Diese Frau bestickt Stoff mit Szenen aus Pornos
Dieser Beitrag wurde am 25.09.2018 auf bento.de veröffentlicht.
Nackte Haut, rote Lippen, ein Penis, Szenen aus Pornos, fein säuberlich auf Stoff gestickt – das sind die Werke der Künstlerin Bho Roosterman.
Seit Roosterman vor knapp anderthalb Jahren mit dem Verkauf ihrer kleinen Kunstwerke begann, hat sie schon zwei Helferinnen eingestellt. Die Nachfrage ist groß, die Kundinnen stehen Schlange. Zwischen 60 und 200 Euro bekommt sie dafür, je nach Größe des Bildes.
Seit die Geschäfte so gut laufen, hat Bho Roosterman einen Traum: Sie will Pornografie salonfähig machen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
"Manchmal stelle ich mir vor, dass ich meine Stickereien immer weiter vergrößere und irgendwann riesige Porno-Stickereien verkaufe. Und die hängen sich dann Frauen voller Stolz an die Wand über ihre Couch."
Noch ist sie davon allerdings weit entfernt. Denn das Thema ist vor allem für viele Frauen noch immer mit Scham besetzt.
Bho Roosterman
Hier gibt es mehr Bilder von Bho Roosterman:
Porno-Stickereien
Das gleiche Phänomen erlebt die Künstlerin auch auf Instagram: Nachdem sie ein Foto einer Stickerei mit einer Vagina und einem Dildo postete, verlor sie zahlreiche Follower, auch ein Penis, aus dem Sperma tropft, kam nicht gut an.
"Wenn ich hingegen eine Stickerei von zwei Frauen poste, die sich küssen oder ihre Brüste oder Hintern zeigen, dann gewinne ich Follower dazu", sagt Roosterman.
Nackte Haut ist also in Ordnung, aber Sex ist den Leuten unangenehm?
"Ich glaube, die Leute sind an das Bild einer nackten Frau einfach gewöhnt. Das kennen wir aus Werbung, Kunst und Fernsehen", vermutet sie. Einen Hintern habe auch jeder, egal ob Mann oder Frau, der Anblick sein weniger befremdlich.
Dass Männer Pornos gucken, sei außerdem gesellschaftlich akzeptiert, sagt die Künstlerin. "Frauen tun das auch, aber darüber redet niemand. Selbst mit der besten Freundin reden Frauen nicht darüber".
Frauen und Pornos
Eine Umfrage unter 24.000 Nutzerinnen des Portals "PornHub"zeigte:
- 63 Prozent der befragten Frauen schauen mehrmals die Woche Pornos
- 18 Prozent sogar täglich
- 9 Prozent mehrmals am Tag
- 54 Prozent der Befragten reden nicht mit ihren Freundinnen und Freunden über ihren Pornokonsum
- 51 Prozent wäre es sogar peinlich, wenn andere davon wüssten
Achtung: Diese Zahlen sind nicht repräsentativ, da die Umfrage nur bei Frauen durchgeführt wurde, die ohnehin Pornos konsumieren. Das zeigt sich schon am Alter: 76 Prozent der befragten Frauen waren unter 34 Jahren alt.
Für Roosterman selbst ist Pornografie dagegen eine Inspirationsquelle - und das nicht nur für die Kunst.
Bho Roosterman
Auch ihre Motive holt sich Roostermann von Pornoseiten im Internet. "Ich kann wirklich nicht gut zeichnen. Also mache ich einen Screenshot von einem Porno und zeichne dieses Bild ab. Dann übertrage ich es auf den Stoff und habe damit die Grundlage für meine Stickerei", sagt Roostermann.
Viele von Roostermans Stickereien zeigen weibliche Körper in expliziten Posen mit entblößten Brüsten, vor oder während sexuellen Handlungen. Macht sie den weiblichen Körper mit ihrer Kunst nicht zum reinen Sex-Objekt?
Ja, sagt die Künstlerin. Bei ihrer Kunst ginge es aber eben nunmal darum, Sexualität zu feiern. "Ich sticke ja auch Penisse und Paare beim Sex. Es geht also nicht nur um den weiblichen Körper."
Mit ihrer Arbeit wolle sie weder die Objektivierung von weiblichen noch männlichen Körpern propagieren, sagt Roosterman.
Bho Roosterman