Artikel • 11.4.2020

Den ökologischen Rucksack auspacken – So verliert er an Gewicht

Den eigenen Fußabdruck verkleinern

Ökologischer Fußbadruck

Jeder Mensch schleppt Tag für Tag einen unsichtbaren Rucksack mit sich herum – den sogenannten ökologischen Rucksack. Im Laufe der Zeit kann dieser sehr schwer werden. Für die Umwelt ein Riesenproblem. Wir zeigen, was der ökologische Rucksack ist, wie dessen Gewicht errechnet wird und wie es gelingt, das Gewicht des Rucksacks so verringern.

Der ökologische Rucksack und wie er sich vom ökologischen Fußabdruck unterscheidet

Bei dem Begriff „Ökologischer Rucksack“ handelt es sich um eine sinnbildliche Darstellung der Ressourcenmenge, die ein Produkt oder eine Dienstleistung im Laufe des Lebenszyklusses verbraucht. Es geht aber nicht nur um Ressourcen für die eigentliche Herstellung eines Produktes. Auch die Rohstoffgewinnung, der Transport und die Entsorgung spielen bei der Berechnung des ökologischen Rucksacks eine wichtige Rolle.

So wiegt zum Beispiel eine Jeans real weniger als ein Kilogramm. Der ökologische Rucksack hat dagegen ein Gewicht von 30 Kilogramm. Und dabei ist das viele Wasser für die Herstellung noch gar nicht berücksichtigt. Noch deutlicher zeigt sich das Gewicht des ökologischen Rucksacks an einem Handy. Ein Mobiltelefon, das im Schnitt unter 100 Gramm wiegt, geht mit einem ökologischen Gewicht von mehr als 70 Kilogramm einher.

Nicht zu verwechseln ist der ökologische Rucksack mit dem ökologischen Fußabdruck. Dieser misst den Ressourcenverbrauch von Menschen, um einen gewissen Lebensstil aufrecht zu erhalten. Der ökologische Rucksack ergänzt also den Fußabdruck insofern, dass er die einzelnen Produkte, die der Mensch für seinen Lebensstil benötigt, genauer unter die Lupe nimmt. Aber wie wird das Gewicht des ökologischen Rucksacks überhaupt berechnet?

Ökologischer Rucksack Blätter

Das Gewicht des ökologischen Rucksacks berechnen

Das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie hat dazu die sogenannte MIPS-Formel entwickelt. MIPS steht für „Material-Input pro Serviceeinheit“. Auf der Homepage des Instituts steht ein Rechner zur Verfügung, mit dem das Gewicht des eigenen ökologischen Rucksacks berechnet werden kann. Der Rechner ermittelt das Verhalten anhand von Fragen aus sechs verschiedenen Kategorien/Lebensbereichen. Diese Bereiche stellen wir nachfolgend vor und geben nützliche Tipps, wie das Gewicht des Rucksacks reduziert werden kann.

1. Wohnen: Stromanbieter und Elektrogeräte mit Bedacht wählen

Im Bereich Wohnen kann das Gewicht des ökologischen Rucksacks reichlich reduziert werden. Es lohnt sich zum Beispiel über Ökostrom nachzudenken. Die Tarife von Anbietern wie SparEnergie und Co. sind in vielen Fällen weitaus günstiger als man glauben mag und der Rucksack fühlt sich daraufhin schon viel leichter an. Fließt der Ökostrom durch die Leitungen, dann sind die Elektrogeräte dran. Wer den eigenen ökologischen Rucksack möglichst leicht haben möchte, schaut beim Elektrogerätekauf auf eine hohe Energieeffizienzklasse und sagt dem Standby-Modus den Kampf an.

Wichtig ist zudem, die Heizdauer sowie die Heizintensität im Auge zu behalten. Für Hausbesitzer lohnt es sich, über energetische Sanierungsmaßnahmen nachzudenken oder sich eine eigene Solarstromanlage zuzulegen, um langfristig das Beste aus den Möglichkeiten herauszuholen. 

Beim Thema Wohnen werden folgende Kategorien berücksichtigt (in Klammer eine Beispielauswahl):

  • Wohnort (z.B. Deutschland)
  • Haushaltsgröße und Wohnfläche (2 Personen, 134 Quadratmeter)
  • Stromanbieter (Ökostrom)
  • jährliche Stromverbrauch (durchschnittlich, ca. 3100 kWh)
  • Heizart (Fernwärme)
  • Verbrauch von Heizenergie (gemäßigt, Raumtemperatur im Winter bei ca. 20 Grad Celsius)

Jährlicher Verbrauch an Rohstoffen: 8 Tonnen im Bereich Wohnen.

