Artikel • 29.3.2020

Crowdbutchering: Fleischkonsum neu denken

Gemeinsam schmeckt es besser

Glückliche Kühe

Auto, Wohnung, Garten, Haushaltsgeräte – all das und noch mehr wird bereits geteilt. Aber sich eine Kuh teilen? Auch das ist möglich. Zwar nicht so wie Carsharing, aber das Prinzip beim sogenannten Crowdbutchering ist ähnlich. Was das genau ist und welche Anbieter es gibt, verraten wir im Artikel.

Crowdbutchering: Gemeinsam schmeckt es besser

Die erste Assoziation bei Crowdbutchering: Massenschlachtung. Doch das absolute Gegenteil ist der Fall. Das Wort „Crowdbutching“ kombiniert die englischen Wörter „Crowdfunding“ (finanzielle Beteiligung an ein Projekt) und „Butchering“ (Schlachtung). Crowdbutcher beteiligen sich somit an einer Schlachtung.

Die Idee dahinter ist nicht neu. Menschen, die auf dem Land leben, kennen bestimmt noch die Situation, in der ein Bauer die Schlachtung plant und dies verkündet. Die interessierten Dorfbewohner kommen und holen sich das Fleisch ab. Leider kennen nur die wenigsten einen Bauer, der regelmäßig ein Tier schlachtet. Für all diese Menschen gibt es Crowdbutchering.

Dies funktioniert so: Interessierte sammeln sich auf einem Portal, z.B. bei Kaufnehkuh.de, und erwerben dort anteilsmäßig eine Kuh. Sind genügend Interessierte zusammengekommen, dass sich eine Schlachtung tatsächlich lohnt, wird das Tier geschlachtet.

Regionalität und Nachhaltigkeit dank Crowdbutchering

Beim Crowdbutchering geht es aber nicht nur darum, dass Leute sich das Fleisch einer Kuh teilen. Es geht vielmehr um Verantwortung. Und das in mehrerlei Hinsicht.

Fleisch aus der Region

Ein wesentlicher Aspekt beim Crowdbutchering ist die Regionalität. Die Tiere kommen ausschließlich aus Deutschland. Sie werden hier großgezogen, gehalten und später auch geschlachtet. Dies garantiert, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Denn den Ertrag bekommt direkt der Bauer und kein Betreiber einer Massentierhaltung.

Die Regionalität gewährt außerdem, dass die Umweltbelastung auf ein Minimum reduziert wird. Lange Transportwege fallen weg sowie die Lagerung in Supermärkten. Da die Tiere nicht in Mastbetrieben gehalten werden, sondern artgerecht bei den Bauern, fallen auch bei der Haltung weniger Treibhausgase an.

Nachhaltigkeit ist das A und O beim Crowdbutchering

Natürlich spielt bei vielen Konsumenten die artgerechte Haltung der Tiere eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Rolle beim Fleischkauf. Jedoch ist nicht immer garantiert, dass das ganze Tier genutzt wird und nichts auf dem Müll landet.

Beim Crowdbutchering geht es nämlich darum, alles zu verwenden: vom Fleisch über die Haut bis hin zu den Knochen. Während das Fleisch zu den Crowdbutchern kommt, wird die Haut an Gerbereien geschickt, die Innereien werden zu Tierfutter weiterverarbeitet und aus den Knochen entsteht Leim. So wird nichts weggeworfen und das Tier musste nicht umsonst sterben.

Wichtig beim Crowdbutchering ist außerdem der Transport, damit das Fleisch nicht schlecht wird. Dafür greifen die Anbieter auf gekühlte, isolierte und nachhaltige Pakete zurück. Gekühlt werden diese in der Regel mit ausreichend Kühlelementen.

Transparenz von Anfang bis Ende

Wesentlich ist darüber hinaus die Bereitstellung aller nötigen Informationen. Dies beginnt beim Rind, welches angeboten wird, und endet beim Schlachter, der für das Zerteilen und die Lagerung des Fleisches verantwortlich ist. All diese Informationen werden von den Crowdbutchering-Anbietern auf der jeweiligen Website bereitgestellt.

Interessierte wissen so genau, von welchen Rind das Fleisch kommt, wo und wie es gehalten wird, was es zu fressen bekommt und wo es geschlachtet wird. All diese Informationen sind beim Fleisch im Supermarkt nicht ersichtlich.

Crowdbutchering Fleisch essen

Crowdbutchering in Deutschland: Hier gibt es frisches, regionales Fleisch

Das Phänomen so viele Interessenten zu finden, damit guten Gewissens ein Tier geschlachtet werden kann, ist schon einige Jahre alt. Seitdem gibt es mehrere Crowdbutchering-Anbieter in Deutschland. All diesen ist gemein, dass sie großen Wert auf Nachhaltigkeit und Transparenz legen.

Crowdbutching.com: Kuh, Schwein oder doch lieber ein Huhn?

