Artikel • 3.6.2020

Deutsche Gerichte: Eine kulinarische Reise durch Deutschland

Die Vielfalt der regionalen Küche

Deutsche regionale Köstlichkeiten

Bratwurst, Sauerkraut und Bratkartoffeln sind als typisch deutsche Gerichte international bekannt. Auch Weißwurst oder Klöße kennen andere Nationalitäten als traditionell deutsche Küche. Die kulinarische Bandbreite umfasst jedoch viel mehr: Zum Beispiel sind in Schleswig-Holstein neben Fisch herzhaft-süße Mischungen beliebt. Genauso finden wir in der alten schlesischen Küche oft süßen Beigaben. Und auch der Nordwesten bringt mit „Himmel und Ääd“ seine ganz eigene fruchtig-deftige Mischung auf den Teller. Deutschland is(s)t abwechslungsreich – hier kommt Inspiration!

Die Küche im Norden: Zwischen Birnen und Buletten

Viele verbinden den kulinarischen Norden Deutschlands mit Rollmops, Nordseekrabben und Hechtsuppe. Doch wer hat schon einmal vom „Labskaus“ gehört? Obwohl das Gericht keinen Fisch enthält, hat es sich als typisches Essen der Fischer und Seeleute eingebürgert. Es besteht aus Kartoffeln, Rindfleisch und Roter Bete und ist bis nach Liverpool als „Seemannsschmaus“ verbreitet.

Auch die Kombination mit Süßem gehört im Norden zur geschmacklichen Bandbreite. So sind Birnen mit Bohnen und Speck, auf Plattdeutsch auch „Beer’n Bohn un Speck“, als altes Hamburger Gericht bekannt und beliebt.

Deftiges aus dem Nordosten

Weiter landeinwärts sieht die Speisekarte schon anders aus: Kasseler mit Sauerkraut und Kartoffelpüree, aber auch Buletten in Berliner Breiten sind wieder deutlich näher am deftigen Image der deutschen Küche.

Als lokale Spezialität gilt in der Hauptstadt außerdem die Currywurst. Als praktische, schnelle Mahlzeit für die Hand ist sie perfekt für das hastige Großstadtleben.

Daneben spielen in Brandenburg Wildgerichte eine große kulinarische Rolle – und natürlich die weithin beliebten Königsberger Klopse.

Plattdeutsche Leckerei: „Beer’n Bohn un Speck“

Birnen, Bohnen und Speck lassen sich einfach nachkochen. Um 3 bis 4 Portionen des herbstlichen Hamburger Traditionsgerichts zuzubereiten, benötigt man:

  • 4 Scheiben geräucherter Bauchspeck
  • 1 große Zwiebel, gehackt
  • 500 g grüne Bohnen (ggf. auch gefroren, nicht geeignet sind Bohnen aus der Dose)
  • 4-8 Kochbirnen (kleine Sorte, z. B. Bürgermeisterbirnen)
  • ½ bis 1 Bund Bohnenkraut
  • 1 Teelöffel Speisestärke

Zuerst kommt die gehackte Zwiebel mit dem Bauch in einen großen Topf. Mit ca. 1 ½ Litern Wasser zum Kochen bringen, anschließend bei reduzierter Temperatur noch 15 Minuten weiter köcheln. In der Zwischenzeit die Birnen längs halbieren, die Bohnen mittig durchbrechen und in den Topf geben. Bei mittlerer Hitze alles gemeinsam weitere 25 Minuten kochen. Anschließend alle Zutaten entnehmen und den Sud mit Speisestärke zu einer Soße aufkochen.

Tipp: Als Beilage eignen sich festkochende Pellkartoffeln.

Deutsche Gerichte Labskaus
Zu Labskaus passt auch wunderbar ein Rollmops

Von Sachsen bis Franken: Der kulinarische Osten

Im mittleren Osten Deutschlands wird die regionale Küche schwerer: Thüringer Klöße, Rostbratwürste und Eisbein stehen hier auf dem Speiseplan. Als alte, schlesische Spezialität ist das „Schlesische Himmelreich“ bekannt. Mit Backobst zum Fleisch gibt es einen ganz besonderen Gaumenkitzel ab. Wer es lieber leichter möchte, greift zu „Leipziger Allerlei“ – ein traditionelles Gemüsegericht, das gerne als Beilage serviert wird.

