Artikel • 13.6.2020

Kaffeegenuss: So einfach ist nachhaltige Geschmacksvielfalt

Über nachhaltige, schwarze Bohnen

Kaffeegenuss: Tasse umzingelt von Kaffeebohnen

Egal ob am Morgen oder am Nachmittag, ob mit Arabica oder Robusta Bohnen: mindestens eine Tasse Kaffee gehört für mehr als 80 Prozent der Deutschen zum Alltag. Doch Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Unterschiedliche Herkunftsländer und verschiedene Röstverfahren gestalten den Kaffeegenuss sowohl geschmacksintensiv als auch abwechslungsreich – und mit den richtigen Siegeln sogar nachhaltig.

Der Ursprung des Kaffees: Herkunft und Ernte

Kaffee zählt zu den immergrünen Pflanzen und benötigt ein ausgewogenes Klima, um wachsen zu können. Im Anbaugebiet darf es nicht kälter als 10 Grad, aber auch nicht wärmer als 30 Grad sein. Daher ist die Kaffeepflanze ausschließlich im sogenannten „Kaffeegürtel“ zu finden.

Dieser erstreckt sich rund um den Äquator und umfasst Länder wie Mexiko, Kolumbien, Uganda, Indien und Tansania. So vielfältig die Länder und die Kulturen sind, so facettenreich ist auch der Kaffeeanbau. Traditionelle Kaffeeverarbeitungsmethoden und unterschiedliche Klimabedingungen sind die Grundlage für den abwechslungsreichen Geschmack der Kaffeebohnen.

Von der Blüte zur Bohne

Der Ursprung der Kaffeebohne liegt in der weißen Blüte, die durch einsetzenden Regen aufblüht. Anschließend dauert es bis zu neun Monate, bis sich die roten, kirschähnlichen Früchte entwickeln. Im Inneren der Frucht befindet sich ein Samen, welcher später zur bekannten Kaffeebohne weiterbearbeitet wird. Die reifen Früchte müssen nun vom Strauch gesammelt werden. Das geschieht entweder händisch oder durch ein mechanisiertes Erntesystem.

Im nächsten Schritt trennen die Kaffeeproduzenten die Samen vom Rest der Frucht. Die noch rohen Bohnen landen anschließend in Jutesäcken und machen sich mit dem Schiff auf den Weg nach Europa oder Nordamerika. Hier findet dann der für den Geschmack entscheidendste Schritt statt: Die Kaffeeröstung.

Diese Veredelung des Rohkaffees sorgt dafür, dass die Bohne ihre bekannte braune Färbung erhält. Auch die Säure sowie das Aroma, das den Kaffeegenuss ausmacht, entsteht während des Röstverfahrens. Hier kristallisieren sich nun die verschiedenen Geschmacksprofile heraus, die das Kaffeetrinken so abwechslungsreich machen.

Kaffeegenuss auf Kaffeebohnen

Ökologische Herausforderungen der Kaffeeproduktion

Durch die speziellen Anbaubedingungen steht die Kaffeeproduktion in direkter Flächenkonkurrenz zum Regenwald. Die Plantagen verdrängen die natürlichen Wälder immer weiter und minimieren so die Artenvielfalt. Nach der intensiven Monokultur ist der Boden häufig ausgelaugt und kann nur noch für Weidevieh zum Einsatz kommen. Auch der Wasserverbrauch der konventionellen Kaffeeproduktion gerät immer wieder in die Kritik. Für die Herstellung von einem Kilo Röstkaffee fällt während der Produktion ein Wasserbedarf von rund 21.000 Liter an.

Um die Kaffeepflanze vor Schädlingen und Krankheiten zu schützen, kommen zudem häufig chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Diese gelangen ins Grundwasser und schaden auf diese Weise Mensch und Natur. Auch die weiten Transportwege tragen negativ zur Ökobilanz bei. Zusammengerechnet produziert jede Tasse Kaffee 50 bis 100 Gramm CO2.

Doch nicht nur die Natur, auch die Bauern der Produktionsländer erfahren durch den Kaffeeanbau eine Belastung. Denn diese erhalten pro Tasse nur etwa 5 Cent. Der Rest des Ertrags geht an Zwischenhändler, Röstereien und den Einzelhandel. Nur zertifiziert nachhaltiger Kaffee stellt sicher, dass Lohn und Sozialstandards fairer geregelt sind.

