Befragung von Eltern Kinder machen glücklich - wenn sie ausziehen

Sind Eltern die zufriedeneren Menschen? Ja, sagen Forscher. Aber nur langfristig.

Studien haben gezeigt: Gerade in den ersten Jahren macht der Nachwuchs unzufrieden
Julian Stratenschulte/ DPA

Studien haben gezeigt: Gerade in den ersten Jahren macht der Nachwuchs unzufrieden


Was in der Schwangerschaft noch so schön klang, ist in der Realität schön anstrengend: Stundenlanges Geschrei, volle Windeln, kaum Kontakt zu Erwachsenen - mal abgesehen vom eigenen Partner. Auch wissenschaftliche Studien weisen darauf hin: Kinder machen nicht unbedingt glücklicher.

  • Etwa die Hälfte aller Paare, die sich scheiden lassen, haben laut Statistischem Bundesamt minderjährige Kinder. 40 Prozent der betroffenen Paare trennen sich binnen eines Jahres nach der Geburt des ersten Kindes.
  • Der eigene Nachwuchs kann Eltern sogar unzufriedener machen als Arbeitslosigkeit, Scheidung oder gar der Tod des eigenen Partners, berichteten Forscher des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in einer Studie 2015.
  • Laut einer weiteren Untersuchung soll es außerdem sechs Jahre dauern, bis Eltern wieder so schlafen können wie vor der Geburt ihres Kindes.

Schaden Kinder wirklich dem eigenen Glück? Nein, sagen nun Forscher der Universität Heidelberg. Man muss sich nur gedulden. Demnach sind Eltern glücklicher als Kinderlose, allerdings erst, wenn der Nachwuchs ausgezogen ist, schreiben die Forscher im Fachblatt "Plos One".

Für die Studie befragten die Wissenschaftler 55.000 Menschen im Alter von über 50 in 16 Ländern zu ihrer mentalen Gesundheit und Zufriedenheit. 70 Prozent der Befragten waren verheiratet, 91 Prozent hatten Kinder.

Das Ergebnis: Eltern, deren Kinder ausgezogen waren, gaben etwas häufiger an, zufrieden im Leben zu sein und berichteten seltener über trübe Stimmung. Sie waren auch glücklicher als Gleichaltrige, die keine Kinder hatten. Bei Eltern mit Kindern im eigenen Haushalt war das Gegenteil der Fall. "Die positiven Aspekte der Elternschaft dominieren mit dem Alter", schlussfolgern die Wissenschaftler.

Freunde machen ähnlich glücklich wie Kinder

Ihre Vermutung: Gleichzeitig Kindererziehung, Arbeit und den eigenen Bedürfnisse gerecht zu werden, bedeutet Stress. Sind die Kinder erst selbstständig, fällt diese Verantwortung weg. Stattdessen übernimmt der Nachwuchs selbst die Rolle des Helfenden und sozialen Kontakts.

Besonders die Interaktion mit anderen scheint für die Zufriedenheit eine wichtige Rolle zu spielen. Diese müsse aber nicht unbedingt mit Kindern stattfinden, betonen die Forscher. So gaben Menschen in einer Beziehung oder mit einem großen Freundeskreis häufiger an, glücklich zu sein. Dazu passt eine weitere Umfrage aus dem Jahr 2014, laut der Kinder allein nicht glücklicher machen.

