Artikel • 18.4.2020

Nachhaltiger Kakao: Sich freiwillig durch den Kakao ziehen lassen

Ursprung, Aspekte und Anbieter der braunen Bohne

Nachhaltiger Kakao Bohne

Sie gehört zu den beliebtesten Bohnen überhaupt: die Kakaobohne. Ob als Pulver, Butter oder zu Schokolade weiterverarbeitet ist Kakao vielfältig einsetzbar. Konsumaffine und -kritische Menschen legen zunehmend Wert auf die Aspekte Umwelt und Soziales, Stichwort Nachhaltigkeit. In der Regel schneidet hier Kakao nicht besonders gut ab. Allerdings gibt es im Kakaoanbau ein Umdenken und nachhaltiger Kakao ist kein Fremdwort mehr. Woher Kakao kommt, welche Aspekte zu berücksichtigen sind und welche Anbieter von nachhaltigem Kakao es in Deutschland gibt, haben wir in diesem Artikel zusammengetragen.

Der Ursprung der Kakaobohne

Die braune Bohne ist eigentlich gar nicht braun. Bei der Ernte ist die Kakaobohne noch weiß. Erst durch die Fermentation und die Trocknung bekommt sie ihre typische Braunfärbung und ihr schokoladiges Aroma.

Angebaut wird das „braune Gold“, wie die Kakaobohne wahlweise genannt wird, hauptsächlich in Afrika. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wurden 2017 weltweit 5,2 Millionen Tonnen Kakaobohnen geerntet – davon allein in Afrika über 3,6 Millionen Tonnen bzw. 70 Prozent. Allen voran in der Elfenbeinküste, wo über zwei Millionen Tonnen Kakaobohnen angebaut und geerntet wurden. Auf dem zweiten Platz folgt Ghana mit fast 900.000 Tonnen.

Die jährliche Kakaobohnenernte nimmt Jahr für Jahr zu. Im Jahr 2010 wurden weltweit 4,3 Millionen Tonnen Kakao geerntet. 2004 wurde zum ersten Mal die vier Millionen Tonne-Marke überschritten. Die Tendenz zeigt also deutlich in eine Richtung: Wachstum, Wachstum, Wachstum. Dies hat Auswirkungen auf alle möglichen Bereiche, wie der Umwelt oder den sozialen Verhältnissen im Produktionsland. Dazu später mehr.

Von der Bohne in den Supermarkt

Während in den Produktionsländern die Kakaobohne geerntet, fermentiert und getrocknet wird, findet die Verarbeitung hauptsächlich in anderen Ländern statt. Über internationale Händler kommt die aus den Bohnen gewonnene Kakaomasse zu den Schokoladenproduzenten, die diese zu Kakaobutter und Kakaopulver weiterverarbeiten. Die drei größten Produzenten weltweit sitzen in der Schweiz (Barry Callebaut: verarbeiten ca. zwei Millionen Tonnen Kakao pro Jahr), in Indonesien (Olam: verarbeiten ca. 950.000 Tonnen Kakao pro Jahr) und den USA (Cargill: verarbeiten ca. 800.000 Tonnen Kakao pro Jahr). Diese drei Unternehmen verarbeiten knapp die Hälfte der weltweit geernteten Kakaobohnen.

Die Kakaobutter und das -pulver kommt anschließend von den Schokoladeproduzenten zu den Schokoladeherstellern. Auch diese sitzen größtenteils in Europa und den USA. Der größte Süßwarenhersteller ist Mars, gefolgt vom italienischen Schokoladenhersteller Ferrero und dem amerikanischen Unternehmen Mondelez. Die beiden großen Schweizer Schokoladenhersteller Nestlé und Lindt & Sprüngli rangieren auf den Plätzen sechs und sieben. Das größte deutsche Schoko-Unternehmen ist Storck und platzierte sich 2019 auf den 14. Rang.

