Transplantation US-Klinik setzt Ungeimpften nicht auf Warteliste für ein neues Herz

In den USA bekommt ein Mann laut seiner Familie keine Chance auf ein Spenderherz, weil er sich nicht gegen Covid-19 impfen lässt. In Deutschland wäre ein solcher Fall nicht denkbar.
Krankenhausbett (Symbolbild)

Krankenhausbett (Symbolbild)

Foto: Colin Anderson / Stocksy United

Ein 31-jähriger Amerikaner, der dringend ein Spenderherz benötigt, wurde von seiner Klinik von der Warteliste für ein Transplantat gestrichen – unter anderem, weil er nicht gegen Covid-19 geimpft ist, wie die britische BBC berichtet . Der Mann liegt laut dem Bericht im Brigham and Women's Hospital in Boston.

Die Klinik weist in einer Stellungnahme  darauf hin, dass mehrere offiziell empfohlene Impfungen eine der Voraussetzungen dafür seien, dass jemand auf ihre Warteliste für ein Spenderorgan gesetzt wird. Die Impfung gegen Covid-19 sei eine davon, ebenso die jährliche Grippeschutzimpfung sowie die Impfung gegen Hepatitis B. Außerdem seien die Patientinnen und Patienten verpflichtet, andere »gesunde Verhaltensweisen« anzunehmen und zu zeigen, dass sie die nach der Transplantation nötigen Medikamente auch entsprechend einnehmen. Diese Regeln sollen laut der Klinik die größte Chance auf eine erfolgreiche Operation sicherstellen und die Überlebenswahrscheinlichkeit nach der Transplantation verbessern.

Ob weitere Gründe dagegen sprechen, den Mann auf der Warteliste zu lassen, teilte die Klinik der BBC nicht mit, es handelt sich schließlich um vertrauliche medizinische Daten. Der Vater des Patienten hat den Fall öffentlich gemacht. Er sagt, die Impfung verstoße gegen die Grundprinzipien seines Sohnes, »er glaubt nicht an sie«.

Wer mit einem Spenderorgan lebt, muss Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken, damit der Körper das Organ nicht abstößt. Diese Mittel führen unweigerlich dazu, dass auch die Infektabwehr verschlechtert wird. Betroffene haben deshalb auch ein deutlich höheres Risiko, im Falle einer Coronainfektion schwer zu erkranken.

Ganz andere Situation in Deutschland

Einen Fall wie diesen könnte es in Deutschland nicht geben.

»Keine medizinische Behandlung in Deutschland wird davon abhängig gemacht, ob man geimpft ist, auch eine Transplantation nicht«, sagt Christian Strassburg vom Universitätsklinikum Bonn, der Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft ist. Das sei aus ethischen Gründen gar nicht anders denkbar.

Es sei in diesem Fall aber auch medizinisch nicht sinnvoll, eine Impfung vorauszusetzen, so der Experte. Denn die Menschen, die wegen eines schweren Organschadens auf ein Spenderorgan warten, haben eine eingeschränkte Immunantwort – dass sie nach einer Impfung einen Immunschutz aufbauen, ist also keineswegs garantiert.

»Ich erlebe es eher, dass sie darüber traurig sind, dass ihr Immunsystem nicht wie erhofft auf die Impfung reagiert.«

Christian Strassburg, Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft

»Wir raten trotzdem allen Betroffenen zur Impfung«, sagt Strassburg. Mithilfe von Antikörperuntersuchungen lässt sich grob abschätzen, ob eine Impfung angeschlagen hat. Falls nicht, können über die Zeit auch mehr Dosen verabreicht werden als die allgemein empfohlene Anzahl von drei.

Zusätzlich können Patientinnen und Patienten, die keinen eigenen Immunschutz aufbauen, durch eine sogenannte passive Impfung mit monoklonalen Antikörpern geschützt werden. Allerdings wirkt eines der zugelassenen Mittel nicht mehr ausreichend gegen die Omikron-Variante .

Strassburg sagt, es sei äußerst selten, dass Patientinnen und Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, die Covid-19-Impfung ablehnten. »Ich erlebe es eher, dass sie darüber traurig sind, dass ihr Immunsystem nicht wie erhofft auf die Impfung reagiert.« Er betont, dass für den Schutz dieser Risikogruppe das Umfeld wichtig ist: Kontaktpersonen sollten geimpft sein.

wbr
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