Jetzt rezeptfrei Was Sie über die Pille danach wissen müssen

Bei Verhütungspannen kann die Pille danach vor einer Schwangerschaft schützen. Vom 15. März an bekommen Frauen sie auch ohne Rezept in der Apotheke. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Medikament.
Pille danach: Ab Sonntag auch in deutschen Apotheken ohne Rezept erhältlich

Pille danach: Ab Sonntag auch in deutschen Apotheken ohne Rezept erhältlich

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Eine Verhütungspanne ist unangenehm, heutzutage jedoch zum Glück nicht immer folgenschwer. Bis es zu einer Befruchtung kommt, irren die Spermien oft tagelang durch den weiblichen Körper. Damit sie dabei nicht auf eine Eizelle treffen, hat die Medizin für den Notfall ein Mittel geschaffen, die Pille danach.

Vom 15. März an können Frauen das Medikament im Notfall direkt in der Apotheke kaufen, auch ohne ein Rezept. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Pille danach im Überblick:

Was ist bei einer Verhütungspanne wichtig?

So schnell wie möglich zum Arzt eilen - oder ab jetzt in die Apotheke. Je früher die Pille danach eingenommen wird, desto besser schützt sie vor einer Schwangerschaft. Wer erst mehr als fünf Tage nach der Panne reagiert, sollte direkt zum Arzt gehen. Dann darf die Pille danach nicht mehr eingenommen werden.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Apotheker die Pille danach herausgibt?

Jeder Apotheker kann selbst entscheiden, wem er das Medikament gibt und wem nicht. Die Apothekerkammer empfiehlt jedoch, die Pille danach nur an die Betroffenen selbst abzugeben und nicht etwa an Freunde, Familienmitglieder oder andere Boten. Außerdem sollen Frauen die Pille danach nur im Notfall kaufen können und nicht auf Vorrat.

Ein weiterer Punkt ist das Alter: Bei Mädchen unter 14 Jahren sind Apotheker dazu angehalten, sie zum Arzt zu schicken. Ältere können das Medikament zwar direkt in der Apotheke kaufen, allerdings zahlt sich ein Arztbesuch auch bei ihnen aus. Bis zu einem Alter von 20 Jahren übernehmen die Krankenkassen nach wie vor die Kosten des Medikaments - jedoch nur, wenn es ein Arzt verschrieben hat.

Wie wirkt die Pille danach?

Sie verschiebt den Eisprung, verhindert also, dass sich eine Eizelle aus den Eierstöcken löst und Richtung Gebärmutter wandert. Die Spermien sterben unverrichteter Dinge ab. Um möglichst gut vor einer Schwangerschaft zu schützen, muss die Pille danach deshalb so schnell wie möglich eingenommen werden: Hat der Eisprung schon stattgefunden, kommt das Medikament zu spät.

Ist das nicht Abtreibung?

Nein, ist es nicht. Sobald sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter eingenistet hat, verliert das Medikament seine Wirkung. Eine bestehende Schwangerschaft kann es also nicht abbrechen - anders als bei der Abtreibungspille, die Frauen nur unter strengen Auflagen schlucken dürfen.

Gibt es nur die eine Pille danach oder mehrere?

Es gibt tatsächlich mehrere, zwischen denen sich Frauen im Notfall entscheiden müssen. Auf dem deutschen Markt sind zwei verschiedene Wirkstoffe zur Notfallverhütung zugelassen, Levonorgestrel (in der Regel vertrieben unter dem Handelsnamen Pidana) wird schon seit mehr als einem Jahrzehnt in Pillen danach verwendet. Ulipristalacetat (Handelsname Ellaone) hingegen ist seit etwa fünf Jahren auf dem Markt.

Was unterscheidet sie?

Beide Medikamente haben Vor- und Nachteile. Die Entscheidung für eins der beiden sollte deshalb immer individuell und in Absprache mit einem Arzt oder Apotheker fallen.

Der größte Unterschied zwischen den zwei Wirkstoffen ist wohl die Zeitspanne, für die sie zugelassen sind. Die seit Längerem etablierte Pidana dürfen Frauen nur bis zu 72 Stunden (also drei Tage) nach der Verhütungspanne schlucken. Die modernere Ellaone hingegen kann den Eisprung auch noch entgegenwirken, wenn er kurz bevorsteht. Sie ist bis zu 120 Stunden (also fünf Tage) nach der Verhütungspanne zugelassen.