„Iss weniger Fleisch – aber dafür besseres“. Das ist das Credo des bayrischen Unternehmens Crowdbutching, das seit 2015 über die Seite Kaufnekuh.de Rindfleisch verkauft. Es ist in Deutschland sowie in den Niederlanden und Großbritannien mit einem Sitz vertreten. In Deutschland können Interessierte nicht nur Anteile eines Rindes erwerben, sondern auch Schweine (seit 2017) sowie Hühner oder Gänse (beide seid 2018). Letztere allerdings nur zu Weihnachten.

Bei Kaufnekuh.de haben Crowdbutcher die Möglichkeit Anteile eines Rindes zu kaufen, die ihnen dann nach Hause geliefert werden. Bei Kaufnekuh gibt es drei Pakete mit unterschiedlichen Preisen:

  • Classic Paket: gibt es als Mini (3,3 kg für 59,95 €) oder als Maxi (6,5 kg für 99,95 €). Es ist immer dasselbe drinnen, nur die Menge davon variiert.
  • Bio Paket: dasselbe wie das Classic Paket, nur in Bio-Qualität. Auch die Menge und der Preis ist anders: Mini (3,5 kg für 79,95 €) und Maxi (7 kg für 139,95 €).
  • Bio Gourmetpaket: Bio-Rindfleisch mit größeren Cuts für den Fleischliebhaber und mit zusätzlichen Fleischprodukten (8 kg für 149,95 €).

Allen Paketen ist gemein, dass transparent kommuniziert wird, um welches Tier es sich handelt. Folgende Informationen sind ersichtlich:

  • der Name des Bauern, der das Rind hält,
  • der Ort, wo der Bauernhof steht,
  • die Ohrmarke, mit dem das Rind versehen ist,
  • die Rinderrasse,
  • die Haltung des Tieres,
  • bei den beiden Bio-Paketen das Bio-Siegel,
  • was die Rinder zu fressen bekommen und
  • die Fleischprodukte, die geliefert werden.

Wichtig bei Kaufnekuh.de: Die artgerechte Haltung der Tiere, gentechnikfreies und bestmöglich selbst erzeugtes Tierfutter, keine präventive Antibiotika, viel Platz im Laufstall und auf der Weide sowie die Zurückverfolgbarkeit jeder einzelnen Kuh.

Bei Kaufnekuh.de bekommen die Crowdbutcher außerdem Bilder des Bauern und der Tiere zu sehen. Zwar nicht der entsprechenden Kuh, die verkauft wird, dafür können die Interessierten sich ein Bild vom Bauernhof und der Haltung der Tiere machen. Ist die ganze Kuh verkauft, erhalten die Crowdbutcher eine Nachricht mit einem ungefähren Lieferdatum. Das genaue Datum wird fristgerecht kommuniziert und hängt vom Schlachtungszeitpunkt sowie der anschließenden Reifung ab.

Crowdbutchering Fleisch aufschneiden

MeinBiorind.de: Bio-Rinder aus der Region

Einer der Pioniere des Crowdbutchering in Deutschland ist MeinBiorind.de. Das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt bietet nur Bio-Rindfleisch aus artgerechter Tierhaltung und ökologischer Aufzucht an. Ganz im Sinne der Transparenz erhalten Interessierte folgende Informationen des Rindes:

  • das Geburtsdatum des Tieres,
  • die Ohrmarke, mit dem das Rind versehen ist,
  • die Rinderrasse,
  • den Bauernhof, in dem das Rind gehalten wird,
  • um welches Fleisch es sich handelt,
  • womit das Tier gefüttert wurde und
  • wie das Fleisch gereift ist.

Zu sehen sind darüber hinaus Fotos des Rindes. Dies weckt Vertrauen, dass tatsächlich das Fleisch dieses Rindes zu einem nach Hause geliefert wird. Darüber hinaus kann der Crowdbutcher aus unterschiedlichen Paketen wählen:

  • Klassik Paket: 5,5 kg für 129 €, u.a. bestehend aus Steaks, Gulasch und Hackfleisch;
  • Royal Paket: 3 kg für 90 €, u.a. bestehend aus Filet und Rouladen;
  • Bavette Paket: 3 kg für 85 €, u.a. bestehend aus Bavette bzw. Flankensteak und Gulasch;
  • Premium Paket: 3 kg für 79 €, u.a. bestehend aus Steaks und Hackfleisch;
  • Suppen Paket: 1 kg für 14 €, bestehend aus Beinscheiben und Suppenfleisch am Knochen (wahlweise auch nur das eine oder andere);
  • Gulasch: 500 g für 14 € oder 1 kg für 26 €;
  • Hackfleisch: 500 g für 6,50 € oder 1 kg für 12 €;
  • Suppenknochen: 1 kg für 7 €;
  • Ochsenschwanz: 600-950 g für 15 €;
  • Rinderfett: 400 g für 3,30 €;
  • Zunge und Leber: 2,7-3,4 kg für 50 €;
  • Herz und Leber: 2,9-3,8 kg für 50 €;
  • Nieren und Leber: 2,2-3 kg für 46 €.

