Artikel • 25.4.2020

E-Mobilität: Meine Oma fährt im Hühnerstall…Elektroroller

Nachhaltigkeit im Verkehr

E-Mobilität: Meine Oma fährt im Hühnerstall…Elektroroller

E-Mobilität ist in aller Munde. Während häufig über Elektroautos und Nachhaltigkeit im öffentlichen Verkehr diskutiert wird, entbrannt selten eine Diskussion über Motorräder. Obwohl hier Umweltbewusstsein auf Fahrgefühl und -spaß trifft. Dabei ist ein E-Roller nicht nur umweltschonend, sondern langfristig auch günstiger. Und den Fahrspaß gibt es gratis dazu.

E-Mobilität trifft auf Motorrad

Elektromobilität meint ganz allgemein das Nutzen von Elektrofahrzeugen. Das geht von Elektroautos über Straßenbahnen und Elektro-Bussen bis hin zu E-Rädern und eben Elektroroller. All diesen ist gemein, dass sie wiederaufladbare Batterien verwenden. Aus volkswirtschaftlicher und ökologischer Sicht sind Elektrofahrzeuge hinsichtlich Abgas-Emissionen Verbrennerfahrzeugen vorzuziehen.

Die ersten E-Roller gab es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Für die E-Mobilität spielten sie zunächst keine Rolle. Das Thema war schlichtweg zu unwichtig. Mit dem zunehmenden Umweltbewusstsein der Menschen werden Elektromotorroller aber immer beliebter. Dies liegt auch daran, dass Motorräder häufig als laute Drecksschleudern gelten. E-Roller haben den Vorteil, dass sie leise sind und während der Fahrt keine Emissionen erzeugen.

Zwar sind Elektro-Roller noch Exoten auf Deutschlands Straßen: Lediglich 0,2 Prozent aller Motorrädern sind E-Roller. Dies sind aber immer noch mehr als E-Autos. Von allen in Deutschland zugelassenen Autos sind nur 0,07 Prozent Elektroautos. Bei beiden geht die Kurve allerdings nach oben, was nicht zuletzt an der staatlichen Förderung liegt. Bei E-Motorrädern liegt diese bei 500 Euro. Je nach Gebiet kann die Förderung aber auch variieren. In München etwa wird der Kauf eines Elektroleichtfahrzeuges mit bis zu maximal 1000 Euro unterstützt.

E-Roller-Kauf schwarz und türkis

Aufladen statt tanken für die Verkehrswende

Ein Elektroroller benötigt Energie. Diese bekommt er nicht aus Kraftstoffen, sondern aus der Steckdose. Das Aufladen eines E-Rollers ist so simpel wie das Aufladen des Smartphones. Es gibt zwei Ladevarianten, um ihn aufzuladen:

  • Einige E-Roller Modelle haben einen tragbaren Akku unter der Sitzbank, damit die Batterie entnommen und zuhause im Wohnzimmer aufgeladen werden kann.
  • Bei anderen Modellen ist der Akku fest verbaut und das ganze Motorrad muss an die Steckdose angeschlossen werden.

Unabhängig davon läuft das Aufladen aber immer gleich ab:

Schritt 1: Stromzufuhr des Elektro-Roller abschalten – evtl. Akku entnehmen

Schritt 2: Ladekabel mit Netzteil mit der Ladebuchse des E-Rollers verbinden bzw. mit jener des Akkus

Schritt 3: Aufladekabel in eine handelsübliche Steckdose stecken

Schritt 4: E-Roller bzw. Akku aufladen und Ladestatus beachten

Schritt 5: E-Roller bzw. Akku vom Strom trennen und gegebenenfalls Akku wieder anbringen

So einfach und schnell wird der E-Roller zu Hause aufgeladen. Besitzt der E-Roller keinen entnehmbaren Akku ist hoffentlich eine Garage, um da seine Roller aufzuladen. Ansonsten muss das Motorrad entweder in die Wohnung, oder es lohnt sich einen Roller mit tragbaren Akku zu kaufen. Darüber hinaus gibt es überall in Deutschland öffentliche Ladestationen, an denen der Akku wieder aufgeladen werden kann.

Tipp: Wer sich darum sorgt, unterwegs auf der Strecke zu bleiben, kann auf E-Roller mit einem zusätzlichen USB-Port zurückgreifen. Über diesen Port kann eine Powerbank angeschlossen werden, damit der Roller mit ausreichend Strom versorgt wird. Ein solches Modell ist beispielsweise der „Motorino Elettrico“ der italienischen ME Group.

