Artikel • 17.12.2019

Hunde im Büro: so gelingt das Projekt „Bürohund“

Kollegen auf vier Pfoten

Hunde im Büro: so gelingt das Projekt „Bürohund“

Studien haben bereits mehrmals belegt, dass Hunde im Büro eine positive Auswirkung auf das Arbeitsklima und das Wohlbefinden der Menschen haben. So hat zum Beispiel der Bundesverband Bürohund e.V. im Mai 2019 eine umfassende Befragung durchgeführt und die Ergebnisse im Bürohund-Index zusammengefasst. Auch diese Ergebnisse bestätigen die vielen Vorteile eines Hundes am Arbeitsplatz.

Doch ist es einfach so erlaubt, den eigenen Hund zur Arbeit mitzunehmen? Muss der Arbeitgeber zustimmen und wenn ja, warum sollte er das? Welche positiven Auswirkungen sind es überhaupt, die ein Bürohund mit sich bringt und gibt es auch Nachteile? Und was sagt eigentlich das Gesetz zur Hundehaltung im Büro? Wir beantworten diese Fragen und zeigen, wie Arbeitgeber davon überzeugt werden können, einen Hund am Arbeitsplatz zu erlauben.

Was sagt der Gesetzgeber über Hunde im Büro?

Der Gesetzgeber hat zum Thema „Hunde im Büro“ eine klare Regelung formulier. Wenn ein Hund zur Arbeit mitgenommen werden möchte, dann ist eine vorherige Zustimmung des Arbeitgebers zwingend erforderlich. § 106 der Gewerbeordnung sagt zum Weisungsrecht des Arbeitgebers das Folgende:

Der Arbeitgeber kann Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmen, soweit diese Arbeitsbedingungen nicht durch den Arbeitsvertrag, Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung, eines anwendbaren Tarifvertrages oder gesetzliche Vorschriften festgelegt sind. Dies gilt auch hinsichtlich der Ordnung und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb. Bei der Ausübung des Ermessens hat der Arbeitgeber auch auf Behinderungen des Arbeitnehmers Rücksicht zu nehmen.

Wird ein Hund ohne vorherige Erlaubnis des Arbeitgebers ins Büro mitgenommen, dann droht eine Abmahnung – und in Wiederholungsfällen ist sogar eine Kündigung möglich. Eine Ausnahme stellen dabei Assistenzhunde dar, die für das Verrichten der Arbeit unverzichtbar sind.

Gut zu wissen: Hat der Arbeitgeber bereits einem anderen Mitarbeiter die Mitnahme eines Hundes erlaubt, kann die Mitnahme des eigenen Hundes eingefordert werden. In diesem Fall gilt das Gleichbehandlungsgesetz als Argumentationshilfe.

Hund im Büro

Welche Argumente sprechen für Bürohunde?

So viel zu der Gesetzeslage – kommen wir zum Abwägen der Pro- und Contra-Punkte beim Hund am Arbeitsplatz. Aus dem bereits erwähnten Bürohunde-Index geht unter anderem hervor, dass mehr als 90 Prozent der Befragten durch die Anwesenheit eines Bürohundes eine Verbesserung des Arbeitsklimas und eine Steigerung der persönlichen Work-Life-Balance erleben. Auch andere Befragungen und Studien haben gezeigt, dass sich Menschen, die ihren Arbeitsalltag mit einem Vierbeiner teilen, sich deutlich weniger gestresst fühlen und sich bei der Arbeit besser konzentrieren können.

Gut für die Gesundheit

Viele der positiven Auswirkungen liegen dabei am Hormon mit dem Namen Oxytocin. Dieses „Kuschelhormon“ wird unter anderem ausgeschüttet, wenn wir mit Tieren interagieren. Oxytocin wirkt nachweislich blutdrucksenkend, sorgt dafür, dass das Herz langsamer schlägt und ist beim Abbau des Stresshormons Cortisol behilflich. Damit sind Hunde im Büro auch noch gut für die Gesundheit.

Einen weiteren positiven Gesundheitsaspekt haben Hundebesitzer den regelmäßigen Spaziergängen an der frischen Luft zu verdanken. Menschen, die bei der Arbeit immer mal wieder nach draußen gehen und sich damit auch regelmäßig bewegen, leiden seltener am Burnout, haben weniger Fehltage und ein geringeres Risiko, eine psychische Erkrankung zu bekommen.

Gut für das Arbeitsklima

Die Anwesenheit eines Hundes im Büro hat schon manch ein Wunder bewirkt. Menschen, die sonst zurückhaltend und am liebsten für sich allein sind, entwickeln sich plötzlich zu geselligen Mitarbeitern, die wie ausgewechselt scheinen. Ein Hund verbindet und bringt Abwechslung in den Arbeitsalltag.

Gut für die Motivation

Wer denkt, dass ein Hund am Arbeitsplatz ablenkt und dafür sorgt, dass Mitarbeiter weniger produktiv sind, irrt gewaltig. Mehr als einmal haben Studien gezeigt, dass sich Arbeitnehmer, die einige Zeit mit einem Hund verbracht haben, allesamt einen deutlichen Energieanstieg spürten und produktiver waren. Auch der Bundesverband für Bürohunde konnte dies bei seinen Untersuchungen bestätigen.