 Ist das ganze Rind verkauft, ist dann das Lieferdatum ersichtlich. Schön und wichtig ist außerdem, dass die Bauernhöfe sowie die Verarbeiter mit einer Beschreibung ersichtlich sind.

Crowdbutchering frisches Fleisch

Besserfleisch: Pfannenfreuden nur ein paar Klicks entfernt

Beim Hamburger Cow-Sharing-Unternehmen besserfleisch.de dreht sich auch alles ums Teilen. Es wird nicht nur Rind angeboten, sondern auch Lamm sowie ein Kochbuch oder ein Rinderfell. Bei besserfleisch.de können Interessierte aus acht verschiedenen Paketen wählen, die sich in ihrem Inhalt unterscheiden:

  • Pfannenfreude: 5 kg für 142 €, u.a. bestehend aus Rumpsteak, Entrecôte und Rinderhack;
  • Küchenfest: 5 kg für 142 €, u.a. bestehend aus Rinderbraten, Gulasch und Rouladen;
  • Gourmet: 5 kg für 189 €, u.a. bestehend aus Filetsteaks, Hüftsteaks und Rinderbraten;
  • Neue Cuts: 5 kg für 189 €, u.a. bestehend aus Bavett, Flanksteak und Inside Skirt;
  • Hack-Paket: 5,2 kg für 99 €, bestehend aus Rinderhack (auf Wunsch auch in ganzen Stücken);
  • Rinderüberraschung: 5 kg für 120 €, wo nie ersichtlich ist, was in der Lieferung steckt;
  • Rindfleisch-Abo: die Pakete Pfannenfreude, Küchenfest und Gourmet gibt es auch als Abo. Alle 2-3 Monate erhalten Crowdbutcher automatisch eine Lieferung nach Hause;
  • 1 halbes Rind: 75-120 kg für 1400-1800 €, das in Handarbeit nach individuellen Wünschen zerlegt und vakuumiert wird.

Genau wie bei den anderen Unternehmen sind bei besserfleisch.de die wichtigsten Informationen über die Rinder ersichtlich:

  • der Name des Bauern,
  • der Ort des Bauernhofes,
  • die Tierhaltung,
  • die Rinderrasse,
  • wo das Tier geschlachtet wird und wie lange der Transport dahin dauert und
  • wie das Tier zerlegt und gelagert wird.

Andere wichtige Informationen, wie etwa die Nummer der Ohrenmarke des Tiers, sind leider nicht ersichtlich.

Das gute Fleisch: Ohne Umwege direkt auf den Teller

Neben den genannten Unternehmen gibt es die Möglichkeit, direkt bei Bauern das Fleisch zu bestellen. Diese Direktvermarkter übernehmen alles, von der Haltung der Tiere bis hin zur Lieferung des Fleisches. Einer dieser Direktvermarkter ist das-gute-fleisch.de aus Brandenburg. Auf dem eigenen Biohof werden Galloway-Rinder nach strengen Bio-Richtlinien gehalten. Transparenz, Nachhaltigkeit, Tierhaltung und Regionalität stehen dabei in Zentrum.

Für Crowdbutcher gibt es mehrere Pakete zur Auswahl, die sich in ihrem Umfang und Inhalt unterscheiden:

  • Biofleisch Wunschpaket: 4,64 kg für 120 € und Interessierte können ihr eigenes Paket zusammenstellen, je nachdem, was gerade zur Verfügung steht;
  • Biofleisch BBQ, das wiederum aus verschiedenen Paketen besteht: Paket M (4,4 kg für 99 €), Paket S (2,92 kg für 69 €), Burgerpaket (25 Patties bzw. 3 kg für 64,50 €), Rindsbratwurst-Paket (3 kg für 69 €);
  • Biofleisch Basics, das es in verschiedenen Paketen gibt: Paket XS (2,28 kg für 55 €), Rinderfond (6x400 ml für 34 €), Paket S (4,26 kg für 99 €), Paket M (8,54 kg für 185 €), Festtagspaket (6 kg für 125 €).

Darüber hinaus liefert der Biohof alle hilfreichen Informationen, wie der Tierhaltung oder der Ernährung. Nicht ersichtlich ist, welche Kuh genau gekauft wird. Dies ist allerdings insofern nicht so wichtig, da die Rinder alle vom Biohof kommen.

Crowdbutchering Steaks

Crowdbutchering ist Trend und gut fürs Gewissen

Immer mehr Menschen hinterfragen ihren eigenen Fleischkonsum und möchten möglichst nachhaltig leben. Crowdbutchering ist dafür genau richtig und trifft den Zeitgeist. Dies sorgt auch dafür, dass diese Art des Fleischkonsum zunimmt und beliebter wird. Denn Nachhaltigkeit beginnt bereits bei einem selbst und ein kritischer Umgang mit dem eigenen Konsumverhalten ist der erste wichtige Schritt dahin.

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