Siegel für nachhaltigen Kaffeegenuss

Daher lohnt sich ein Blick auf zertifizierten Kaffee. Die Siegel garantieren gewisse Mindeststandards im Hinblick auf die Nachhaltigkeit und die Einhaltung von sozialen Herstellungsbedingungen. Doch auch die Siegel unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Reichweite und ihres Engagements für nachhaltigen Kaffee. Zu den populärsten Zertifikaten zählen:

  • Bio: Das staatliche, sechseckige Biosiegel ist weit verbreitet. Es garantiert beispielsweise, dass keine synthetischen Spritzmittel zum Einsatz kommen. Noch strengere Biorichtlinien halten Produkte mit einem Naturland oder Bioland Siegel ein. Hier findet der Anbau in nachhaltigen Mischkulturen statt. Diese Anbauform schützt die Erhaltung der Biodiversität.
  • Fair Trade: Dieses Zertifikat setzt sich vor allem für faire Löhne für Bauern des globalen Südens ein. Die regionalen Anbauer haben zudem die Möglichkeit, sich in demokratischen Kooperativen zusammenzuschließen. Das ermöglicht es ihnen, ihre Interessen gegenüber großen Abnehmern besser durchzusetzen. Auch für Beratung und den Zugang zu Krediten setzt sich Fair Trade ein.
  • Rainforest Alliance: Die amerikanische Naturschutzorganisation ist an dem Frosch-Symbol zu erkennen. Ihr Ziel ist es, Ökosysteme wie den Regenwald zu erhalten. Zudem sollen die Produzenten Unabhängigkeit erlangen und durch eine Produktivitätssteigerung höhere Einkommen erhalten. Insbesondere Großkonzerne verwenden dieses Siegel häufig, da die Anforderungen an die Herstellung niedriger ausfallen als bei Fair Trade oder Bio Zertifikaten.

Durch bewusste Kaufentscheidungen tragen Konsumenten also dazu bei, den Kaffeeanbau nachhaltig zu gestalten. Vor allem Fair Trade oder strenge Bio Siegel setzten sich dafür ein, die Kaffeeproduktion in Einklang mit Mensch und Natur zu gestalten. Eine Wohltat für den eigenen Kaffeegenuss.

Purer Kaffeegenuss mit einem Espresso

Anbieter für nachhaltigen Kaffee

Ökologisch produzierten Kaffee gibt es mittlerweile nicht mehr nur in Bio-Läden, selbst Discounter haben zertifizierte Kaffeesorten im Angebot. Neben größeren Anbietern wie GEPA und Rapunzel gibt es auch immer mehr Start-Ups, die mit einer möglichst ökologischen Kaffeeproduktion überzeugen wollen.

Coffee Circle: Unterstützung für Entwicklungsprojekte vor Ort

Das Berliner Unternehmen Coffee Circle bietet nachhaltigen Kaffee aus Äthiopien an. Die Unternehmer verfolgen dabei das Direct Trade Konzept und kaufen die Kaffeebohnen direkt bei den Produzenten ein. Und das Engagement geht noch weiter: Pro verkauftem Kilo Kaffee investiert Coffee Circle einen Euro in soziale Projekte im globalen Süden. Welche Aktion genau unterstützt werden soll, entscheiden die Kunden bei jeder Bestellung selbst. So geht Kaffeegenuss mit gutem Gewissen!

Moema: Von der Ernte bis zur Verpackung in nur einem Land

Auch der Anbieter Moema hat seinen Firmensitz in Berlin und setzt auf das Direct Trade Konzept. Moema setzt allerdings auf die Produktion in nur einem einzigen Land. Dadurch werden lange Transportwege gespart und zusätzliche Arbeitsplätze im globalen Süden geschaffen. Neben dem Anbau finden also auch die Röstung und Verpackung direkt in Brasilien statt.

Green Cup Coffee: Qualitätskaffee aus nachhaltigem Anbau

Das oberbayrische Unternehmen Green Cup Coffee will die Standards der Kaffeewirtschaft hinterfragen und herausfordern. Dazu setzen sie auf faire Arbeitsverhältnisse und einen natürlichen Anbau ohne Chemikalien und Pflanzenschutzmittel. Auch der Kaffeegenuss steht bei Green Cup Coffee im Mittelpunkt. Deshalb findet die Röstung traditionell in einem schonenden Trommelröster statt.

Besonders lecker: Ein Cappuccino

Kaffeegenuss: Nachhaltig lecker

Von der Blüte bis zur gerösteten Bohne ist es ein langer Weg. Um diesen möglichst nachhaltig zu gestalten, gibt es zahlreiche Siegel, welche die Anbaubedingungen kontrollieren. Neben großen Unternehmen spezialisieren sich immer mehr kleinere Anbieter auf den ökologischen Kaffeegenuss. Dabei ist das Endprodukt zwar häufig etwas teurer, dafür profitieren sowohl Bauern als auch das Ökosystem vom fairen Kaffeetrinken. Zudem können die alternativen Bohnen locker mit dem klassischen Kaffeegenuss mithalten. Ein Grund mehr, sich Fair Trade und Bio-Kaffee einmal genauer anzusehen!

Weitere interessante Artikel