Unbezwinglich ist, wer warten kann – So lange dauert die Aufladung des Akkus

Je nach Modell dauert die Aufladung zwischen drei und acht Stunden. Durchschnittlich ist jeder Akku für etwa 1000 Ladezyklen ausgelegt. Es hält sich seit den Anfängen des Handys hartnäckig das Gerücht, dass ein Akku immer erst komplett entladen sein muss, bevor er wieder neu aufgeladen werden kann. Einen solchen Memory-Effekt gibt es bei modernen Akkus nicht mehr. Oft sind nach zwei Stunden bereits 80 Prozent des Akkus geladen und der Roller kann wieder für kleine Strecken genutzt werden. Mit einem Schnellladegerät oder einer 380-Volt-Steckdose kann die Ladezeit deutlich verkürzt werden.

Keep rollin‘, rollin‘,rollin‘,rollin‘ – In der Nähe das Weite suchen

Je nach E-Roller variiert die Distanz, die zurückgelegt werden kann. Einflussfaktoren sind nicht nur die Akkus und die Geschwindigkeit, sondern auch die Steigung, wie häufig gebremst wird und vieles mehr. Wer also häufig auf Autobahnen oder in den Bergen unterwegs ist kommt nicht in den Genuss der maximalen Laufzeit .

Wer gerne längere Strecken mit seinem Elektro-Roller fahren möchte, der muss auf einen hohen Amperestunden-Wert achten. Dieser gibt an, wie viel Kapazität der Akku hat und ermöglicht eine ungefähre Bestimmung der Laufzeit.

Beispiel 1: Das beliebte Elektromotorrad von BMW

Einer der beliebtesten Elektromotorräder in Deutschland ist das „C-Evolution“-Modell von BMW. Die Herstellerangaben geben zur Reichweite maximal 160 Kilometer an. Von Berlin wäre Magdeburg also durchaus erreichbar. Aber auch hier gilt, dass die Angaben nur theoretischer Natur sind, da äußere Bedingungen sowie der eigene Fahrstil Einfluss auf die Reichweite haben.  

Im städtischen Gebiet schafft der E-Roller von BMW realistischerweise etwa rund 120 Kilometer. Der Grund ist derselbe wie bei der Zero SR/S: die „Stop-and-go“-Phasen im städtischen Verkehr reduzieren die Reichweite doch recht deutlich. Beim C-Evolution um rund ein Viertel. Bei engen und kurvenreichen Straßen schafft dieser Elektroroller nur rund 80 Kilometer. Die Topografie ist für die Reduzierung der Reichweite verantwortlich.

Beispiel 2: E-Motorroller von Zero Motorcycles mit hoher Reichweite

Das Zero SR/S-Modell des amerikanischen Herstellers Zero Motorcycles kann maximal 320 Kilometer (mit Power Tank) zurücklegen. Die Strecke zwischen Berlin und Hamburg wäre als problemlos zu meistern. Die Herstellerangaben zur Reichweite gelten allerdings nur in der Theorie, denn unter realen Bedingungen hält der Akku durch Steigungen der Straße oder Wettereinflüsse meist wesentlich kürzer.

Der Hersteller gibt deshalb an, dass sein E-Roller in der Stadt etwa 259 Kilometer schafft, bevor das Akku den Geist aufgibt. Die „Stop-and-go“-Fahrweise in der Stadt ist hier der wesentliche Einflussfaktor auf die Akku-Leistung. Auf der Autobahn wiederum spielt die Geschwindigkeit die entscheidende Rolle, wie lange der Akku hält: bei einer gleichmäßigen Geschwindigkeit von 89 km/h können 159 Kilometer bewältigt werden. Mit einer Geschwindigkeit von 113 km/h reduziert sich die Strecke auf 132 Kilometer.

E-Mobilität Zero SR/S

Wer sacht fährt, kommt auch an – So schnell können E-Roller sein

Die Höchstgeschwindigkeit eines E-Rollers hängt naturgemäß vom Modell ab. Einfache Elektroroller, die der Forca Sport 5002210 Grace erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Im innerstädtischen Bereich ist dies mehr als ausreichend.

Jedoch sind viele Motorrad-Fans gerne außerhalb von Städten unterwegs, etwa auf Land- oder Bergstraßen. Hierbei geht es nicht immer um die Geschwindigkeit, denn Erlebnis und das Gefühl der Freiheit spielen genauso eine Rolle. Aber trotzdem gehören die möglichen km/h zu den Kauffaktoren bei Motorrädern. Deshalb ist es gut zu wissen, dass es bei E-Rollern nach oben hin kaum Grenzen gibt.