Gut für die Unternehmensbindung

Der Bürohunde-Index 2019 sagt weiterhin aus, dass Arbeitnehmer, deren Vorgesetzte Hunde im Büro erlauben, seltener darüber nachdenken, den Arbeitsplatz zu wechseln. Ein Arbeitgeber, dem die Loyalität seiner Mitarbeiter wichtig ist, sollte also ernsthaft darüber nachdenken, Bürohunde zu erlauben.  

Hund im Büro

Was spricht gegen einen Hund am Arbeitsplatz?

Aber auch beim Thema „Hund am Arbeitsplatz“ gibt es zwei Seiten der Medaille. Wenn im Büro jemand allergisch auf Hundehaare reagiert oder schlicht Angst vor Hunden hat, dürfte ein Hund nicht unbedingt fördernd für eine gute Arbeitsatmosphäre sein. Jedoch können finden sich in dem Fall Lösungen:

  • Büroflächen ohne Teppich: Hundehaare sind leichter auf Parkett und C0. zu entfernen und Allergiker-freundlich.
  • Mitarbeiter und Hund weit voneinander entfernt platzieren – natürlich mit vorheriger Absprache und nicht als Bestrafung oder Benachteiligung des Mitarbeiters.

Wenn Kunden ins Büro kommen, kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich diese in der Gegenwart eines Hundes wohl fühlen. Deswegen sollte vorab immer gefragt werden und gegebenenfalls Hund nicht mit in Meetings nehmen und Kontakte zwischen Zwei- und Vierbeiner vermeiden.

Und natürlich wird ein schlecht erzogener Hund, der tatsächlich die Arbeit stört, über Kurz oder Lang für schlechte Stimmung sorgen. Deswegen ist eine gute Erziehung das A und O, sowie Vorsorgemaßnahmen für den Hund. Was dafür benötigt wird und zu beachten ist, erklären wir weiter unten.

Das müssen Hundebesitzer im Büro beachten

Damit beim Projekt „Bürohund“ auch gar nichts schief gehen kann, sollten nicht nur die Vorgesetzten, sondern bestmöglich alle Mitarbeiter nach ihrer Meinung gefragt werden. Sie sollten alle einverstanden sein, denn auch sie werden ihren Arbeitstag mit dem Hund verbringen.

Bei all den bereits erwähnten positiven Punkten, darf die Erziehung des eigenen Vierbeiners natürlich nicht außer Acht gelassen werden. Beim Arbeitgeber dürfte ein sogenannter Hundeführerschein gut ankommen. Dabei handelt es sich um einen Befähigungsnachweis für den Hundehalter, dem eine Gehorsamkeitsprüfung vorausgeht.

Selbstredend sollte der Hund keine Krankheiten oder Parasiten haben, die gefährlich für den Menschen sind. Dafür kann dem Vorgesetzten ein entsprechendes Attest eines Tierarztes vorgelegt werden. Die Arbeitszeiten sollten außerdem regelmäßige Spaziergänge mit dem Hund erlauben. Es ist nicht einfach, sich um einen Bürohund zu kümmern, wenn der Hundebesitzer zum Beispiel oft auf Außenterminen ist, bei denen der Hund nicht mitgenommen werden kann.

Diese Ausstattung brauchen Bürohunde

Nicht zuletzt muss auch an das Wohl des vierbeinigen Begleiters gedacht werden, wenn dieser mit ins Büro kommen soll. So ist es wichtig, dass der Hund einen festen Rückzugsort hat, an dem er ungestört sein kann. Mit einem Hundekissen oder einer weichen Decke kann dieser Rückzugsort für den Vierbeiner besonders gemütlich ausgestattet werden. Auch über einige, bestmöglich geräuscharme Spielsachen zur Ablenkung, wird sich der Hund freuen. Unverzichtbar sind außerdem Näpfe fürs Essen und Trinken.

Für die Rückzugsort solle ein ruhiger Platz gesucht werden, in dem der Hund geschützt ist und etwas vom Stress abgeschirmt – also zum Beispiel nicht direkt am Gang platzieren. Ist der Stresspegel nämlich dauerhaft hoch, können Hund krank werden. Deswegen sollten Kollegen darauf sensibilisiert werden, nicht immer zum Hund zu gehen, vor allem nicht wenn er schläft. Ist der Stresspegel nämlich dauerhaft hoch, können Hund krank werden. Werden aber alle Aspekte eingehalten, kann der Hund, die Besitzer und Kollegen einen wunderbaren Büroalltag führen.

Viel Erfolg beim Überzeugen!

Möchten Hundebesitzer ihren Hund mit ins Büro nehmen, kann mit diesen Argumenten das Gespräch mit dem Arbeitgeber gesucht werden. Aber vielleicht ist gar keine große Überredungskunst erforderlich. Nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch immer mehr Arbeitgeber entdecken die vielen Vorteile, die Hunde am Arbeitsplatz bringen. So wünschen zum Beispiel Unternehmen wie Amazon oder Google ausdrücklich, dass ihre Mitarbeiter Hunde ins Büro mitnehmen – und was Google kann, kann der eigene Chef sicherlich schon lange.

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