Dieser Punkt spricht für das modernere Medikament. Auf der anderen Seite existieren jedoch aufgrund der längeren Erfahrung deutlich mehr Daten zur Pidana, vor allem über mögliche langfristige Nebenwirkungen lässt sich bei Ellaone bisher wenig sagen. Dennoch spricht viel dafür, dass auch sie sicher ist.

Zu guter Letzt unterscheidet sich der Preis zwischen den beiden Mitteln deutlich: Ellaone ist mit etwa 35 Euro etwa doppelt so teuer wie die Pidana, die um die 18 Euro kostet.

Wie sicher verhindern die beiden Medikamente eine Schwangerschaft?

Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, auch sind sie weniger zuverlässig als Verhütungsmittel wie Kondome oder die normale Antibabypille. Unter anderem deshalb sollte die Pille danach wirklich nur als Notlösung dienen.

Bei der Pidana warnt der Hersteller in der Packungsbeilage davor, dass die Wirkung bei stark übergewichtigen Frauen nachlässt. Was ist da dran?

Eine Studie  weist tatsächlich darauf hin, dass die Schutzwirkung der Pille danach bei Übergewicht abnimmt; bei der Pidana ab einem Gewicht von etwa 75 Kilogramm, bei Ellaone ab einem Gewicht von etwa 90 Kilogramm. Die Untersuchung ist allerdings umstritten, mehrere andere Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) konnten einen derartigen Zusammenhang nicht finden.

Aus diesem Grund empfiehlt unter anderem die Europäische Arzneimittelagentur Ema beide Medikamente unabhängig vom Körpergewicht, der Berufsverband der Frauenärzte hingegen warnt vor einem Wirkungsverlust bei Übergewicht (Einen ausführlichen Artikel zum Thema finden Sie hier).

Welche Nebenwirkungen können die Medikamente haben?

Die Nebenwirkungen beider Medikamente sind nach allem, was man bisher weiß, miteinander vergleichbar. Beide gelten als relativ gut verträglich. Allerdings kommt es häufig zu Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, einem Spannungsgefühl in der Brust, Schmerzen im Unterbauch sowie einer verspäteten, stärkeren Regelblutung.

Um Übelkeit zu vermeiden, wird empfohlen, vor der Einnahme der Tablette eine Kleinigkeit zu essen, etwa eine Scheibe Butterbrot. Erbricht man sich trotzdem innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme, hat der Körper die Wirkstoffe möglicherweise noch nicht vollständig aufgenommen. Dann gilt es, so schnell wie möglich eine weitere Pille danach einzunehmen.

Die Pille danach ist geschluckt. Reicht das an Verhütung bis zum Ende des Zyklus?

Nein, es muss unbedingt weiter verhütet werden. Aufpassen müssen vor allem Frauen, die normalerweise mit der Antibabypille verhüten und etwa aufgrund eines Einnahmefehlers zusätzlich die Pille danach schlucken mussten. Sie können anschließend ihre Antibabypille wie gewohnt weiter nehmen, müssen aber bis zur nächsten Montagsblutung zusätzlich mit Kondom verhüten. Bis dahin verliert die Antibabypille ihre Wirkung.

Was gilt es nach der Einnahme zu beachten?

Nach der Einnahme der Pille danach kann die Regelblutung etwas früher oder später auftreten. Bleibt sie jedoch mehr als sieben Tage aus, sollten die Betroffenen einen Schwangerschaftstest machen und zum Arzt gehen.

Gibt es eine Alternative zur Pille danach?

Ja, die Spirale danach. Dabei handelt es sich um eine Kupferspirale, die ein Arzt spätestens am fünften Tag nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr einsetzten sollte. Dann schützt sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent vor einer Schwangerschaft.

Mit Kosten von 130 bis 180 Euro ist die Spirale danach deutlich teurer als die Pille danach. Sie kann jedoch je nach Modell zwischen drei und fünf Jahren in der Gebärmutter verbleiben und zuverlässig eine Schwangerschaft verhindern.

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