Uno-Bericht Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind oder eine Schwangere

Weltweit ist die Sterblichkeit bei Schwangeren und Babys stark zurückgegangen. Doch in manchen Regionen sind Mütter und Kinder weiterhin sehr gefährdet - die Uno dürfte ihre Entwicklungsziele verfehlen.

Eine Mutter im Tschad hält ihr Kind (Archivbild)
Rebecca Blackwell/ AP

Eine Mutter im Tschad hält ihr Kind (Archivbild)


Weltweit sterben nach Angaben der Vereinten Nationen immer weniger Mütter kurz vor, während oder nach einer Entbindung. Auch die Kindersterblichkeit sinkt. Aus einem aktuellen Bericht des Kinderhilfswerks Unicef und der Weltgesundheitsorganisation WHO geht hervor, dass die Sterblichkeitsraten einen neuen Tiefstand erreicht hat. Seit dem Jahr 2000 gingen die Todesfälle von Kindern demnach fast um die Hälfte zurück, die von Müttern um mehr als ein Drittel.

Trotzdem stirbt den Angaben zufolge immer noch alle fünf Sekunden irgendwo auf der Welt eine schwangere Frau oder ein Kind. 2018 haben laut dem Bericht 6,2 Millionen Kinder unter 15 Jahren aus meist vermeidbaren Gründen ihr Leben verloren, davon waren 5,3 Millionen jünger als fünf Jahre. Rund 295.000 Frauen sind demnach 2017 an Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt gestorben - das heißt, etwa zwei von tausend Schwangerschaften oder Entbindungen endeten mit dem Tod der Mutter.

Für Kinder ist das Sterberisiko im ersten Monat nach der Geburt besonders hoch, vor allem wenn sie zu früh, zu klein oder mit angeborenen Körperdefekten geboren wurden, wenn es Komplikationen bei der Geburt gab oder wenn die Babys sich eine Infektion eingefangen haben. Von den Babys, die ihren ersten Monat nicht überleben, sterben rund ein Drittel am Tag der Geburt.

Nicht alle werdenden Mütter haben die gleichen Chancen

Die Überlebenschancen für Mütter und Kinder sind dem Bericht zufolge sehr ungleich verteilt: In Subsahara-Afrika sind sie deutlich schlechter als in anderen Teilen der Welt. 80 Prozent aller Todesfälle von Müttern und Kindern wurden demnach im südlichen Afrika sowie im südlichen Asien verzeichnet.

Für Frauen in Subsahara-Afrika ist es dem Bericht zufolge 50-mal gefährlicher, ein Kind zu bekommen als für Frauen in Industrieländern. Außerdem haben ihre Kinder ein zehnmal so hohes Sterberisiko. 2018 starb dem Bericht zufolge eines von 13 Kindern unter fünf Jahren im südlichen Afrika. Zum Vergleich: In Europa stirbt durchschnittlich eines von 196 Kindern vor seinem fünften Geburtstag, in Deutschland ist es eines von 250 lebend geborenen Kindern.

In den vergangenen Jahrzehnten ist es allerdings gelungen, die Kinder- und Müttersterblichkeit deutlich zu reduzieren. Zwischen 1990 und 2018 sanken die Todesfälle von Kindern unter 15 Jahren um 56 Prozent von 14,2 Millionen auf 6,2 Millionen. Die größten Fortschritte machten ostasiatische und südostasiatische Länder.

Der Fortschritt ist zu langsam

Weltweit ist der Rückgang der Mütter- und Kindersterblichkeit vor allem auf eine bessere medizinische Betreuung währen der Schwangerschaft, mehr Sicherheit bei der Entbindung und den Zugang zu Antibiotika zurückzuführen.

"In Ländern, in denen es eine zuverlässige, bezahlbare, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung für alle gibt, können Frauen und Babys überleben und sich gut entwickeln", sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Nach Angaben der Uno sind die Fortschritte aber immer noch zu langsam, um die von den Vereinten Nationen festgelegten Entwicklungsziele zur Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit bis zum Jahr 2030 zu erreichen.

wbr/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.