Die Heidelberger Forscher wollen die Probanden in den kommenden Jahren weiter befragen, um zu überprüfen, wie sich ihre Zufriedenheit verändert. Vorherige Studien legen nahe, dass die Zufriedenheit eines Menschen im Laufe seines Lebens schwankt. Bis zum mittleren Alter steigt die Zufriedenheit stetig, sackt dann ab, um im höheren Alter wieder zuzunehmen.

koe

insgesamt 45 Beiträge
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madameping 21.08.2019
1. Unglückliche Eltern können keine glücklichen Kinder hervorbringen
Der Blick darauf, ob Kinder nun glücklich machen oder nicht, dürfte eher auf den Einzelfall anzuwenden sein. Wir befinden uns noch immer in den Grenzen unserer Vorurteile; Frauen wollen Kinder und die, die keine wollen, sind irgendwie keine Frauen und dadurch irgendwie unnatürlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Frage nach dem persönlichen Glück darauf herunterbrechen lässt, ob man Kinder hat oder nicht. Der gedankliche Prozess, sich gegen eigene Kinder zu entscheiden, folgt oft einer Vita, die nicht selten mit dem eigenen Unglück in der Kindheit verknüpft ist - das wiederum auf zumeist unglückliche Eltern zurückzuführen ist. Das gilt selbstverständlich nicht übergreifend, denn dazu ist die Frage viel zu komplex. In jenen Fällen aber wird hier wesentlich sorgfältiger abgewogen als in den Fällen jener Eltern, die sich einfach irgendwie (Nachahmung, unkritisches Befolgen von Ratschlägen von leuten, denen es eigentlich völlig wurscht sein kann etc.) auf diese Aufgabe einlassen und schließlich vor einem Berg stehen, bei dem sie feststellen, ihn nicht erklimmen zu können. Wenn es also heißt, dass Eltern oft erst glücklich sind, wenn ihre eigenen Kinder ausziehen, dann geht dem nicht selten ein großes Unglück voraus, das sich garantiert in die Seelen der Kinder gebrannt hat. Und jede/r Kinderlose, die ihre Kinderlosigkeit bewusst und gründlich durchdacht haben, sind garantiert glücklicher, als jene Eltern, die es bereuen, Eltern geworden zu sein. Auch DAS sollte man unbedingt bedenken.
HISXX 21.08.2019
2.
Wir haben zwei Kinder und sind glaube ich eine intakte Familie. Unsere Große macht in 2 Jahren Abi und will dann irgendwo studieren. Der Gedanke, dass unsere Kinder in wenigen Jahren ausziehen macht mich traurig.
burlei 21.08.2019
3. Die Studie hat Recht
Meine Güte, was waren wir glücklich, als die Blagen endlich ausgezogen waren! Von der ersten vollen Windel über das übliche abendliche Geschrei "Ich will abba noch nicht ins Bääääätt!" bis zum ersten, zweiten, dritten Liebeskummer.... nur Theater! Dann waren sie raus, hurra! Dann starb nach 45 Ehejahren meine Frau und Gott sei Dank! Deine Kinder stehen Dir zur Seite, halten Dich, machen sich Sorgen um Dich, kümmern sich um Dich! Was ein Quatsch, was diese Studie behauptet. Man ist glücklich, wenn man seine Kinder nicht nur liebt, man ist glücklich, wenn sie Dich zurück lieben.
Pfaffenwinkel 21.08.2019
4. Ohne Kinder bleibt das Leben leer
Und ja, Kinder machen Arbeit, sind mitunter stressig, brauchen Zuwendung und Liebe, kosten Geld. Also, nichts für Egoisten. Aber wirklich glücklich im Leben machen nur Kinder, jede Mutter, jeder Vater weiß das.
protoscorsair 21.08.2019
5. Kann ich nachvollziehen
Mit dem zweiten Kind hört der Spass wirklich auf. Es wird eine der nächsten gesellschaftliche Durchbrüche sein, dass Eltern über negative Aspekte des Elzernseins sprechen dürfen, ohne dass ein Shitstorm folgt. Ich (zwei Kinder, Frau mit Burnout, keine Verwandschaft in der Nähe) vermisse nach 6 Jahren die kleinen Dinge: samstags mal ausschlafen, nachmittags mal ein Buch lesen, Flexibilität und Spontanität. Ich habe gerne Kinder, aber ich Berichte im Freundeskreis offen darüber, dass es ein 24/7 K ochenjob mit wenig Anerkennung ist.
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