Artikel • 28.1.2020

Ökobanken und ihr Konzept: Das steckt hinter der grünen Geldanlage

Das bieten nachhaltige Banken

Ökobanken und ihr Konzept: Das steckt hinter der grünen Geldanlage

Ob Kleidung, Essen oder Urlaub: Das Trendbarometer des 21. Jahrhunderts zeigt klar auf Nachhaltigkeit. Der Umweltaspekt ist daher längst auch beim Thema Banken und Finanzen angekommen. Wer es ernst meint mit einer ökologischen Lebensweise, sollte sich auch überlegen, wie und wo er sein Geld nachhaltig anlegen kann. In diesem Beitrag setzen wir uns mit dem Thema Ökobank auseinander, beleuchten die Unterschiede zur konventionellen Bank und klären über Vor- und Nachteile auf.

Was ist eine Ökobank?

Während viele umweltbewusste Menschen längst auf Wegwerfbecher verzichten, nutzt die Hausbank derweil das Geld vom Girokonto, um Ölplattformen zu finanzieren. Wer sein Geld dagegen nachhaltig anlegen möchte, kann die Angebote der Ökobank nutzen. Auch diese Banken arbeiten mit dem Geld ihrer Anleger, legen dafür aber strenge Regeln für eine ethisch und ökologisch verantwortungsvolle Reinvestition fest. Während sich konventionelle Banken oft kaum in die Karten schauen lassen, zeigen Ökobanken ihren Kunden transparent, wie und wo das Geld bleibt. Ökobanken sind überwiegend Direktbanken, die fast ausschließlich über das Internet agieren.

Was ist der Unterschied zwischen einer Ökobank und einer konventionellen Bank?

Der Hauptunterschied liegt in der Art der Reinvestition des Geldes: Ökobanken finanzieren mit den Geldern ihrer Kunden ökologische und nachhaltige Projekte nach strengen Richtlinien:

  • Keine Vergabe von Geldern, die mittelbar oder unmittelbar in die Rüstungs- und Atomindustrie fließen;
  • Keine Unterstützung von Konzernen, die Kinderarbeit oder Menschenrechtsverletzungen dulden;
  • Ausschluss von Kreditnehmern, die in heikle Investitionsbereiche wie Pornographie oder Embryonenforschung investieren;
  • Ablehnung von Spekulationen auf die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln und Rohstoffen;

Unternehmen, die diese Grundsätze nicht erfüllen, bekommen keine Kredite von der Ökobank. Wer sein Geld auf dem Girokonto einer Ökobank hat, finanziert damit weder Öl-Plattformen noch Tierversuchslabore. Ein besonderes Merkmal der Ökobanken ist ihre Transparenz. Die Kunden können genau nachvollziehen, wo ihre Gelder bleiben. Außerdem haben sie bei der Eröffnung eines Kontos häufig direktes Mitspracherecht, in welche Projekte die Bank mit diesem Geld investieren soll.

Lohnen sich ökologische Fonds konventioneller Banken?

Wer es nur ein bisschen ernst meint mit der ökologischen Geldanlage, der kann Geld in ökologische Fonds investieren. Allerdings muss sich jeder Anleger darüber im Klaren sein, dass dahinter kein durchdachtes und einheitliches Konzept steht. Der Vergleich zwischen einem ökologischen Fond und einer Ökobank ist in etwa vergleichbar mit einem grünen Garten, der in einem Atomkraftwerk gepflanzt wird. Dieselbe Bank, bei der der Ableger einen ökologischen Fonds nutzt, investiert vielleicht parallel beispielsweise in fossile Brennstoffe und auch in Modeunternehmen, die Produktionskosten durch Kinderarbeit sparen. Die Ökobank hat dagegen nicht nur einen einzigen ökologischen Baustein, sondern arbeitet ganzheitlich nach diesen Richtlinien.

Nachhaltige Geldanlage mit Ökobanken

Wie arbeitet eine Ökobank?

Ökobanken arbeiten im Grunde genauso wie konventionelle Banken und bieten auch klassische Möglichkeiten der Geldanlage wie Girokonten, Spar- und Tagesgeldkonten an. Auch Kredite und Aktendepots sind möglich.

Sind Ökobanken gewinnorientiert?

Ja, auch Ökobanken arbeiten klar gewinnorientiert. Sie vergeben mit dem Geld ihrer Kunden Kredite an Unternehmen und machen Gewinne mit den Zinsen, die sie dafür bekommen. Allerdings steht das ökologische Konzept vor der Gewinnabsicht. Selbst wenn ein Kredit an einen Kosmetikhersteller, der Produkte anhand von Tierversuchen entwickelt, attraktiv ist – er wird aus ethischen Gründen abgelehnt. Schließlich muss die Bank ihre Investitionen vor den Kunden transparent darstellen und rechtfertigen. Die Kunden der Ökobank haben jederzeit die Möglichkeit nachzuvollziehen, ob strenge Kriterien wirklich eingehalten werden.

Wo legen Ökobanken ihr Geld an?

Generell infrage kommen alle Unternehmen, die fair produzieren und handeln und deren Grundsätze mit den ethischen Anlagekriterien harmonieren. Das sind beispielsweise:

  • Wind- und Wasserkraftanlagen
  • Ökologisches Bauen
  • Kirchlich-karitative Einrichtungen
  • Erneuerbare Energien
  • Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen
  • Nachhaltige Wirtschaft

Ausschlusskriterien sind, neben den schon genannten Investitionen in fossile Brennstoffe, auch Investitionen in Waffen und Rüstung, Glücksspiel, industrielle Tierhaltung oder Atomkraft.

