Familienplanung Natürlich verhüten - aber wie?

Wer natürlich verhüten will, braucht eine Menge Wissen über die Regungen des Körpers rund um den Eisprung. Teure Temperaturcomputer sind allerdings nicht notwendig, auch bei Hormonmessungen sollten die Frauen vorsichtig sein. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Kondom: Es gibt Alternativen zu den gängigen Verhütungsmethoden

Kondom: Es gibt Alternativen zu den gängigen Verhütungsmethoden

Foto: Corbis

Die Deutschen sind alles andere als sprunghaft - zumindest was die Verhütung angeht. Dennoch lohnt es sich, auch Alternativen zu Pille, Kondom und Spirale in Betracht zu ziehen: Etwa die natürliche Familienplanung. Dabei werden meist die morgendliche Körpertemperatur gemessen und der Zervixschleim untersucht. Andere Methoden setzen auf die Messung des Hormonspiegels. Was steckt dahinter, und was gilt es zu beachten?

Genaue Zyklusbeobachtung

Die Statistiken sprechen durchaus für die Natürliche Familienplanung. Mit Hilfe des etablierten Verfahrens Sensiplan (richtige Anwendung vorausgesetzt) werden innerhalb eines Jahres nur 0.4 von 100 Frauen schwanger, bei der Anti-Baby-Pille liegen die Werte zwischen 0.1 und 0.9 pro Jahr und hundert Frauen. "In 89 Prozent der Fälle lässt sich über diese Methode der Eisprung auf plus minus einen Tag genau festlegen", sagt Petra Frank-Herrmann, die am Zentrum für Natürliche Familienplanung der Universität Heidelberg arbeitet.

Auf die natürliche Familienplanung könnten die Frauen selbst dann setzen, wenn sie einen unregelmäßigen Zyklus haben, sagt Frank-Herrmann. "Aus der aktuellen Zyklusbeobachtung können die Frauen beurteilen, ob sie fruchtbar sind oder nicht." Das Verfahren will allerdings gelernt sein: Wie, wo und wie lange muss man die Temperatur messen? Wie wirken sich Störfaktoren wie zu wenig Schlaf, Schichtdienst oder ein Wechsel der Zeitzonen aus? Kurse und Bücher können dabei helfen, die nötigen Informationen zu erhalten.

Teure Technologie nicht notwendig

Temperaturcomputer sollten die morgendliche Temperaturmessung erleichtern - so die Theorie. In erster Linie ist allerdings wichtig, dass Frauen die Methode genau kennen. Sonst kommt es trotz Computer häufig zu Fehlern. Diejenigen, die sich auskennen, finden es meist auch unnötig, sich teure Minicomputer zuzulegen, so das Ergebnis einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Vorsicht bei Hormonmessungen

Auch auf die Ergebnisse von Computern, die die Hormone im Morgenurin der Frau messen, sollte man sich nicht verlassen. Laut BZgA ermitteln die Geräte eine kürzere fruchtbare Periode als die Temperaturcomputer - die Frau wähnt sich in zweifelhafter Sicherheit. Abgesehen davon eignen sich die Hormoncomputer nur für Frauen, deren Zyklus eine Länge von 23 bis 35 Tagen hat. Auch Frank-Herrmann ist skeptisch, was die Sicherheit von Hormonmessungen angeht: "Persona ist technisch eine tolle Geschichte, aber die Sicherheit muss noch verbessert werden - die Methode ist mittel- bis unsicher. Die geschätzte Sicherheit liegt bei einem Pearl Index von 6."

Vaginalring mit Biosensor

Seit 2012 ist zudem ein Vaginalring mit Biosensor namens Ovulasens auf dem Markt. Der Sensor misst in der Scheide alle fünf Minuten die Temperatur und sichert die Daten auf einem internen Speicher. Die Frau kann den Ring wie einen Tampon selbst einführen, er verbleibt auch beim Geschlechtsverkehr in der Scheide. Nach 30 Tagen, am besten während der Menstruation, sollte der Ring wieder herausgenommen werden. Der Sensor muss dann ausgelesen, und die Daten müssen mit einer webbasierten Software hochgeladen werden. Sie verschaffen einen Überblick über den Zyklus und sagen die fruchtbaren Tage voraus, verspricht das Unternehmen.

"Der Sensor eignet sich für Frauen, die mit der Messung der Basaltemperatur, also der tiefsten Körpertemperatur am Tag, Probleme haben", sagt Henry Alexander, Erfinder von Ovulasens. "Nachdem Frauen drei Zyklen gemessen haben, kann Ovulasens als sichere Unterstützung für die natürliche Verhütung verwendet werden." Das sei sogar genauer als die Messung der Basaltemperatur.

Petra Frank-Herrmann ist anderer Meinung: "Für die Verhütung mit Ovulasens fehlen jegliche Grundlagen, da es keinerlei Studien zur Verhütungssicherheit gibt." Ein weiterer Nachteil sind die Kosten: 35 Euro pro Monat bezahlen Frauen für Ovulasens im Internethandel.

Apps und Foren

Apps sollen den Anwenderinnen dabei helfen, die gemessenen Temperaturdaten und die Beobachtungen zum Zervixschleim zu speichern und zu verwalten. Die Anwendungen zeigen dann die Zykluskurven an, markieren fruchtbare und unfruchtbare Tage im Kalender und erleichtern Vergleiche über mehrere Monate hinweg. Damit ersetzen sie herkömmliche Zyklusblätter. "Bisher ist jedoch noch keine App offiziell geprüft worden - daher sollte man hier etwas vorsichtig sein. Allerdings gibt es Foren, die bereits vielfach genutzt werden und bei denen die Anwenderinnen sich gegenseitig Tipps und Korrekturen liefern", sagt Frank-Herrmann.

Auch bei Kinderwunsch geeignet

Der Sinn von Verhütungsmethoden ist es, eine Schwangerschaft möglichst effektiv zu verhindern. Was die natürliche Familienplanung angeht, lässt sich dieser Ansatz jedoch auch umdrehen: Die NFP kann Frauen helfen, über die Bestimmung des Eisprungs möglichst schnell schwanger zu werden. Hilfreich ist hier vor allem der Zervixschleim, der in erster Linie in der fruchtbaren Phase auftritt.

Die Temperaturmethode hingegen kann lediglich einen Anhaltspunkt geben. Wenn dort der markante Punkt auftritt - der Temperaturanstieg -, ist der Eisprung bereits vorbei. Sind die Zyklen allerdings regelmäßig, lassen sich auch mit ihrer Hilfe Vorhersagen treffen. Da es beim Kinderwunsch nicht um größtmögliche Sicherheit geht, eignen sich in diesem Fall auch die Hormon- und Temperaturcomputer.

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