USA Eltern dürfen Sperma ihres verstorbenen Sohnes nutzen

Ein 21-Jähriger aus dem US-Bundesstaat New York stirbt nach einem Skiunfall. Weil er immer Kinder wollte, dürfen seine Eltern nun sein eingefrorenes Sperma nutzen, um Enkel zeugen zu lassen.

Eingefroren in flüssigem Stickstoff: In einem ähnlichen Behälter werden die Spermien von Peter Zhu aufbewahrt
bluecinema/ Getty Images

Eingefroren in flüssigem Stickstoff: In einem ähnlichen Behälter werden die Spermien von Peter Zhu aufbewahrt


Fünf Kinder wollte er haben, mit ihnen auf einer großen Ranch leben und Karriere beim US-Militär machen. Doch es kam anders für Peter Zhu. Im Februar verletzte sich der 21-Jährige beim Skifahren schwer, wenige Tage später stellten Ärzte den Hirntod fest. Auf Wunsch der Eltern entnahm ein Urologe dem Verstorbenen Sperma, bevor die Geräte abgestellt wurden. Yongmin und Monica Zhu sahen darin die einzige Chance, den Kinderwunsch ihres Sohnes zu erfüllen und sein "unglaubliches Erbe zu bewahren".

Unklar war jedoch, ob sie das eingefrorene Sperma auch benutzen dürfen, um mit einer künstlichen Befruchtung ein oder mehrere Enkelkinder zeugen zu lassen. Nun gab ein Gericht im US-Bundesstaat New York die Erlaubnis dafür. "Zum jetzigen Zeitpunkt wird das Gericht keine Einschränkungen bei der Benutzung des Spermas durch Peters Eltern festlegen, das schließt Fortpflanzungszwecke mit ein", zitiert die "Washington Post" aus der Entscheidung des Gerichts.

Peter L. Zhu an der United States Military Academy
United States Military Academy/ AP

Peter L. Zhu an der United States Military Academy

Wer die Mutter des Kindes werden soll, ist nicht bekannt. Von einer Partnerin Zhus war vor Gericht nicht die Rede. Es kämen jedoch auch eine Eizellspende und eine Leihmutterschaft infrage. Beides ist in mehreren US-Bundesstaaten erlaubt.

"Peters Tod war ein schrecklicher, tragischer und plötzlicher Albtraum, auf den sich keiner von uns vorbereiten konnte", schrieben die Eltern in einem Gerichtsantrag über ihren einzigen Sohn. "Wir wünschen uns verzweifelt ein kleines Stück von Peter, das weiterlebt und die Freude und das Glück verbreitet, die er uns allen gebracht hat."

In Deutschland wäre der Eingriff verboten

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Verstorbener Monate oder gar Jahre nach seinem Tod Vater wird. Schon vor 20 Jahren ist es Ärzten in Los Angeles gelungen, eine Frau mit dem eingefrorenen Sperma ihres verstorbenen Ehemannes zu befruchten.

An den Eingriff knüpfen sich viele ethische Fragen: Ist es legitim, ein Kind in dem Wissen in die Welt zu setzen, dass sein Vater tot ist? Können die Hinterbliebenen sicher sein, dass sie im Sinne des Verstorbenen handeln? Wie geht ein Kind damit um, dass sein Vater schon vor der Zeugung tot war? Und was bewirken die Erwartungen, die die Großeltern in es setzen?

In Deutschland ist es laut Embryonenschutzgesetz verboten, eine Eizelle mit dem Samen eines Verstorbenen zu befruchten. Es drohen bis zu drei Jahre Gefängnis. 2017 wies das Oberlandesgericht München deshalb die Klage einer Frau zurück, die sich mit dem Sperma ihres verstorbenen Mannes befruchten lassen wollte. Auch eine Eizellspende ebenso wie eine Leihmutterschaft sind hierzulande verboten.

