zuerst auf dem Boden.

Weg mit dem Smartphone

Angesehen davon warnen Experten Eltern davor, auf dem Spielplatz aufs Smartphone zu schauen. Laut einer Untersuchung aus Österreich  hat sich zwischen 2008 und 2015 die Zahl der Unfälle auf Spielplätzen bei Kindern unter fünf Jahren mehr als verdreifacht. "Dieser Anstieg könnte auf den Faktor 'Ablenkung' durch die zunehmende Smartphone-Nutzung zurückzuführen sein", heißt es in der Studie.

Beobachtungen ergaben demnach, dass sich neun von zehn Aufsichtspersonen nicht auf das Kind konzentrieren - in knapp der Hälfte der Fälle war das Handy der Grund. "Schon wenige Sekunden der Unachtsamkeit reichen aus, um einen drohenden Sturz von der Schaukel oder das Einklemmen von Fingern auf der Wippe nicht rechtzeitig erkennen zu können", sagt KFV-Direktor Othmar Thann.

irb/dpa
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