Um bei den vorherigen Beispielen bei der Reichweite zu bleiben: das SR/S-Modell von Zero Motorcycles erreicht Höchstgeschwindigkeiten von 200 km/h. In der Regel wird diese Geschwindigkeit wohl nicht erreicht werden, aber dies zeigt, dass E-Roller auch schnell sein können. Das C-Evolution von BMW ist vergleichsweise deutlich langsamer und kommt auf maximal 129 km/h.

Warum Elektroroller für die E-Mobilität wichtig sind

Elektroroller sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg, das gesamte Verkehrswesen nachhaltiger zu gestalten. Die folgenden Aspekte stehen besonders im Fokus:

1. Akku Technologie

Statt fossile Brennstoffe zu verbrennen, fahren Elektroroller mit Akkus. Moderne Lithium-Ionen-Akkus haben eine sehr lange Lebensdauer von bis zu 1000 Ladezyklen, bevor sie ausgetauscht werden müssen.

2. CO2-Bilanz

E-Motoren haben eine wesentlich besser CO2-Bilanz als Verbrennungsmotoren. Ein direkter Vergleich ist allerdings schwer möglich, da zum Beispiel Elektromotorräder beim Fahren kein CO2 ausstoßen. Dies kann umgangen werden, wenn berücksichtigt wird, woher der Strom für das Aufladen des Akkus kommt. Wird der Strom ausschließlich aus Kohle bezogen, stoßt ein E-Roller etwa 36 Gramm CO2/Kilometer aus. Kommt der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie, verbraucht ein E-Roller sogar null Gramm CO2.

Ein 50 ccm-Benzinroller wiederum hat einen CO2-Ausstoß von etwa 65 Gramm pro Kilometer. Also in jedem Fall deutlich mehr als ein E-Roller, egal woher der Strom für die Akku-Aufladung kommt.

3. Rückgewinnung der Bremsenergie (Rekuperation)

Bei dem Prinzip der Rekuperation wird die Energie, die beim Bremsen aufgebracht wird, teilweise wieder zurück in die Batterie eingespeist. Dadurch wird langfristig Energie gespart. Bei einigen Elektrorollern ist die sogenannte Rekuperation bereits integriert.

4. E-Roller-Sharing

Mittlerweile gibt es in vielen großen Städten wie Berlin, Hamburg, München, Wien, Düsseldorf und Stuttgart E-Roller-Sharing-Dienste. Dadurch wird der Umweltgedanke noch stärker betont und es entwickelt sich ein Bewusstsein dafür. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr E-Mobilität.

Welche Vor- und Nachteile haben E-Roller?

Das Thema der E-Mobilität muss dennoch konsequent gedacht werden. Woher stammt zum Beispiel die Energie, die für die Aufladung des Akkus benötigt wird? Wird sie in Kohlekraftwerken gewonnen, dann schrumpfen die Vorteile der E-Roller aus der Umweltperspektive wieder, auch wenn die Umweltbilanz dann immer noch besser ist als jene von Verbrennungsmotoren. Es ist daher das Ziel, die Energie zur Aufladung aus regenerativen Quellen zu gewinnen und den E-Roller mit Ökostrom zu laden.

Wer ein Motorrad kaufen möchte, steht inzwischen häufig vor der Frage: will ich ein Elektromotorrad oder doch lieber ein Motorrad mit Verbrennungsmotor? Die nachfolgende Übersicht der Vor- und Nachteile von E-Rollern hilft bei der Entscheidungsfindung:

Vorteile von E-Rollern

  • Nahezu geräuschloses Fahren
  • Keine stinkenden Abgase
  • Schnelle Anfahrt aus dem Stand
  • Problemloses Aufladen in der Steckdose
  • Günstiger Unterhalt
  • Wartungsarmer Motor
  • Umweltfreundlich

Nachteile von E-Rollern

  • Vergleichsweise lange Ladezeiten
  • Teilweise geringe Reichweite
  • E-Roller sind meist teurer als ein herkömmlicher Roller
Roter E-Roller

Roller für mehr E-Mobilität

Der Kauf eines Elektro-Rollers lohnt sich für alle, die im Alltag bislang kurze Wege mit dem Auto oder einem Motorrad mit Verbrennungsmotor zurückgelegt haben. Der Strom kostet im Vergleich zum Benzin nur einen Bruchteil und hinsichtlich der E-Mobilität wird ein großer Schritt in die richtige Richtung genommen. Der größte Nachteil sind die höheren Anschaffungskosten. Außer Frage steht jedoch, dass E-Roller in den nächsten Jahren keine Exoten mehr auf den deutschen Straßen sein werden. Die Stadtbewohner und die Umwelt werden sich freuen.

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