Seit Mai 2014 346 Frauen nutzten die "vertrauliche Geburt"

Wer schwanger ist und das Kind nicht möchte, kann es zur Adoption freigeben und bleibt im Krankenhaus anonym. Bisher haben sich 346 Frauen für eine solche "vertrauliche Geburt" entschieden.

Der Anteil der Frauen, die ihre Kinder in Babyklappen legen, sinkt
imago/ Olaf Wagner

Der Anteil der Frauen, die ihre Kinder in Babyklappen legen, sinkt


Rund zweieinhalb Jahre nach der Einführung gab es in Deutschland insgesamt 346 "vertrauliche Geburten". Das entspricht einem Durchschnitt von zwölf Fällen im Monat. Gleichzeitig sank der Anteil der Säuglinge, die anonym in einer Babyklappe abgelegt wurden, schreibt das Bundesministerium für Familie in einem Zwischenbericht.

Das Ziel, schwangere Frauen in Notsituationen besser zu unterstützen, sei damit erreicht worden, sagte Familienministerin Katarina Barley (SPD) in Berlin. Wissenschaftler hatten die Daten von 1277 Beratungen zur "vertraulichen Geburt" vom 1. Mai 2014 bis 30. September 2016 ausgewertet.

Seit Mai 2014 gibt es in Deutschland die Möglichkeit. Dabei können Frauen ihr Kind im Krankenhaus oder bei einer Hebamme zur Welt bringen und trotzdem vorerst anonym bleiben. Die Daten der Mutter werden zwar gespeichert, bleiben jedoch bis zum 16. Geburtstag des Kindes unter Verschluss. Das Jugendamt vermittelt das Kind an Adoptiveltern.

"Das ist eine gute Lösung für Mutter und Kind. Beide werden bei der Geburt medizinisch betreut und das Kind kann später erfahren, woher es kommt", sagte Petra Söchting, Leiterin des Hilfetelefons "Schwangere in Not".

Nach der Beratung entscheidet sich jede fünfte Frau für die "vertrauliche Geburt"

Laut der aktuellen Auswertung entschieden sich von den 1277 Frauen, die zur "vertraulichen Geburt" beraten wurden, 19,5 Prozent am Ende dafür. Knapp 8 Prozent entschlossen sich zu einer Abtreibung. In mehr als 40 Prozent der Fälle mündete die Beratung in einer regulären Geburt:

  • Bei 15,3 Prozent wurde das Kind anschließend zur Adoption freigegeben
  • 25,9 Prozent der Frauen entschieden sich für ein gemeinsames Leben mit dem Kind
  • Bei knapp 30 Prozent der Frauen fehlen Informationen, was nach der Beratung geschah oder die Beratung war noch nicht abgeschlossen.

    16.000 Anrufe beim Hilfetelefon

    Parallel zur "vertraulichen Geburt" wurde ein Hilfetelefon eingerichtet. Dort gab es bisher mehr als 16.000 Gespräche. In drei von vier Fällen konnten die Betroffenen an Beratungsstellen vor Ort verwiesen werden. Bei rund 100 Fällen hat es sich laut Bericht um Notfallhilfe gehandelt, weil die Anruferin bereits in den Wehen lag.

    Vor allem verstehe sich die Hotline aber als erste Anlaufstelle. "Gemeinsam mit den Frauen loten wir aus, welche Wege es gibt und welche Unterstützung sie brauchen, wenn sie nicht mehr weiter wissen", sagte Söchting.

    Das Hilfetelefon "Schwangere in Not" ist rund um die Uhr unter der Nummer 0800/4040020 erreichbar. Es ist kostenlos, barrierefrei, vertraulich und in 18 Sprachen verfügbar. Informationen finden sich zudem auf der Seite "Geburt-Vertraulich.de" (hier).

    jme/AFP/dpa

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