Herzhaftes aus Franken und Ostbayern

 „Schäuferla“ ist vermutlich jedem ein Begriff, der einmal in Franken zu Gast war. Die regionale Spezialität – Schulterbraten vom Schwein – kommt traditionell mit Soße und Kloß. Etwas weniger bekannt dürften die „Blauen Zipfel“ aus Franken und der Oberpfalz sein. Das sind in Essigsud eingelegte Bratwürste.

Als wichtige kulinarische Spezialität gelten zudem die Nürnberger Rostbratwürste, typischerweise mit Kartoffelsalat. Ansonsten sind böhmisch geprägte Gerichte mit Kartoffeln, Pilzen und Wild im nordöstlichen Bayern verbreitet.

Attraktiv ohne Fleisch: Leipziger Allerlei

Für das traditionelle „Leipziger Allerlei“ gibt es verschiedene Rezepte. Eine fleischlose Variante – sofern ohne Fleischbrühe gekocht – lässt sich einfach zubereiten. Als Hauptgericht für etwa 2 bis 3 Portionen werden folgende Zutaten benötigt:

  • 150 g grüne Bohnen
  • 200 g gewürfelte Mohrrüben
  • 200 g grüne Erbsen
  • 200 g Spargel in Stücken
  • 150 g Morcheln oder Champignons
  • 100 g Blumenkohlröschen
  • 80 g Butter
  • 25 g Mehl
  • ¼ Liter Gemüsebrühe
  • 3 EL süße Sahne
  • Salz und Pfeffer

Pilze klein schneiden und in der Hälfte der Butter dünsten. Dann jedes Gemüse einzeln in Salzwasser kochen, herausnehmen und abtropfen lassen. Mit dem Rest der Butter und dem Mehl eine Mehlschwitze zubereiten und unter Rühren mit der Brühe ablöschen. Nach Geschmack mit Sahne und Kochwasser von zuvor auffüllen. Zuletzt mit Gemüse und Pilzen kurz zu einer sämigen Soße einkochen.

Thüringer Klöße
Thüringer Klöße sind ein Klassiker der regionalen deutschen Küche

Schmackhafter Süden: Von Schupfnudeln bis Leberkaas

Zu den bekanntesten deutschen Gerichten gehört die Weißwurst mit Brezel und süßem Senf. Nicht zuletzt durch die Wies‘n erlangte die südbayerische Brotzeit weltweite Berühmtheit. Bei den Bayern selbst fast beliebter ist allerdings der Leberkäse: Als deftige Zwischenmahlzeit wird er warm und kalt, mit Senf auf Brötchen oder mit Spiegelei serviert.

Daneben ist die Küche Ober- und Niederbayerns von Knödelgerichten und Mehlspeisen geprägt, genauso erfreuen sich Schupfnudeln im gesamten deutschen Süden großer Beliebtheit. Eine typische Vor- oder Hauptspeise der traditionellen regionalen Küche ist außerdem die Leberknödelsuppe.

Gaumenschmaus aus dem Südwesten

Obligatorische Traditionsmahlzeit aus dem schwäbischen Raum sind die Spätzle. Ob als Käsespätzle mit Röstzwiebeln oder in der Kombination mit Linsen – die typisch süddeutschen Teigwaren lassen sich vielseitig einsetzen. Außerdem sind Maultaschen in verschiedensten Varianten aus Schwaben bekannt.

Im südwestlichen Saarland, der Pfalz und Baden hat der Flammkuchen seinen Ursprung. Mit und ohne Fleisch kommt der knackige Snack als regionale Spezialität international gut an. Wer den Mut hat, kann auch eine badische Schneckensuppe probieren.

Flammkuchen: Schnell, simpel und für jeden Geschmack

Der traditionelle Elsässer Flammkuchen ist mit Zwiebeln und Speck belegt. Es gibt jedoch auch vegetarische und vegane Varianten, die dem Original in nichts nachstehen. Für ein schnelles Grundrezept ohne Hefe werden gebraucht:

  • 250 g Mehl (weiß)
  • ¼ Liter Wasser
  • 2 EL Öl
  • 1 Prise Salz

Heizen Sie den Backofen auf 250 Grad vor. Dann die Zutaten zu einem Teig kneten und auf einem gefetteten Blech so dünn wie möglich ausrollen. Je nach Variante nun

  1. mit einer Mischung aus gesalzenem Schmand und Creme double bestreichen und darauf Speck und Zwiebelringe verteilen oder
  2. stattdessen mit Ziegenweichkäse und Rosmarin belegen und gleich nach dem Backen mit flüssigem Honig beträufeln oder
  3. mit Hefeflocken und Gemüse belegen.