2. Konsum: Augen auf beim Einkaufen

Durch das eigene Kaufverhalten lässt sich der ökologische Rucksack ebenfalls deutlich erleichtern. Dies gilt zum Beispiel für die Bekleidung. Faire Kleidung ist meist ein wenig teurer, dafür ist bei Bio-Bekleidung ein gutes Umweltgewissen inklusive dabei und man kann sich sicher sein, dass Mindeststandards bei der Produktion eingehalten wurden. Biologische und faire Mode sieht außerdem gut aus. Shops wie der Avocado Store sind beste Beispiele dafür. Wer einen Schritt weiter gehen möchte kann sich in Second Hand-Läden einkleiden.

Ähnliches gilt für tägliche Gebrauchsgegenstände wie Möbel, Geschirr und Co. Wer auf die Herkunft und die Herstellungsweise der Produkte achtet, hat schon einen großen Schritt in Richtung Reduktion des eigenen ökologischen Rucksacks gemacht.

Beim Thema Konsum werden folgende Kriterien berücksichtigt (in Klammer eine Beispielauswahl):

  • Haushaltsgeräte (Herd-Backofenkombination, Mikrowelle, Kühl-Gefrierkombination, Spülmaschine, Waschmaschine)
  • Unterhaltungselektronik (2 Notebooks, 2 Tablets, 2 Handys)
  • Bekleidung (ca. ein neues Kleidungsstück pro Monat)
  • Einrichtung (in der Regel neuwertig, nicht älter als 10 Jahre)

Jährlicher Verbrauch an Rohstoffen: 2,4 Tonnen im Bereich Konsum.

3. Ernährung: Essen und trinken im Einklang mit der Umwelt

Die Essgewohnheiten des Menschen sind maßgeblich für das Gewicht ihres ökologischen Rucksacks verantwortlich. Dies beginnt bereits beim Lebensmittelkauf. Regionale und saisonale Lebensmittel wiegen ökologisch um einiges weniger als Importierte. Beim Einkaufen lässt sich außerdem Müll vermeiden, etwa durch den Verzicht auf Plastiktüten und unnötigen Verpackungen.

Eines der größten Umweltprobleme ist die Massentierhaltung. Rund 15 Prozent (Stand: 2013) der global ausgestoßenen Treibhausgase geht auf die Tierhaltung zurück. Um den ökologischen Rucksack zu reduzieren, müssen tierische Produkte aus herkömmlicher Tierhaltung vom täglichen Speiseplan verschwinden. Ersetzt werden diese durch Produkte in Bio-Qualität. Wer ganz auf Fleisch und tierische Produkte verzichten will, wird bei Anbietern wie Vegan Box viele Alternativen entdecken.

Wichtig ist nicht nur die Auswahl, sondern auch die Menge der Lebensmittel, die eingekauft werden. Wer zwar auf Bio-Qualität achtet, aber regelmäßig Lebensmittel wegwirft, agiert nicht besonders umweltbewusst. Beim Trinken ist Leitungswasser die ökologisch weit bessere Wahl als Mineralwasser aus dem Supermarkt – vor allem, wenn dieses in Plastikflaschen abgefüllt ist.

Beim Thema Ernährung werden folgende Kriterien berücksichtigt (in Klammer die Auswahl des Verbrauchs des Autors):

  • Fleischkonsum (wenig Fleisch, ca. 3 Mal pro Woche)
  • Getränke pro Tag (halbe Tasse Milch, eine Tasse Kaffee, eine Tasse Tee, 2 Liter Leitungswasser)
  • Abfall/Lebensmittel wegwerfen (nichts)

Jährlicher Verbrauch an Rohstoffen: 4,5 Tonnen im Bereich Ernährung.

