Artikel • 2.4.2020

Schluss mit Wegwerfen: Lebensmittelverschwendung vermeiden

Lebensmittel gehören nicht in die Tonne

Gegen Lebensmittelverschwendung: Gezielt einkaufen

Jedes Jahr wandern in Deutschland Millionen von Tonnen Nahrungsmittel in die Mülltonne. Lebensmittelverschwendung ist aber leider nicht nur hierzulande ein Problem, sondern in weiten Teilen der Welt. Die Food-Waste-Mentalität hat weitreichende negative Konsequenzen, die sich mit ein wenig Umdenken deutlich und nachhaltig minimieren lassen. Es wird längst Zeit, etwas gegen unnötigen Lebensmittelabfall zu unternehmen. Und das Gute: Jeder kann damit bei sich selbst beginnen. Denn es liegt an jedem Einzelnen, etwas zu ändern. Wir wollen nachfolgend zeigen, wie einfach es ist, der Verschwendung den Kampf anzusagen. 

Lebensmittelverschwendung in Zahlen: Ein Drittel landet im Müll

Jährlich werfen die Menschen in Deutschland rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll. Pro Kopf sind es rund 85 Kilogramm – so viel wie in zwei volle Einkaufswagen passen. Nimmt man die gesamte Menge des Lebensmittelabfalls, dann sind rund 480.000 Sattelschlepper notwendig, diese Menge zu transportieren. Jedes achte Nahrungsmittel landet bundesweit im Mülleimer. Weltweit ist es sogar ein Drittel aller produzierten Lebensmittel, das nicht in den Bauch, sondern in die Tonne wandert.

Zurück zu Deutschland. Von den 12 Millionen Tonnen Abfällen verursachen Privathaushalte mit 6,7 Millionen Tonnen etwa die Hälfte der jährlichen Lebensmittelabfälle. Genau hier kann jeder in seinem eigenen Haushalt ansetzen. Die Ausrede, einer alleine kann ohnehin nicht viel ausrichten, gilt deshalb nicht.

In den anderen Bereichen fällt weit weniger Lebensmittelverschwendung an: In der Industrie sind es etwa 1,9 Millionen Tonnen und im Handel etwas mehr als eine halbe Million Tonnen Lebensmittel, die weggeworfen werden.

Verschwendung bleibt nicht ohne Folgen

Die Verschwendung von Lebensmitteln wirkt sich auf vielfache Weise aus. So wird durch die Produktion der später weggeworfenen Nahrungsmittel die Umwelt auf unterschiedliche Weise belastet. Es entstehen Treibhausgase, es werden Millionen von Kubikmetern Wasser verbraucht und es werden Tausende Quadratkilometer landwirtschaftlicher Fläche unnötig genutzt.

Auf der anderen Seite leiden weltweit mehr als 800 Millionen Menschen an Hunger. Diese sind dann noch zusätzlich von der Überproduktion und der Lebensmittelverschwendung betroffen. So werden in vielen ärmeren Ländern die Lebensmittel angebaut, die dann in einkommensstärkeren Ländern exportiert werden. Zudem werden die Felder für Futtermittel genutzt. Für den Nahrungsanbau der in diesen Ländern lebenden Menschen bleibt dann nicht mehr allzu viel Platz.

Durch die Überproduktion steigt weiterhin die Nachfrage nach Rohstoffen wie Getreide. Dies hat zur Folge, dass die Preise für Grundnahrungsmittel immer weiter steigen. Dies trifft dann die armen Länder besonders stark.

Lebensmittelverschwendung muss nicht sein

9 Tipps für einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln

Es ist eigentlich gar nicht so schwer, weniger Lebensmittel zu verschwenden und die unschönen Auswirkungen zu reduzieren. Jeder kann im Alltag etwas tun, um möglichst wenig Bio-Abfälle zu produzieren. Es braucht nur einige kleine Änderungen im Verhalten und der eigenen Denkweise.

1. Den Hunger zu Hause lassen: Einkäufe planen

Der wohl effektivste Weg, Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken, ist es, nicht zu viel einzukaufen. Eine Einkaufsliste hilft, den Überblick beim Einkaufen zu behalten und Doppelkäufe zu vermeiden. Außerdem sollte niemand mit leerem Magen in den Supermarkt gehen. Wer hungrig ist, wird es schwer haben, den Einkaufswagen nicht mit Unnötigem vollzupacken.

2. Hilfe, ich sterbe. Nicht! Mindesthaltbarkeitsdatum verstehen

Viele Menschen neigen dazu, „Mindestens haltbar bis...“ mit „Absolut tödlich ab...“ zu verwechseln. Ist das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, können die meisten Lebensmittel noch tagelang verzehrt werden. Am besten auf die eigenen Sinne vertrauen und im Zweifelsfall ein klein wenig probieren. Der Geruchs- und Geschmackssinn sind weitaus bessere Berater als das Mindesthaltbarkeitsdatum.

