Artikel • 21.8.2020

Death Cleaning: Vom Glück des Wegwerfens

Ausmisten, bevor es zu spät ist

Bilder und eine Gitarre liegen im Sperrmüll, da sie beim Death Cleaning daran glauben mussten

Laut statistischem Bundesamt besitzt jeder Mensch in Westeuropa im Durchschnitt etwa 10.000 Dinge. Die wenigsten davon sind für das alltägliche Leben wirklich unverzichtbar oder haben einen besonderen sentimentalen Wert. Alles andere bleibt aus Sammelwut, aus Faulheit oder einfach aus Gewohnheit. Es kann aber richtig befreiend sein, sich unnötiger Dinge zu entledigen. Einer der vielen Trends des Entrümpelns und Loswerdens heißt „Death Cleaning“ und stammt aus Schweden. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

Was verbirgt sich hinter der Philosophie?

Hinter dem recht radikal anmutenden Begriff steht eine Philosophie, die von Schweden aus die Lebensweise von immer mehr Menschen auf der ganzen Welt verändert. Death Cleaning hat tatsächlich etwas mit dem Tod zu tun, denn es geht darum, Unnützes loszuwerden, damit es später die Hinterbliebenen nicht tun müssen.

Begonnen hatte alles mit dem Buch „Döstädning“ der schwedischen Schriftstellerin Margareta Magnusson – erhältlich u.a. bei Thalia. Der Grundgedanke, den das Buch vermittelt, lautet: „Sollte ich morgen sterben, muss sich jemand mit all dem Kram auseinandersetzen, den ich im Laufe meines Lebens angehäuft habe.“ 

Wer also den Hinterbliebenen diese müh- und trübselige Arbeit ersparen möchte, sortiert bereits zu Lebzeiten aus und trennt sich von allen Dingen, die mehr Ballast als Nutzen darstellen. Death Cleaning ist aber längst nicht nur für diejenigen gedacht, die sich bewusst mit dem eigenen Tod auseinandersetzen. Es lohnt sich in jedem Alter, übers „Decluttering“ – das gründliche Entrümpeln – nachzudenken.

Ein Container voll nicht gebrauchter Waren

Death Cleaning: Nur das behalten, was glücklich macht

Wer sich mit dem Entrümpeln der eigenen Habseligkeiten auseinandersetzt, zieht eine Bilanz des bisherigen Lebens, findet heraus, was wirklich Bedeutung hat und fühlt sich anschließend befreit. Zudem wirkt das eigene Umfeld viel aufgeräumter und strukturierter. Und manch eine Wohnung bekommt nach dem Decluttering einen ganz neuen Charakter.

Die Schriftstellerin betont, dass bei Death Cleaning nicht die Unvermeidbarkeit des Todes im Vordergrund stehen soll, sondern die Geschichte des eigenen Lebens, die sich in den Dingen widerspiegelt, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben. Es geht um die guten Erinnerungen, die man behält und die schlechten, die man loswird. So steht beim Decluttering die Frage danach im Vordergrund, was noch einen emotionalen oder praktischen Wert hat und was einfach nur Platz wegnimmt.

Von groß nach klein entrümpeln

Es empfiehlt sich, beim Death Cleaning mit den großen Dingen wie Möbeln und Haushaltsgeräten zu beginnen. Werden wirklich alle Möbel benutzt, die in der Wohnung herumstehen und welche Fehlkäufe sind dabei? Muss der Trockner noch immer im Bad verbleiben, obwohl er vor Monaten das letzte Mal eingeschaltet wurde? Schrittweise geht es von Zimmer zu Zimmer. Daraufhin sind die kleineren Dinge an der Reihe wie Geschirr, das seit Jahren in der Vitrine vor sich hin vegetiert oder Bücher, die niemand liest und jemals lesen wird.

Auch dem leidlichen Papierkram, der längst keine Bedeutung mehr hat und einfach nur die Schubladen und Aktenordner zumüllt, geht es beim Entrümpeln an den Kragen. Alte Magazine, Papierordner aus der Uni-Zeit sowie alte Rechnungen und abgelaufene Verträge haben im eigenen Leben nichts mehr verloren. Also ab damit in Kartons. Praktisch sind dafür Umzugskartons. Keine zur Stelle? In Baumärkten, wie z.B. Obi, gibt es solche zuhauf.

Schatzkiste für das ganz Persönliche

Zum Schluss geht es dann um die ganz persönlichen Dinge – um alte Briefe, Schmuck, Kleidung und Selbstgemachtes. Dinge, die keinen materiellen und einen ausschließlich emotionalen Wert haben, verstaut man beim Death Cleaning vorzugsweise in einer Art persönlicher Schatzkiste. So sind sie immer da, wenn wieder Zeit für etwas Sentimentalität ist. Und (viel) später wird es den Hinterbliebenen leichtgemacht, sich einen Verbleib für die persönlichen Dinge zu überlegen.

Das Aussortierte muss auch nicht unbedingt im Müll landen. Wer sich ganz bewusst mit den Habseligkeiten auseinandersetzt, wird oftmals etwas zum Vererben und Verschenken entdecken. Eine „Zu verschenken“- Kiste bereitet nicht nur den Lieben eine Freude, auch den Schenkenden vermittelt sie ein gutes Gefühl.

Aussortieren ist nicht immer einfach

Wem es besonders schwer fällt, Dinge loszuwerden, dem empfiehlt Magnusson, den eigenen Glückskompass zu konsultieren. Dabei wird jedes der Besitztümer einzeln betrachtet, während man sich fragt, ob es einen gerade in diesem Moment wirklich glücklich macht. Wenn nicht: weg damit!

Zum Glückskompass gehören auch Gebrauchsgegenstände. Natürlich machen Bügeleisen und Staubsauger nicht direkt glücklich, aber da sie das Leben erleichtern, sind sie indirekt für das Glücksempfinden verantwortlich.

Sich beim Death Cleaning etwas gönnen

Während des Ausmistens und Entrümpelns sollte das Projekt „Death Cleaning“ mit etwas Positivem einhergehen. Jede Etappe wird am besten mit einer Belohnung an sich selbst beendet. Sei es eine Massage, ein schönes Abendessen mit Freunden oder ein Wochenendausflug mit der oder dem Liebsten. Bei Expedia gibt es die passenden Angebote dafür. Sich allerdings einen ausgiebigen Shopping-Trip zu gönnen, wäre vor dem Hintergrund des Ausmistens eher weniger angesagt.

Vor einem Haus stehen gebrauchte Möbel. Bei Death Cleaning werden diese ausgemistet

Nichts Unnützes mehr kaufen

Nachdem der ganze Ballast beseitigt ist, stellt sich ein Gefühl der Freiheit ein, das Gefühl der Leichtigkeit und des Neuanfangs. Neuanfang bedeutet aber nicht, dass es nun direkt zum nächsten Möbelgeschäft gehen soll. Im besten Fall nimmt man aus der Death-Cleaning-Erfahrung das Bewusstsein mit, dass es im Leben nicht auf Materielles ankommt und dass zum Glücklichsein weitaus weniger notwendig ist als gedacht.

Death Cleaning ist ein Konzept, das auch in der Zukunft Bestand haben soll. Es ist wichtig, immer wieder den wirklichen Wert der eigenen Habseligkeiten zu prüfen. Viele Menschen neigen dazu, Dinge anzuhäufen – und wer die Philosophie verinnerlicht, wird gar nicht erst in Versuchung geraten, das eigene Leben mit Sinnlosem zu belasten.

Weitere interessante Artikel