4. Freizeit: Nachhaltigkeit ist auch hier möglich

Wer sich Gedanken um die eigene Freizeitgestaltung macht, kann dabei Umweltaspekte beachten. Umweltbewusst gestaltet sich die Freizeit vor allem in einer naturbelassenen Umgebung. Ein Spaziergang im Parkt füllt den Rucksack nicht so sehr wie der Besuch in der Indoor-Spielhalle oder des Tennisplatzes. Nicht gut für die Umwelt sind außerdem Kunstschneeanlagen oder Festivals. Bei allen Freizeitaktivitäten sollte stets die Müllvermeidung eine Rolle spielen – und wo sich Müll nicht vermeiden lässt, ist das Aufräumen selbstredend.

Beim Thema Freizeit werden folgende Kriterien berücksichtigt (in Klammer eine Beispielauswahl):

  • Hobbys/Monat (8 Stunden Joggen, 3 Stunden Rennrad)
  • Einrichtungen (7 Besuche von Kino/Theater/Konzerte, 1 Besuch Kletterhalle)
  • Wintersport (nichts)

Jährlicher Verbrauch an Rohstoffen: 0,2 Tonnen im Bereich Freizeit.

5. Mobilität: Fahrrad, Roller und Co. machen den ökologischen Rucksack leichter

Es ist zwar bequemer mit dem Auto zur Arbeit, zum Sport oder zu Verabredungen zu fahren. Wer aber vor auf das Gewicht des ökologischen Rucksacks Wert legt, entscheidet sich für das Fahrrad, die Bahn oder den Elektroroller. Beim Fahrradfahren profitiert auch die eigene Gesundheit davon. Mit Bike-Sharing-Anbietern wie Call a Bike ist für eine umweltfreundliche und gesunde Fortbewegung nicht einmal ein eigenes Fahrrad erforderlich.  

Beim Thema Mobilität werden folgende Kriterien berücksichtigt (in Klammer eine Beispielauswahl):

  • Fahrten zur Arbeit, Einkaufen, Sport usw./Woche (100 km S- oder U-Bahn, 10 km Fahrrad, 10 km zu Fuß)
  • Ausflüge zu Freunde, Veranstaltungen usw./Monat (120 km S- oder U-Bahn, 2 km Bus, 30 km Fahrrad)
  • PKW (nichts)
  • Fahrzeugtyp (kein Auto)

Jährlicher Verbrauch an Rohstoffen: 3,9 Tonnen im Bereich Mobilität.

6. Urlaub: Warum fliegen, wenn es auch anders geht?

In Deutschland und seinen Nachbarländern gibt es viele wunderschöne Destinationen für jeden Anspruch und jeden Geschmack. Besonders umweltfreundlich reist es sich mit der Bahn. Auch Anbieter wie FlixBus sind weitaus besser für den eigenen ökologischen Fußabdruck als Flugreisen und Autofahrten. Am Urlaubsziel muss es auch nicht unbedingt ein Auto sein, dass die Urlauber von A nach B befördert. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, bekommt viel mehr von der eigenen Umgebung mit und taucht so richtig in die Atmosphäre des Urlaubsortes ein.

Beim Thema Urlaub werden folgende Kriterien berücksichtigt (in Klammer eine Beispielauswahl):

  • Anreise (18 Stunden Flugzeug)
  • Unterkunft (20 Tage im Hotel, 3 Tage im Luxushotel, 34 Tage in Ferienwohnungen)

Jährlicher Verbrauch an Rohstoffen: 3,7 Tonnen im Bereich Mobilität

Jährlicher Verbrauch an Rohstoffen

Mit den von uns verwendeten Beispielen werden insgesamt 22,9 Tonnen Rohstoffe jährlich verbraucht. Dies liegt unter dem Durchschnitt, der bei 28 Tonnen liegt. Der nachhaltige Zielwert für 2030 liegt bei 17 Tonnen. Es muss also noch deutlich eingespart werden. Wie dies gelingt? Die oben angeführten Tipps helfen bei der Reduzierung des eigenen Verbrauchs.

Anmerkung: die Tage bei der Unterkunft sind deshalb so viele, weil der Autor im letzten Urlaub zwei Monate auf Reisen war.

Ökologischer Rucksack mit Gitarre

Schritt für Schritt die Last loswerden

Es ist gar nicht so schwer, sich der Last des ökologischen Rucksacks zu großen Teilen zu entledigen. Mit einigen Veränderungen in der eigenen Denkweise und im eigenen Alltag kann es jedem gelingen, viel ökologische Last loszuwerden und nicht nur den Rucksack, sondern auch das eigene Gewissen zu erleichtern.

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