Einzelhändler kaufen anschließend von den Produzenten deren hergestellte Produkte und verkaufen diese an den Endkunden weiter. Aber nicht nur die Kakaobohne hat eine außerordentliche Reise und Entwicklung hinter sich. Der Preis der Bohne hat sich ebenso entwickelt. Ersichtlich wird dies anhand des Endproduktes: an einer Tafel Schokolade. Davon ausgehend, dass diese einen Euro kostet, ergibt sich folgendes Bild:

  • der Kakaobauer erhält gerundet sieben Cent;
  • die staatlichen Behörden im Anbauland bekommen über Steuern rund vier Cent;
  • die Zwischenhändler bekommen zwei Cent;
  • die Schokoladenproduzenten erhalten gerundet acht Cent;
  • die Schokoladenhersteller erhalten rund 35 Cent;
  • das größte Stück der Torte bekommt der Einzelhandel mit etwa 44 Cent.
Geröstete Kakaobohnen

Kakao und die Umwelt: (Noch) Mangelhaft

Die Kakaobranche hat mit mehreren Herausforderungen gleichzeitig zu kämpfen: Ausbeutung, Kinderarbeit oder ein Anbau zulasten der Umwelt und Artenvielfalt sind die gravierendsten und zentralsten Probleme der Kakaoindustrie. Das ist die bittere Seite der Schokolade, an der gar nichts edel ist.

Kinderarbeit und Ausbeutung: Das läuft schief in der Kakaoindustrie

Immer noch werden Kinder beim Kakaoanbau als Arbeitskräfte eingesetzt, wo sie schwere körperliche Arbeiten verrichten müssen und so auch keine Zeit für den Schulbesuch haben. Und den Kakaobauern geht es nicht besser: über 80 Prozent der Kakaoplantagen werden von Kleinbauern bewirtschaftet und sind nicht größer als fünf Hektar. Meistens zu wenig für ein existenzsicherndes Einkommen – erst recht bei Ernteausfällen oder bei unsicheren Landrechten. Auch fehlt es häufig am Wissen über alternative Anbaumethoden, um den Ertrag zu erhöhen.

Katastrophale Umweltbilanz beim Kakaoanbau

Nicht besser sieht die Umweltbilanz aus: Jahr für Jahr müssen weite Teile des Regenwaldes in den Anbauregionen den Kakaoplantagen weichen. Selbst Naturschutzgebiete werden nicht verschont, um vor allem die amerikanischen und europäischen Märkte mit der braunen Bohne zu beliefern.

Nahhaltiger Kakao: Gegentrend, der sich sehen lässt

Trotz der negativen Aspekte geht es aber in die richtige Richtung. Bewusste Genießer wollen bestmöglich einen fair gehandelten und ökologisch erzeugten Kakao konsumieren. Eben einen nachhaltigen Kakao.

Von allen im Jahr 2019 in Deutschland verkauften Kakaoprodukten stammten 72 Prozent des Kakao aus einem nachhaltigen Anbau. 2011 waren es lediglich drei Prozent! Die Anbieterseite reagiert also auf den Konsumwandel. Der deutsche Schokoladenhersteller „Ritter Sport“ zum Beispiel setzt auf eigene Kakaoplantagen in Nicaragua – die Bauern werden also direkt vom deutschen Schokohersteller entlohnt und fortgebildet.

Nachhaltiger Kakao Anbau

Made in Germany: Für Schokolade aus nahhaltigen Kakao bitte hier lang

Insbesondere kleine Unternehmen haben sich auf Schokolade aus nachhaltig angebauten Kakao spezialisiert. In Deutschland gibt es verschiedene Anbieter.

CHOCQLATE: Bayrischer Genuss trifft auf nachhaltigen Kakao

Einen nachhaltigen sowie eigenen Weg geht das Unternehmen CHOCQLATE. Natürlich und rein ist das Credo des Münchner Unternehmens. Das Besondere: Seit 2016 hat CHOCQLATE mit Virgin Cacao aus Sri Lanka eine vollständig naturbelassene Kakaobohne im Angebot. Diese Bohnen werden direkt vom Bauern geerntet und getrocknet, ohne Fermentation, ohne Röstung. Diese werden vom Unternehmen anschließend in Schokolade, Snacks oder Riegel integriert. Außerdem im Angebot: Schokoladensets zum Selbermachen. Seit 2013 können Schoko-Fans ihrer Kreativität freien Lauf lassen und selbst zu Chocolatiers werden.

Alles beim Schokoladen-Unternehmen ist nachhaltig: es wird mit Solarenergie produziert, in der Produktion werden Behindertenwerkstätten integriert und statt Plastik wird Zellulose oder Kartonage als Verpackungsmaterial verwendet. Nicht zu vergessen das Endprodukt, die Schokoladen-Kreationen. Außerdem wird der Aufbau von Solarflächen auf sozialen Einrichtungen unterstützt. 

