Studie Babys gesunder Mütter sind weltweit gleich groß

Wenn die Mutter gesund ist und genug zu essen hat, hängt die Größe ihres Babys noch von ihrer Herkunft ab - diesen Zusammenhang nahm man zumindest lange an. Eine internationale Studie zeigt nun, dass das nicht stimmt.
Nachwuchs beim Public Viewing in Stuttgart: Größe ist keine Frage der Herkunft

Nachwuchs beim Public Viewing in Stuttgart: Größe ist keine Frage der Herkunft

Foto: Daniel Maurer/ dpa

Egal ob sie in China zur Welt kommen, in Großbritannien, Kenia oder Brasilien: Babys gesunder, gut ernährter Mütter sind im Schnitt überall auf der Welt gleich groß. 49,4 Zentimeter ist der durchschnittliche Wert, wie ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Lancet Diabetes & Endocrinology"  berichtet. Die meisten Neugeborenen waren zwischen 47,5 und 51,3 Zentimeter groß.

Die Studie widerlegt die Annahme, dass Unterschiede zwischen verschiedenen Ethnien hauptsächlich erklären, warum Babys in manchen Regionen der Welt im Schnitt kleiner sind als in anderen. Diese Unterschiede beruhen demnach vor allem auf Mangelernährung, Krankheiten und anderen negativen Umweltfaktoren.

An der Studie nahmen Schwangere aus acht Städten teil. Die Frauen wohnten in

  • Pelotas (Brasilien),
  • Turin (Italien),
  • Muscat (Oman),
  • Oxford (Großbritannien),
  • Peking (China),
  • Nagpur (Indien),
  • Nairobi (Kenia) oder
  • Seattle (USA).

Die werdenden Mütter waren zwischen 18 und 35 Jahre alt und mindestens 1,53 Meter groß. Ihr Body-Mass-Index lag im Bereich von 18,5 bis 30 (Normalgewicht und Übergewicht). Frauen mit chronischen Erkrankungen wurden ebenso ausgeschlossen wie Raucherinnen oder auch Vegetarierinnen. Außerdem ging es allen Teilnehmerinnen aus sozioökonomischer Sicht überdurchschnittlich gut.

Das Team um José Villar von der University of Oxford wertete die Daten von mehr als 20.000 Neugeborenen aus. Je Stadt konnten sie zudem bei rund 500 Schwangeren mit Hilfe regelmäßiger Ultraschalluntersuchungen das Wachstum des Fötus ab der 14. Schwangerschaftswoche nachvollziehen. Die Forscher maßen Körpergröße und Kopfumfang im Mutterleib sowie Körpergröße bei der Geburt.

"Es ist einfach nicht wahr"

Das Ergebnis: Bei dieser Gruppe von gesunden Müttern gab es nahezu keine Unterschiede bei der Größe der Föten und der Neugeborenen, die auf den Wohnort zurückzuführen waren. Dieser könne maximal drei Prozent der Varianzen erklären, schreiben die Forscher.

"Zurzeit sind wir bei der Geburt nicht alle gleich. Aber wir können es sein", sagt Villar. "Es ist einfach nicht wahr, dass Frauen in manchen Regionen der Welt kleinere Babys haben, weil das so vorherbestimmt ist."

Das Forscherteam des Projekts "Intergrowth-21st"  setzt sich dafür ein, dass ein international geltender Standard eingeführt wird, welches Fötus-Wachstum und welche Neugeborenen-Größe als gesund eingestuft wird und ab welchen Werten Ärzte aufmerksam werden sollten. Bisher gibt es solche international geltenden Tabellen zwar für Kleinkinder und Kinder - aber noch nicht für Föten und Neugeborene.

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