Welche Ökobanken gibt es in Deutschland?

Auf dem deutschen Markt existieren derzeit vier große Ökobanken, deren Charakteristika wir im Folgenden kompakt vorstellen.

GLS Bank

Die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS) ist die erste und älteste Ökobank in Deutschland. Sie bietet klassische Anlagemöglichkeiten wie ein Girokonto und Bausparverträge an und ist die einzige Ökobank, die auch mehrere Filialen in größeren Städten wie Bochum, Frankfurt, Hamburg, München oder Stuttgart hat. Kunden können sich Termine für persönliche Beratungsgespräche in der Bank holen, legen Konten an und bekommen dafür gebührenpflichtige Kredit- und Debitkarten. Eines der Alleinstellungsmerkmale der GLS-Bank ist die Möglichkeit für Kunden, kostenfrei Bargeld in den Filialen einzuzahlen. Die Angebote der GLS-Bank richten sich auch schon an sehr junge Sparer und Einrichter von Erstkonten.

EthikBank

Der Fokus der EthikBank liegt bei der Unterstützung sozialer Projekte. Die Unternehmen müssen aktives Engagement zeigen, um überhaupt als Kreditnehmer bei der EthikBank infrage zu kommen. Diese bietet ebenfalls wie konventionelle Banken Konten, Zahlungskarten sowie kurz- und langfristige Geldanlagen. Das Girokonto hat eine vergleichsweise hohe monatliche Grundgebühr, dafür aber keinen zusätzlichen Jahresbeitrag. Alle Karten für die Konten sind ebenfalls kostenpflichtig.

Triodos Bank

Die Tridos Bank ist eine niederländische Bank, die aber europaweit tätig ist. Sie besitzt in Deutschland eine Filiale in Frankfurt am Main und zeigt sich sehr vorbildlich in Sachen Transparenz. Es werden keine undurchsichtigen Bankgeschäfte getätigt und die Kreditnehmer sind den Kunden der nachhaltigen Bank namentlich bekannt. Ein Alleinstellungsmerkmal der Tridos Bank ist die erste grüne Zahlungskarte, die nicht aus Plastik, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt ist. Kunden können mit dem Einsatz ihrer Kreditkarte Bonuspunkte sammeln und diese wiederum für soziale Projekte spenden.

Umweltbank

Die Umweltbank investiert vorrangig in Umweltprojekte wie Solarfinanzierungen und bietet Bauherren eine ökologische Baufinanzierung an. Auch Wind- und Wasserkraftanlagen gehören zu den Kreditnehmern der Umweltbank. Allerdings können die Kunden bei dieser Bank kein Girokonto anlegen und es gibt auch keine Bank- oder Kreditkarte. Das Hauptaugenmerk dieser nachhaltigen Bank liegt neben der Baufinanzierung auf dem Fondssparen und der Altersvorsorge.

Weitere nachhaltige Finanzprojekte

Viele weitere Ideen und Konzepte entstehen derzeit rund um die Themen Nachhaltigkeit und Finanzen. Dazu gehört beispielsweise auch die digitale Plattform „tomorrow“, die seit 2019 nachhaltige Angebote von Versicherungen, Crowdfunding und Sparplänen bündelt. Kein Cent des verdienten Geldes wird für Rüstung, Kohlekraft, Gentechnik & Co ausgegeben. Mit der Nutzung des Angebotes leistet jeder User zu 100% einen ökologischen, sozialen und ökonomischen Beitrag.

Nachhaltigkeit bei ethischen Banken

Was sind die Vorteile einer Ökobank?

Kunden können ihr Geld bei der Ökobank mit gutem Gewissen anlegen. Sie finanzieren damit keine Unternehmungen, die mit Gentechnik, Tierversuchen oder Umweltverschmutzung in Verbindung stehen. Das ist für viele Menschen ein wichtiger Beitrag für die eigene, verantwortungsbewusste Lebensweise. Als großen Vorteil empfinden die Kunden außerdem die hohe Transparenz der Banken – sie wissen, wo ihr Geld konkret liegt. Ökobanken bieten eine vergleichbare Sicherheit mit konventionellen Banken; die Einlagen sind in das Sicherungssystem der Deutschen Volks- und Raiffeinsenbanken eingebunden.

Was sind die Nachteile einer Ökobank?

Ökobanken haben in der Regel keine besonders attraktiven Zinskonditionen. Diese liegen bei den Ökobank-Vergleichen immer im Mittelfeld. Außerdem haben sie entweder keine oder nur wenige Filialen, so dass der persönliche Ansprechpartner für die Kunden fehlt. Die Kommunikation wird weitgehend nur via Internet oder Telefon abgewickelt. Es gib entweder nur wenige oder gar keine kostenlosen Serviceleistungen und auch die Kredit- und Debitkarten sind meistens gebührenpflichtig

Ökobanken für Verantwortungsbewusste

Schlussendlich sind Ökobanken die perfekte Geldanlage für alle, die es ernst meinen und verantwortungsbewusst sowie nachhaltig leben wollen. Denn wer im Alltag auf Plastikbecher und überflüssige Autofahrten verzichtet, muss auch dafür sorgen, dass er mit seinem Geld keine Erdöl-Raffinerien unterstützt. Ökobanken sind nicht bekannt für ihre besonders guten Konditionen, sondern richten sich an Anleger, die auf die Transparenz, die strengen Richtlinien und die Vertrauenswürdigkeit Wert legen und ein Mitspracherecht haben wollen, was mit ihrem Geld geschieht. Dafür sind nachhaltige Banken uneingeschränkt empfehlenswert.

Ökobanken investieren in erneuerbare Energie