Partnerwahl Wir verlieben uns immer in die Gleichen

Die Partnerwahl ist berechenbarer als viele glauben, zeigt eine neue Studie mit Daten aus Deutschland. Demnach ähneln neue Partner oft stark dem Ex - nur sehr neugierige Menschen fallen aus dem Muster.

Die Irrungen und Wirrungen neuer und alter Beziehungen sind vielleicht doch einfacher zu erklären, als sie zu sein scheinen.
cyano66/ iStockphoto/ Getty Images

Die Irrungen und Wirrungen neuer und alter Beziehungen sind vielleicht doch einfacher zu erklären, als sie zu sein scheinen.


"Gegensätze ziehen sich an" oder "Gleich und gleich gesellt sich gern": Zur Frage, was bei der Partnerwahl den Ausschlag gibt, herrscht nicht nur sprichwörtlich Uneinigkeit. Auch wissenschaftlich konnten bislang weder Psychologie noch Soziologie oder Biologie eindeutig beantworten, nach welchen Kriterien Menschen ihre Partner auswählen. Eine Studie der Universität von Toronto betont nun wieder, wie wichtig Gemeinsamkeiten sind.

Basierend auf Daten aus Deutschland stellten die kanadischen Psychologen fest, dass Menschen eher eine Beziehung mit Partnern eingehen, die ihnen gleichen. Noch wichtiger sei aber, dass die neuen Liebschaften dem Ex-Partner ähnelten. Das schreiben die Forscher im Fachmagazin der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften "PNAS".

Basis für die Untersuchung waren Daten der Langzeitstudie Pairfam, für die jedes Jahr rund 12.000 Menschen befragt werden. Die Fragen bieten eine Grundlage, um Partnerschaften und Familien in Deutschland zu untersuchen.

Mehr als 300 Teilnehmer mit einem Partnerwechsel

Für die Studie wählten die Wissenschaftler 332 Teilnehmer aus, die zwischen 2008 und 2017 zwei verschiedene Partner hatten. Dabei handelt es sich um eine große Stärke der Untersuchung, die meisten früheren Studien zur Partnerwahl basierten nur auf Momentaufnahmen der Beziehungen ihrer Teilnehmer. Der Übergang von einem Partner zu einem anderen wurde bislang nur selten analysiert.

Sowohl die Studienteilnehmer als auch ihre (Ex-)Partner hatten Fragebögen ausgefüllt, in denen sie ihre eigene Persönlichkeit nach bestimmten Merkmalen bewerteten. Sie mussten etwa angeben, wie gern sie streiten, wie pflichtbewusst sie sind, ob sie neurotische Züge haben und offen für Neues sind. Insgesamt verglichen die Wissenschaftler so 21 Charaktereigenschaften.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass sich die Studienteilnehmer häufig ähnlich einschätzten wie ihre Partner. Noch ähnlicher waren jedoch die Angaben der aktuellen Partner und der Ex-Partner. Die Studienteilnehmer suchten sich also Partner aus, die nicht nur ihnen selbst, sondern mehr noch ihren vorherigen Partnern glichen, schlussfolgerten die Forscher. Von diesem Muster wich nur ab, wer sich selbst als besonders extrovertiert und offen für Neues charakterisierte.

Partnerwahl besser vorhersehbar als gedacht?

"Nach einer Trennung glauben viele Menschen, dass sie nun besser wissen, wen sie als neuen Partner haben wollen", schreiben die Autoren der Studie dazu. "Unsere Studienergebnisse legen allerdings nahe, dass die neuen Partner einen gewissen Grad an Ähnlichkeit zu den vorherigen aufweisen, was nahelegt, dass Menschen zumindest in Teilen beständig Beziehungen zu einem bestimmten Typ eingehen."

Die Autoren glauben, dass sich die Faktoren, die eine Partnerwahl beeinflussen, viel besser vorhersagen lassen als bislang angenommen - und das insbesondere dann, wenn man mehr über die Ex-Partner weiß.

Weitere Studien seien allerdings nötig, um zu verstehen, woher diese Konstanz kommt, schreiben die Forscher. Dann könnten die Ergebnisse möglicherweise genutzt werden, um etwa einen treffsichereren Algorithmus für das Onlinedating zu entwickeln oder Methoden zu erschaffen, mit denen sich bestehende Beziehungen verbessern lassen.

irb/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gerdd 14.06.2019
1. Das vielleicht wichtigste Ergebnis ...
... einer solchen Studie waere doch eine Strategie, wie man diesen - manchmal fatalen - Trend durchbricht. Ich kenne mehrere Menschen, die sich immer wieder in den selben - voellig ungeeigneten Typ verlieben. Umgekehrt finden ausgerechnet diese ungeeigneten Kandidaten auch ihre zukuenftigen Opfer attraktiv. Man koennte es eigentlich laengst besser wissen, aber man wirft all die Erfahrungen in den Wind ...
eichenbohle 14.06.2019
2. Nennt sich "Beuteschema".
Wenn ich so die 45 Jahre zurückblicke, hätten 80% der Freundinnen, Geliebten und Ehefrauen durchaus Schwestern sein können. Es gab ein paar Außreisser in der Größe nach oben und unten aber bei den Mehrjährigen Beziehungen waren sich die Frauen auch im Charakter sehr ähnlich. Mit meiner jetzigen Frau bin ich 10 Jahre verheiratet. Hat eben so lange gedauert, bis ich meinte das sich Aussehen und Charakter auf dem idealen Level befindet - sicher weil man selbst vieeeel ruhiger und gesetzter geworden ist. Aber sie entspricht eben auch meinem "Beuteschema" . :)
widower+2 14.06.2019
3. Das ist bei mir ganz anders
Zitat von eichenbohleWenn ich so die 45 Jahre zurückblicke, hätten 80% der Freundinnen, Geliebten und Ehefrauen durchaus Schwestern sein können. Es gab ein paar Außreisser in der Größe nach oben und unten aber bei den Mehrjährigen Beziehungen waren sich die Frauen auch im Charakter sehr ähnlich. Mit meiner jetzigen Frau bin ich 10 Jahre verheiratet. Hat eben so lange gedauert, bis ich meinte das sich Aussehen und Charakter auf dem idealen Level befindet - sicher weil man selbst vieeeel ruhiger und gesetzter geworden ist. Aber sie entspricht eben auch meinem "Beuteschema" . :)
Außerdem soll es in dem Artikel dem Wortlaut nach darum gehen, in wen wir uns verlieben. Und außer gewissen nicht erfüllten Ausschlusskriterien kann ich bei meinen Freundinnen, Geliebten und der einen Ehefrau keine großen Gemeinsamkeiten erkennen. Auch nicht bei denen, in die die ich mich tatsächlich mal verliebt habe. Wahrscheinlich war ich da völlig wahllos.:)
miss maik franz 14.06.2019
4.
Das passiert denen, die glauben, es gebe den/die Richtige/n. Hat man erstmal erkannt, dass es das nicht gibt, ist man davon weg und frei. Wie Andrew Boyd so schlau meinte, man muss nach dem richtigen Falschen gucken. Und den hat man gefunden, wenn man jemandem gegenüber sitzt, ihn verliebt ansieht und zuhört und denkt, "Das Problem möchte ich haben!"
manicmecanic 14.06.2019
5. Nein
Das kann ich für mich aber auch einige gute uralte Freunde nicht bestätigen.Ich war eher unmännlich und habe nie etwas mit einer Frau gehabt ohne Liebe,aber jedes meiner Mädels war vollkommen anders sowohl mental wie auch physisch.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.