Cacao de Paz: Friedensmission im Namen der Kakaobohne

Ein Einzelunternehmer, der auf nahhaltigen Kakao setzt, ist Uwe Meier. Den Kakao seiner Marke Cacao de Paz (Friedenskakao) mit Sitz in Braunschweig holt er direkt bei Bauern in Kolumbien – gänzlich ohne Zwischenhändler. Dadurch will er erreichen, dass die Bauern faire Löhne bekommen und die biologische Vielfalt der kolumbianischen Provinz Caquetá gefördert wird. Die Kakaobauern sind ehemalige FARC-Kämpfer, die mit dem Kakaoanbau einen legalen Lebensunterhalt erwirtschaften.

GEPA: Fair bis zum letzten Stück

Der größte europäische Anbieter von fairer Schokolade ist GEPA. Das Unternehmen mit Sitz in Wuppertal verwendet für seine Milchschokoladen Milch aus Deutschland mit Naturland-Zertifizierung. Der Kakao wiederum kommt von Kleinbauern unter anderem aus Paraguay, Bolivien, Peru oder der Dominikanischen Republik.

GEPA, seit 1975 auf dem Markt, will Produzenten im Süden nachhaltig unterstützen, Konsumenten aufklären sowie ungerechte Welthandelsstrukturen verändern. Deshalb hat das Unternehmen auch „fair plus“ ins Leben gerufen, mit dem sie sich selbst härtere Regeln geben als es allgemeine Fair-Handelskriterien verlangen. So sind ihre Produkte 100 Prozent fair und das Unternehmen versucht wo es nur irgendwie geht, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, etwa durch das Versenden der Pakete mit DHL-GoGreen.

Daneben hat GEPA noch weitere Produkte aus nachhaltigem Anbau im Portfolio, etwa Kaffee oder Tee sowie Einrichtungsgegenstände oder Homewear.

Vivani: Nachhaltige Schokolade aus dem Sauerland

Seit dem Jahr 2000 produziert Vivani in Herford nachhaltige Schokolade. Und gehört heute zu den beliebtesten Bio-Schokoladen in Deutschland. In die Tafeln kommen ausschließlich Zutaten aus 100 Prozent kontrolliert biologischem Anbau. Da das Unternehmen, laut eigenen Aussagen, höhere Rohstoffpreise für Kakaobohnen und Rohrzucker ermöglicht, verbessert sich der Lebensstandard der Produzenten in den Anbauregionen.

Zwar sind auf den künstlerisch gestalteten Verpackungen keine Siegel zu finden. Allerdings engagiert sich Vivani mit dem „It’s one world – stop child slavery“-Zeichen für einen fairen Handel. Daneben unterstützt der Schokoladenhersteller Projekte gegen Kinderversklavung in Haiti.

Schokolade aus nachhaltigem Anbau

Nachhaltigen Kakao erkennen: Welche Gütesiegel gibt es?

Gütesiegel helfen Konsumenten bei der Kaufentscheidung. Drei große Siegel konkurrieren hierbei um die Gunst der Unternehmen. Allerdings lohnt es sich diese etwas genauer anzuschauen:

  • UTZ: die Stiftung mit Sitz in Amsterdam schreibt die nachhaltige Landwirtschaft groß auf seine Fahnen. Es ist das weltweit größte Zertifizierungsprogramm für Kakao, kann sein Versprechen aber nicht uneingeschränkt einlösen. Denn die Kriterien sind wenig anspruchsvoll und es gibt Lücken bei der Rückverfolgbarkeit der Produkte.
  • Fairtrade: mit diesem Siegel werden solche Produkte versehen, bei deren Herstellung soziale, teilweise auch ökologische Kriterien eingehalten wurden. Das Siegel selbst hat eine hohe Aussagekraft und Verbraucher können sich relativ sicher sein, dass Mindeststandards bei der Herstellung eingehalten wurden.
  • Rainforest Alliance: nachhaltige Landwirtschaft ist auch bei diesem Siegel das A und O. Mindestens 90 Prozent der Inhaltsbestandteile eines Produktes müssen den Rainforest Alliance-Standards entsprechen, um dieses Siegel zu bekommen. Allerdings sind diese Standards und die Kontrolle häufig unzureichend.

Kakaogenuss hat seinen Preis

Trotz dieser Gütesiegel kann nicht pauschal davon ausgegangen werden, dass die Kakao-Produkte tatsächlich aus nachhaltigem Anbau stammen und dass die Bauern fair entlohnt werden. Aber auch wenn der Weg hin zu 100 Prozent nachhaltigem Kakao noch andauert, ist festzuhalten, dass sich vieles in die richtige Richtung bewegt.

Nachhaltiger Kakao Schokolade
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