Nach persönlichem Gusto sind natürlich weitere Variationen denkbar, die viel Raum für Kreativität lassen.

Deutsche Gerichte Flammkuchen
Der Flammkuchen ist ein typisch deutsches Gericht aus dem Südwesten

Von Grünkohl und Sauerbraten – die Küche des Westens

Der rheinische Sauerbraten ist ebenfalls weit oben auf der Liste typisch deutscher Gerichte einzuordnen. Auch Muscheln weist die traditionelle regionale Küche des Rheinlands auf – und das simple, aber ungewöhnliche Rezept „Himmel un Ääd“. Es besteht aus Kartoffeln – für die Erde oder „Ääd“ – und geriebenen Äpfeln – für den „Himmel“. Seit dem 18. Jahrhundert bekannt, wird das Gericht heute meist mit Blutwurst serviert.

Auch Handkäse mit Musik im hessischen Raum und Löwenzahnsalat im Saarland sind typische lokale Leckereien des Westens. Als Besonderheit der Pfälzer Cuisine hat Helmut Kohl außerdem den Saumagen bekannt gemacht, der unter anderem mit Kartoffeln, Schinken und Bratwurst befüllt wird.

Ungewöhnliches aus dem Nordwesten

Bremer Knipp und Grünkohl mit Pinkel sind ebenfalls traditionelle, regionale deutsche Gerichte. Als typisches Winteressen liefert Grünkohl Energie für die kalten Tage. Die dazu servierte Pinkelwurst besteht aus Schweinefleisch, Speck und Hafergrütze.

Wenig appetitlich ist der Anblick des Bremer Knipps, auch „Hackgrütze“ genannt. Hierbei handelt es sich um Haschee, das aus Schlachtresten zubereitet ist. Lange Zeit ein Arme-Leute-Essen, darf der Knipp heute auf keiner Speisekarte der örtlichen Traditionslokale fehlen. Auch der sogenannte „Hasenpfeffer“, ein Ragout aus Hasenklein, ist im Nordwesten verbreitet.

Einfach und effektiv: „Himmel un Ääd“

Die alte rheinische Spezialität „Himmel un Ääd“ ist denkbar schnell und einfach zubereitet. In der typisch Kölschen Version wird folgendes benötigt:

  • 3 Scheiben Blutwurst (ca. 150 g)
  • 3 Äpfel, klein gewürfelt
  • 100 g Kartoffeln, gekocht
  • 30 ml Milch
  • 30 ml Sahne
  • 2 EL Kalbs- oder Rinderfond
  • Eine Handvoll Röstzwiebeln
  • Salz, Pfeffer und Muskat

Zunächst müssen die Kartoffeln durch eine Presse ge- bzw. mit einer Gabel zerdrückt werden. Dann Milch und Sahne aufkochen und die Kartoffelmasse einrühren, mit Gewürzen abschmecken.

Äpfel in etwas Butter oder Öl anbraten. Die Blutwurst mit etwas Mehl bestäuben und kross braten. Äpfel und Kartoffelbrei auf einen Teller geben und die Blutwurst dazu drapieren. Kalbs- oder Rinderfond als Soße darüber geben und mit Röstzwiebeln garnieren.

Deutsche Gerichte Sauerbraten
Ein typisch deutsches Gericht ist auch der Sauerbraten aus dem Rheingebiet

So vielseitig is(s)t Deutschland

Von Currywurst bis Bremer Knipp, von Saumagen bis Schneckensuppe: Weitab von international als „typisch deutsch“ bekannten Gerichten bietet die traditionelle deutsche Kochkunst vieles mehr. Auch wenn die regionale Cuisine eher fleischlastig ist, finden sich auch vegetarische und vegane Optionen unter den typisch deutschen Spezialitäten.

Wer sich kulinarisch ausprobieren möchte, muss dazu also nicht allzu weit reisen. Um sich einmal quer durch die nationale Küche zu essen, braucht es allerdings viel Hunger. Bei diesem Geschmacksreichtum ist sicherlich ein neues Gericht für jeden Tag des Jahres drin!