3. Wo kommt das hin? Lebensmittel richtig im Kühlschrank verstauen

Wer die gekauften Lebensmittel richtig lagert, verlängert ihre Lebensdauer. Es lohnt sich, die unterschiedlichen Kältezonen im Kühlschrank zu kennen und unterschiedliche Lebensmittel getrennt voneinander aufzubewahren. Dabei gilt: Nach unten hin wird es immer kühler. Diese Lebensmittel kommen so in den Kühlschrank:

  • Gemüsefach (bis zu 10 Grad): Die meisten Gemüsesorten
  • Unteres Fach (ca. 2 Grad): Fisch, Fleisch (verarbeitet und frisch)
  • Mittleres Fach (ca. 4-5 Grad): sämtliche Milchprodukte (z.B. Käse, Joghurt usw.), Speisereste
  • Oberes Fach (ca. 8 Grad): Geöffnete Produkte, Eingemachtes
  • Tür (bis zu 15 Grad): Butter, Eier, Fertigsaucen, Marmelade

4. So schön und vielfältig ist unser Gemüse

Die Karotte im Supermarkt ist ein wenig krumm? Der Apfel nicht ganz so rund? Der Toast ein wenig gequetscht? Viele Menschen neigen dazu, ihre Lebensmittel nach dem Aussehen einzukaufen. Dadurch wandern nicht ganz so perfekte Nahrungsmittel unnötig in den Müll. Nur, weil etwas nicht der gängigen Norm entspricht, ist es noch lange nicht weniger schmackhaft oder bekömmlich. Also das nächste Mal auch die etwas weniger ansprechenden Lebensmittel in den Einkaufswagen packen und damit verhindern, dass sie im Müll landen.

Lebensmittelverschwendung vermeiden

5. Restaurant-Essen einpacken lassen

Wer regelmäßig in Restaurants speist, lädt den eigenen ökologischen Rucksack besonders voll. Rund zwei Millionen Tonnen Abfälle entstehen jährlich beim außer Haus Verzehr. Ein klein wenig leichter wird der Rucksack, wenn das Essen, das auf dem Teller bleibt, einfach eingepackt wird. So wird Müll vermieden und zu Hause wartet dann ein leckerer Nachschlag.

6. Kreativität zulassen: Lebensmittelreste clever verwerten

Aus übriggebliebenen Lebensmitteln lässt sich mit ein wenig Fantasie viel Neues kreieren. Aus Resten von Obst und Gemüse lassen sich wunderbar Salate oder Smoothies herstellen. Der Reis vom Vortag kann als Beilage für ein neues Gericht dienen. Das nicht mehr ganz so frische Brot lässt sich in Croutons verwandeln. Und wem die Ideen ausgehen, gibt es online viele weitere Anregungen.

7. Danke, Karotte! Nahrungsmittel wertschätzen lernen

Nahrungsmittel in den Supermärkten haben oft einen langen Weg hinter sich. Anbau, Produktion und Transport brauchen viel Zeit und Arbeitskraft. Wer sich darüber Gedanken macht, was es alles braucht, damit im Supermarkt die Regale voll sind, wird es sich zwei Mal überlegen, Essen wegzuwerfen.

8. Apps gegen Lebensmittelverschwendung nutzen

Ja, es gibt sie: Apps, die sich mit Lebensmittelverschwendung befassen und Möglichkeiten anbieten, Lebensmittelabfall zu reduzieren:

  • Too Good To Go: Diese kostenlose App zeigt an, welche Restaurants in der Umgebung sogenannte Resteboxen anbieten. Darin befinden sich überschüssige Lebensmittel, die Selbstabholer zum Bruchteil des regulären Preises bekommen.
  • Zu gut für die Tonne!: In dieser App werden Rezepte gesammelt, die allesamt auf bis zu drei Restezutaten ausgelegt sind. So lassen sich leckere und einfache Mahlzeiten aus Lebensmitteln zaubern, die sonst in der Mülltonne gelandet wären.  
  • Etepetete: Wer diese App benutzt, bekommt Obst und Gemüse, das nicht normkonform ist, direkt vom Bio-Bauern zugeschickt. Und das in der Regel zum Schnäppchenpreis.

9. Verschenken statt entsorgen

Sollten trotz all der vielen Tipps Lebensmittel übrig bleiben, dann müssen sie noch lange nicht in den Müll. Viel besser für die Umwelt ist es, übriggebliebene Nahrungsmittel Bedürftigen zukommen zu lassen. Initiativen wie „Foodsharing“ oder „Tafel“ sind gute Anlaufstellen für ein solches Vorhaben. Auch zahlreiche weitere Organisationen und Initiativen freuen sich über jede Essensspende.

Damit dürften wohl auch die letzten Lebensmittel vor dem Entsorgen gerettet sein. Wer als gutes Beispiel vorangeht, wird mit der Zeit immer mehr Nachahmer finden. Und wenn alle mitmachen, wird Lebensmittelverschwendung irgendwann nur noch ein Begriff aus den Geschichtsbüchern sein.

Ein Herz für Lebensmittel
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