koe



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plaudertasche123 22.05.2019
1. Krank
Es geht den Eltern also gar nicht darum, was ihr Sohn gewollt hätte! (Mit wem er eine Familie hätte haben wollen, scheint eh total egal zu sein, diese Auswahl treffen ja nun die Eltern. Sauber.) Es geht nur darum, für sie selbst ein kleines Stückchen vom Leben ihres tragisch verstorbenen Sohnes zu erhalten. In Form eines Enkels, der post mortem künstlich gezeugt wird, und zwar einzig und allein für diesen Zweck. Sohn-reloaded, der wieder auferstehende Sprössling. Also ich finde das unethisch und krank. Die Eltern müssen sich schlussendlich doch den grausamen Fakten stellen und versuchen, den Tod ihres Sohnes anzunehmen, soweit es halt geht.
ginorossi 22.05.2019
2. Pervers und ekelhaft
Mehr kann man zu diesem Verhaltren nicht mehr sagen. Pfui Teufel, welche ungehemmte Ichbezogenheit dieser werdenden Großeltern.
Gmorker 22.05.2019
3. Faszinierend
Schon interessant, was so alles erlaubt ist. Also für mich stellt das eindeutig einen schweren Eingriff in die sexuelle Selbstbetimmung des Verstorbenen dar. Das Sperma war ja noch nichtmal von ihm vorsorglich für einen solchen Zweck gespendet, sondern wurde dem hirntoten Körper entnommen. Ob die Eltern "sich sicher sind", das ihr Sohn Kinder wollte, kann doch unmöglich ausreichend sein, das so durchzuziehen. Wenn der junge Mann ein Testament hinterlassen hätte und zu Lebzeiten Sperma willentlich gespendet hätte, genau mit dieser Absicht, dann könnte ich es nachvollziehen, das das Gericht positiv entscheidet. Aber die Aussage, das der Mann das so wollen würde ist doch durch gar nichts belegt. Vielleicht wollte er auch nie Kinder haben, wer weis das schon? Und jetzt wird nach seinem Tod entschieden, das sein Genmaterial zur "Züchtung" eines oder mehrere Kinder genommen wird. Mit natürlicher Geburt und harmonischer Familie hat das absolut nichts mehr zu tun.
Atheist_Crusader 22.05.2019
4.
Das ist mal eine bizarre Denkweise. Den Kinderwunsch des verstorbenen Sohnes würdigen? Man kann doch davon ausgehen, dass der Mann keine Kinder als Selbstzweck wollte, sondern eine Familie für sich und seine spätere Partnerin - und dafür braucht es mehr als gefrorenes Sperma. Ich meine, bei einer Ehefrau kann ich sowas noch eher nachvollziehen, auch wenn ich es da genauso ablehne. Sieht doch sehr nach einem ungesunden Festklammern an der Vergangenheit aus, bzw. einer Fetischisierung eines Lebens das so nicht mehr möglich ist und auch keinen Sinn macht. Da sollten die Eltern doch lieber selbst noch ein Kind bekommen. Oder besser: eines adoptieren. Davon wird es zukünftig ja eh noch mehr geben, wo so viele Staaten ihre Abtreibungsgesetze auf Pilgerzeiten zurückdrehen. Gut, beides ist Geschmackssache und mag nicht für jeden emotional so funktionieren - aber besser und ethischer als die hier geplante Methode ist es doch wohl in jedem Fall. Ich will nicht für den Verstorbenen sprechen, aber mir in der Situation wäre es lieber wenn meine Eltern einem anderen Kind eine Familie und eine Zukunft bieten würden statt sich an meinem Sperma zu vergreifen und irgendwelchen Unsinn damit anzustellen. Ich würde mir dabei auf eine Rolle als genetischer Stammhalter reduziert vorkommen.
Pless1 22.05.2019
5.
So etwas ist klar abzulehnen, da schließe ich mich den Ausführungen der anderen Foristen an. Gleichwohl kann ich den Wunsch der Eltern durchaus irgendwie nachvollziehen. Da stirbt der geliebte Sohn, das einzige Kind. Der eigene Wunsch nach Enkelkindern endet jäh - alles, was man für Sohn und Enkel einmal erträumt oder schon aufgebaut hat scheint plötzlich sinnentleert. Doch auch in einer solch schlimmen Situation muss man die eigene Perspektive einmal verlassen und versuchen, das objektiv zu sehen. Und dann kann es nicht sein, dass hier andere - und seien es auch die Eltern - über die Vaterschaft des Verstorbenen entscheiden. An diesem Beispiel kann man schön erkennen, dass Freiheit auch Grenzen haben muss. Man kann nicht jede Entscheidung dem Einzelnen überlassen, weil subjektive Entscheidungen in solchen Fällen zu objektiv schlechten Ergebnissen führen. Genau für so etwas gibt es ein Gemeinwesen, den Staat. Wäre ich in der Situation der trauernden Eltern würde ich vielleicht ebenfalls auf einen solchen Irrweg geraten, wer vermag das schon auszuschließen in einer solchen Situation. Gut, wenn das Gemeinwesen dann entsprechende Leitplanken bereithält durch kluge gesetzliche Regelungen, wie es sie in Deutschland offensichtlich gibt.
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